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so_01-2014

Nr. 1 vom 5. Januar 2014 2. Sonntag nach Weihnachten12 Advent Nr. 1 vom 5. Januar 2014 2. Sonntag nach Weihnachten12 Eine Welt Aus aller Welt Irak: Autobombe zur Weihnachtsmesse Frankfurt a.M./Bagdad (epd) – Bei Anschlägen auf Christen in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am ersten Weihnachtsfeier- tag laut Medienberichten mehr als 30 Menschen getötet worden. Wie der US-Sender CNN berichtete, star- ben bei zwei Bombenexplosionen mindestens 38 Menschen, zudem wurden rund 70 verletzt. Vor einer Kirche im Süden der Stadt sei eine Autobombe explodiert als die Gläu- bigen nach der Weihnachtsmesse das Gotteshaus verließen. Ein zwei- ter Sprengsatz sei auf einem Markt- platz detoniert, der vorwiegend von Christen besucht wird, meldete CNN unter Berufung auf das iraki- sche Innenministerium. Seit dem Sturz des Diktators Saddam Hussein 2003 werden die Christen im Irak immer wieder Opfer gewalttätiger Übergriffe. In den vergangenen zehn Jahren sank die Zahl der Christen Schätzungen zufolge von 1,2 Millio- nen auf weniger als die Hälfte. Menschenrechtler: Appell an Kanzlerin Göttingen/Berlin (epd) – Die Ge- sellschaft für bedrohte Völker hat an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appelliert, sich verstärkt für bedrängte Christen in aller Welt ein- zusetzen. Deutschland solle mehr Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien aufnehmen, schrieben die Göttinger Menschenrechtler an die Kanzlerin in Berlin. Angesichts der Verfolgung und Not in dem Land sei es zwar erfreulich, aber nicht ausreichend, lediglich 10000 Flüchtlingen Schutz zu gewähren. Christen seien dort besonders bedroht, da sie zwischen den Fronten der Bürgerkriegspar- teien stünden. Die Menschenrechtsorganisation erinnerte auch an das Leiden von Millionen Christen in Konfliktregio- nen in aller Welt. So solle sich Mer- kel stärker für bedrängte Christen in Indonesien und Pakistan enga- gieren. Während in Indonesien will- kürlich Kirchen von den Behörden geschlossen und Christen daran ge- hindert würden, ihren Glauben aus- zuüben, stünden sie in Pakistan un- ter dem Generalverdacht der Blas- phemie. In der Zentralafrikanischen Republik, im Südsudan sowie in den umkämpften Provinzen im Sudan könnten Millionen Christen nicht in Frieden feiern, hieß es. In Ägypten und Nord-Nigeria schreckten Chris- ten aus Angst vor Terroranschlägen davor zurück, Gottesdienste zu be- suchen. In Birma litten christliche Minderheiten noch immer unter willkürlichen Übergriffen von Solda- ten und schweren Menschenrechts- verletzungen. Interview Der griechisch-orthodoxe Metropolit von Bursa, Elpidophoros Lambrinia- dis, bescheinigt der Türkei Verbesse- rungen in der Religionsfreiheit. Den- noch werden weiter viele Rechte vor- enthalten. Benjamin Lassiwe sprach darüber mit dem Kirchenoberhaupt aus der Westtürkei. Wie bewerten Sie die Situation der Re- ligionsfreiheit in der Türkei? Elpidophoros: Die Religionsfreiheit in der Türkei ist für religiöse Minderhei- ten viel besser, als sie einst war. Es gibt große Fortschritte, aber es gibt auch immer noch große Probleme, die wir ansprechen müssen. Eines davon ist die Situation unseres Priesterseminars in Chalki: eine Schule, die 1971 von der Regierung geschlossen wurde. Sie wurde unfair geschlossen – aber auch die heutige türkische Regierung, die große Schritte in Richtung Religions- freiheit unternommen hat, hat nicht den Mut gefunden, dieses Seminar wie- der zu eröffnen. Warum ist dieses Seminar von so gro- ßer Bedeutung? Elpidophoros: Es war die einzige Ein- richtung, in der wir als Kirche unsere künftigen Priester ausbilden konn- ten. Seit das Seminar geschlossen ist, müssen unsere Studenten ins Ausland gehen. Das ist jetzt so seit 42 Jahren. Dabei haben wir ein wunderbares, gut ausgestattetes Gebäude, eine gute Bib- liothek – aber wir erhalten von unserem eigenen Vaterland keine Erlaubnis, das Seminar zu betreiben. In den letzten Monaten und Jahren hat die Situation des syrischen Klos- ters Mor Gabriel in Deutschland für Aufsehen gesorgt. Nun wurde dort Land zurückgegeben. Elpidophoros: Die syrisch-orthodoxe Kirche ist eine Schwesterkirche von uns. Als Minderheiten in der Türkei freuen wir uns immer, wenn unsere Brüder und Schwestern einen Teil ihrer Rechte zurückbekommen. Das ist der Fall im Fall von Mor Gabriel. Gibt es ähnliche Fälle in Ihrer eigenen Kirche? Elpidophoros: Ja, zum Beispiel auf der Insel Chalki, wo auch das Priesterse- minar liegt. Dort hat unser Kloster im vergangenen Jahr den ganzen Hügel rund um das Kloster, 200 Hektar Wald, die vor 60 Jahren vom Staat eingezogen wur- den, zurückerhalten. Aber wir können nicht nur vom Land leben. Als Kirche brauchen wir auch Menschen. Wir müssen Menschen ausbilden können, da- mit sie in ihrem Land bleiben. Verlassen immer noch so viele orthodoxe Christen die Türkei? Elpidophoros: Ich denke, der Exodus der Christen aus der Türkei ist gestoppt. Vielleicht in letzter Minute, aber er ist gestoppt. Die Si- tuation unserer Kirche hat sich in den letzten Jahren verbessert. Dazu kom- men viele Christen aus allen Ländern der Welt in die Türkei und bringen ihre Gemeinden mit. Denn die Türkei ist ein prosperierender Staat, der Menschen anzieht. Deswegen habe ich auch Hoff- nung: Ich glaube, die Christenheit hat eine Zukunft in der Türkei. Ist die Türkei bereit für die EU? Elpidophoros: Was die Türkei zunächst erfül- len müsste, sind die Menschenrechte für ihre eigenen Bürger. Ich bewundere Deutsch- land für die Art und Weise, wie die Gastar- beiter hier behandelt werden. Deutschland hat diese Menschen umarmt, ihnen alles Notwendige zur Verfü- gung gestellt, auch die Religionsfreiheit. Mus- lime sind in Deutsch- land wirklich Bürger erster Klasse, nicht Bürger zweiter Klasse. Ich würde mir wünschen, dasselbe für mein eigenes Land, die Türkei, sagen zu können. Wir Christen, wir Griechen dort sind schließlich keine Gastarbeiter. Wir kommen nicht von irgendwoher. Wir haben schon immer dort gelebt. Aber wir genießen nicht einmal die- selben Rechte, die die Gastarbeiter in Deutschland haben. Nur einheimischer Schnaps weiter gratis Zug (GKZ) – Harte Zeiten brechen in diesem Jahr für die Abgeordne- ten des Parlaments im schweizeri- schen Kanton Zug an: Der Schnaps beim gemeinsamen Mittagessen soll nach einem noch vor Weihnachten gefassten Beschluss des Büros des Zuger Kantonsrates nicht mehr auf Staatskosten ausgeschenkt werden. Ratspräsident Hubert Schuler ver- wies zur Begründung auf die enor- men konsumierten Mengen. Kurze Zeit später allerdings beruhigte er die aufgebrachten Parlamentarier mit einer Präzisierung: Sofern die Zuger Kantonsrätinnen und Kan- tonsräte künftig nur noch »Zuger Kirsch« als »Verdauerli« zu sich nehmen, werde dieser wie auch der Wein zum Essen weiter gratis sein. Nicht mehr bezahlen will die Verwaltung aber außerkantonale oder gar völlig ausländische Spiri- tuosen. Aufgelesen Als Museum steht die Hagia Sophia heute allen Besuchern offen, doch mancher möchte sie gern wieder zur Moschee machen. Foto: Harald Krille Istanbuls Hagia Sophia ist heute ein Museum. Doch dies missfällt manchen türkischen Muslimen. Von Veronika Hartmann M ehr als drei Millionen Touris- ten strömen jedes Jahr in das einstige Gotteshaus. Doch die künftige Nutzung steht in der Diskus- sion. »Ich wünsche mir, dass – Inschal- lah (So Gott will) – die Tage, an denen die Hagia Sophia wieder lachen kann, bald anbrechen werden«, orakelte der stellvertretende türkische Minis- terpräsident Bülent Arinc jüngst. Der Vize-Regierungschef versprach damit indirekt, dass die ehemalige Kirche schon bald wieder zum Gebet geöffnet wird – für Muslime. Die spätantike Kuppelbasilika aus dem 6. Jahrhundert war über Jahrhun- derte die Hauptkirche des byzantini- schen Reiches und Zentrum der Ost- kirche. Nach der Eroberung Konstanti- nopels 1453 durch die Osmanen wurde sie zur Hauptmoschee. Auf Anregung des türkischen Staatsgründers Atatürk wurde die Moschee 1935 in ein Mu- seum umgewandelt. Nationalistisch-is- lamischen Türken sind die Ticketba- racken am Eingang ein Dorn im Auge. Statt Eintritt zu bezahlen, möchten sie ihr Gebet in der Hagia Sophia verrich- ten, um so an die Tradition Sultan Meh- mets II. anzuknüpfen. Nach dem Fall Konstantinopels soll er hier das erste Freitagsgebet verrichtet haben. Im griechisch-orthodoxen Patriar- chat in Istanbul begegnet man dem neuerlichen Vorstoß mit Gelassenheit. Erzpriester Dositheos Anagnostopou- los, für die Presse- und Öffentlich- keitsarbeit des Ehrenoberhaupts der orthodoxen Christenheit zuständig, denkt, dass die Diskussion in erster Linie innenpolitisch motiviert ist und die Wähler für die Regierungspartei AKP einnehmen soll. In diesem Jahr sind in der Türkei Kommunalwahlen. Deshalb gelte es, davon abzulenken, dass Regierungschef Erdogan gerade kalter Wind aus den eigenen Reihen entgegenbläst. »Wenn er die Wahlen gewinnt, wird Erdogan auch den Minderheiten ge- genüber wieder einen milderen Kurs fahren«, erwartet Anagnostopoulos. Anders als viele seiner Glaubensbrüder im Ausland hoffen weder er noch Patri- arch Bartholomäus darauf, dass die Ha- gia Sophia jemals wieder Kirche wird. Sie wünschen sich allerdings, dass der jüngste Vorstoß der nationalistischen Gläubigen ebenso im Sand verlaufen wird wie die vorangegangenen. Als Mu- seum stehe die Hagia Sophia allen of- fen, sagt Dositheos. Niemand hindere Gläubige daran, dort zu beten. Unterdessen versucht Yusuf Hala- coglu, ehemaliger Vorsitzender der Türkischen Historischen Gesellschaft und inzwischen Fraktionschef der na- tionalistischen Oppositionspartei MHP, sein Freitagsgebet in der ehemaligen Kirche einzuklagen: Er reichte im Parla- ment einen entsprechenden Antrag ein. Darin stützt er sich auf die Behauptung, dass die Unterschrift unter dem Be- schluss zur Umwandlung der Moschee in ein Museum gefälscht sei. Zudem sei der Beschluss nicht rechtsgültig, weil er nie im Staatsanzeiger veröffentlicht worden ist. Kritiker argumentieren, Atatürk wäre eingeschritten, wäre die Umwandlung nicht in seinem Sinne gewesen. Die türkische Religionsbehörde Diyanet hat bisher keine Stellung zur Umnutzung der Hagia Sophia bezo- gen. Allerdings betete Diyanet-Leiter Mehmet Görmez erst vor Kurzem das Freitagsgebet in der Hagia Sophia – al- lerdings nicht in dem symbolträchtigen Bau in Istanbul, sondern in der gleich- namigen Moschee in Trabzon an der Schwarzmeerküste. Die ehemalige orthodoxe Kirche wurde im Sommer zur Moschee umgewidmet wie bereits zwei Jahre zuvor die Hagia Sophia im historischen Nicäa, dem heutigen Iznik. (epd) Türkei: Die neue Debatte über die Hagia Sophia in Istanbul wirft ein Licht auf die Situation in Sachen Religionsfreiheit Moschee, Museum oder Kirche? »Menschenrechte für die eigenen Bürger« Zur Situation der Christen in der Türkei – im Gespräch mit dem Metropoliten Elpidophoros Lambriniadis Metropolit Elpidophoros Lamriniadis Foto: privat

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