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so_01-2014

Nr. 1 vom 5. Januar 2014 2. Sonntag nach Weihnachten Nr. 1 vom 5. Januar 2014 2. Sonntag nach Weihnachten2 Aktuell Kurz notiert Bischof Bohl: EKD soll Familie stärken Dresden (epd) – Sachsens evan- gelischer Landesbischof Jochen Bohl dringt auf eine starke Unter- stützung der Institution Ehe durch seine Kirche. Gerade in Zeiten ganz unterschiedlicher Lebensentwürfe und Formen des Zusammenlebens müsse die Kirche »eine klare Posi- tion haben, was man den Menschen rät«. Die Kirche werbe für die Ehe, sagte der sächsische Landesbischof in einem Gespräch mit dem Evange- lischen Pressedienst. Bohl bekräf- tigte seine kritische Haltung zum Familienpapier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), das bei seinem Erscheinen im Sommer für Irritationen gesorgt hatte. Eine Frage sei allerdings, was Menschen daran hindere, eine Ehe einzugehen. Hier sei die Kirche gefragt, zur Ehe zu ermutigen. Von einem nun ge- planten weiteren EKD-Papier zum evangelischen Eheverständnis er- hoffe er sich daher, »dass jetzt etwas formuliert wird, was dauerhafte Gel- tung hat«. Bohl ist stellvertretender Vorsitzender des Rates der EKD, der das Familienpapier im Sommer ver- abschiedet hatte. Glück: Protest gegen Kölner Nackt-Protest Köln (epd) – Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, hat den Nackt-Protest am ersten Weih- nachtsfeiertagimKölnerDomscharf kritisiert. »Es gibt kein Argument, das eine solche Aktion rechtfertigt«, sagte er. Das seien Provokationen, die letztlich nur darauf abzielten, andere Menschen zu verletzen. »Wir sollten solche Dinge auf keinen Fall widerspruchslos hinnehmen«, sagte Glück. Die Aktion habe sich nicht nur gegen den Kölner Kardinal Joa- chim Meisner gerichtet, sondern ge- gen alle, für die eine Kirche und ein Altar ein wichtiger Raum auch der geistlichen Dimensionen sei, sagte Glück. Eine junge Femen-Aktivistin war am ersten Weihnachtsfeiertag während des Gottesdienstes mit entblößten Brüsten auf den Altar gesprungen. Auf ihren Oberkörper hatte sie den Satz »I am God« (Ich bin Gott) gemalt. Gefördert: Geld für Reformationsjubiläum Berlin (epd) – Als eine ihrer ersten Amtshandlungen hat die neue Kul- turstaatsministerin Monika Grütters (CDU) die nächste Fördertranche für Projekte zum Reformationsju- biläum 2017 freigegeben. Grütters gab 21 Projekte bekannt, die bis einschließlich 2016 mit 1,8 Millio- nen Euro unterstützt werden. Der Bund unterstützt das Reformations- jubläum jährlich mit fünf Millionen Euro. Gefördert werden beispiels- weise eine Ausstellung über den Berliner Dom, die Neukonzeption der Dauerausstellung im Luther- haus Eisenach und die Rekonst- ruktion des Grundrisses der histo- rischen Klosteranlage Nimbschen bei Grimma in Sachsen. Aus diesem Kloster floh einst die spätere Ehefrau Luthers, Katharina von Bora. Untersucht: Luthers Haltung zu den Juden Hannover (epd) – Die Haltung Mar- tin Luthers (1483–1546) zum Juden- tum untersucht der evangelische Theologieprofessor Volker Wey- mann in einem Text, den die Verei- nigte Evangelisch-Lutherische Kir- che Deutschlands (VELKD) veröf- fentlicht hat. Insbesondere Luthers Spätschriften »gegen die Juden« seien eine »schwere Hypothek«. Der Beitrag von Volker Weymann ist in der Reihe »Texte aus der VELKD« Nr. 168 erschienen und kann im In- ternet heruntergeladen werden. 8 www.velkd.de/ VELKD_TEXTE_168.php Kirche und Asyl Enorme Solidarität Pro Asyl lobt Kirchen Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl hat das Engagement vie- ler evangelischer Gemeinden und Landeskirchen für Asylsuchende gewürdigt. »Es gibt eine enorme Solidaritätsbewegung«, sagte Ge- schäftsführer Günter Burkhardt. Die Unterstützung sei vielfältig: Sprachkurse würden angeboten, Geschenke verteilt, Friedensgebete abgehalten oder Skaternachmittage veranstaltet. »Diese Unterstützung finde ich bemerkenswert«, sagte Burkhardt. Dies gelte umso mehr, da das Jahr von negativen Schlagzeilen beispielsweise über Proteste gegen neue Flüchtlingsunterkünfte be- stimmt gewesen sei. Burkhardt er- gänzte, es falle auch auf, dass meh- rere Landeskirchen Beschlüsse ge- fasst haben, in denen sie gegen die Flüchtlingspolitik der EU und der Bundesregierung protestiert haben. »Die Kirchen haben eine enorme Bedeutung als Mahnerin, wenn es um ethische und moralische Fragen geht«, sagte er. Leider werde diese Stimme zu oft überhört. Der Geschäftsführer der Organi- sation ergänzte aber, jedes Engage- ment ende derzeit an der Frage, wie Flüchtlinge überhaupt nach Deutschland kommen könnten. Er äußerte dabei erneut Enttäuschung über die in seinen Augen fehlenden Konsequenzen aus dem Schiffsun- glück vor Lampedusa im Oktober. Die Antwort der Europäischen Union heiße: »Wir verlagern die Abschottung Europas so weit vor Europas Grenzen, dass es die Öffent- lichkeit in Deutschland nicht mehr mitbekommt«, sagte Burkhardt. Weil in Deutschland der Famili- ennachzug für Syrer problematisch geregelt ist, sei für viele Syrer Weih- nachten ein »ambivalentes Fest« ge- wesen, so Burkhardt. »Sie wollten feiern, wissen aber, ihre Verwandten sitzen vor den Toren Europas und dürfen nicht kommen, weil die Re- gierungen von Bund und Ländern auf Abschottung und Abschreckung setzen«, kritisierte er. (epd) Namen und Nachrichten Der 23-jährige Je- naer Dima Beirit ist Deutschlands bes- ter Glasapparate- bauer des Jahres 2013. Kurz vor Jah- resende erhielt er die Auszeichnung in Berlin aus den Händen des Präsi- denten des Deutschen Industrie- und Handelstages, Eric Schweitzer, sowie des EU-Energie-Kommissars Günther Oettinger. Das besondere: Dima er- lernte sein Handwerk im Christlichen Jugenddorfwerk (CJD) in Ilmenau. Die dort traditionell angesiedelte Ausbil- dung wurde nach der Wende vom CJD fortgeführt und bildet in Kooperation mit dem Staatlichen Berufsbildungs- zentrum Glasspezialisten aus ganz Deutschland aus. Sie ist zugleich die einzige überbetriebliche Ausbildungs- stätte für den Beruf des Glasapparate- bauers in Mitteldeutschland. Die Grünenfraktion im Bundestag hat Volker Beck zum neuen Sprecher für Religionspolitik ge- wählt. Der 53-Jäh- rige folgt damit auf den ehemaligen kirchenpolitischen Sprecher Josef Winkler. Beck sieht die neue Aufgabe nach eigenen Worten als Herausfor- derung. »Man sieht an den Debatten der letzten Zeit, dass es im Verhältnis des Staates zu den Religionsgemein- schaften gesellschaftspolitischen Klä- rungsbedarf gibt«, so Beck. Gleich- zeitig erneuerte er seine kirchenkri- tische Haltung: Manche Aspekte des Religions- und Religionsverfassungs- rechtes müsse man neu interpretieren oder neu regeln. Besonders stört ihn das Recht der Kirchen, von ihren Mit- arbeitern bestimmte Lebensformen im Privaten abverlangen zu können. Der Theologe und Philosoph Richard Schröder wurde am 26. Dezember 70 Jahre alt. Der evangelische Pfar- rer und Hochschul- lehrer gehörte der letzten, frei ge- wählten Volkskam- mer an und war von April bis August 1990 Vorsitzender der SPD-Fraktion. Schröder ist Präsident der deutschen Nationalstiftung und Vorsitzender des Beirates der Stasi-Unterlagen-Behörde, dem er seit 1992 angehört. Schröder wurde 1943 im sächsischen Frohburg geboren. 1973 bis 1977 war er Pfarrer in Wiederstedt im Harz. Anschließend lehrte er an den Kirchlichen Hochschu- len in Naumburg und Ost-Berlin, an denen er auch studiert hatte. Von 1990 bis zu seiner Emeritierung 2009 war er als Theologieprofessor an der Berliner Humboldt-Universität tätig. Der Papst im Dorf Das koptisch-orthodoxe Kirchenoberhaupt Tawadros II. war zu Besuch in Höxter Vor der Klosterkirche demonstrier- ten ägyptische Muslimbrüder. Der Spielmannszug »Alte Kameraden« marschierte auf und in den Vorgärten standen Willkommensplakate: Das kleine Dorf Brenkhausen bei Höxter war in hellem Aufruhr. Denn zwei Tage vor dem Weihnachtsfest war der Papst in Brenkhausen zu Besuch. Zugegebe- nermaßen nicht Franziskus, das katho- lische Kirchenoberhaupt aus Rom, son- dern Tawadros II., das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche Ägyptens, deren Kloster seit 20 Jahren in Brenk- hausen ansässig ist. »Dass Papst Tawadros nach Deutschland kommt, ist die Krönung einer mühevollen Arbeit von 20 Jah- ren«, freute sich Anba Damian, Gene- ralbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland. Denn vor zwei Jahrzehnten hatte die Kirche begonnen, gegen den Widerstand unter anderem des Denkmalschutzes die alte Klos- terruine von Brenkhausen mit neuem Leben zu erfüllen. Heute ist daraus ein geistliches Zentrum der bis zu 100000 in Deutschland lebenden Kopten ge- worden, »ein Stück Ägypten in der Fremde«, wie eine Besucherin sagte. Weswegen Papst Tawadros seinen ers- ten Besuch in Deutschland überhaupt nutzte, um das Kloster auch offiziell zu weihen. »Es ist eine Verpflichtung des Pat- riarchen, seine Gemeinden auch im Ausland zu besuchen«, betonte Ta- wadros in Höxter. Denn für die unter immer neuen Anschlägen fanatischer Muslime leidenden Kopten gewinnt die weltweite Diaspora immer mehr an Bedeutung. »Mittlerweile gibt es Kopten in mehr als 80 Ländern der Welt«, sagt Tawadros. Und gleichzei- tig betont die koptisch-orthodoxe Kirche die Bedeutung der Ökumene: In Ägypten gründete Tawadros einen Nationalen Christenrat mit, und zur Amtseinführung von Papst Franziskus reiste er nach Rom. »Unter Tawadros hat es eine Öffnung der Kopten hin zu anderen christlichen Kirchen gegeben«, bestätigt Gerhard Feige, römisch-ka- tholischer Bischof von Magdeburg und Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz. Gleichzeitig stimme es »traurig und nachdenklich«, dass so viele koptische Christen in den letzten Jahren ihr Land verlassen hätten. Ähnlich äußerte sich auch der west- fälische Oberkirchenrat Ulrich Möller, der Tawadros als »großen Versöhner« würdigte. »Soziale Konflikte werden religiös aufgeladen, in religiöser Ver- blendung wird der Glaube missbraucht und entlädt sich in fanatischem Hass und brutaler Gewalt gegen Andersden- kende und Andersgläubige«, sagte Möl- ler mit Blick auf Ägypten. Ein großer Unterstützer der Kop- ten ist der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU im Deutschen Bundestag, Volker Kauder. Er zeigte sich in Höx- ter besorgt darüber, dass sich mehr und mehr »christenfreie Zonen« im Nahen und Mittleren Osten bildeten. Tawadros wiederum forderte die Bun- desregierung und die Kirchen auf, sich verstärkt für die Bildung und gegen die zunehmende Armut in Ägypten zu engagieren. »Auch kleine Projekte können sehr sinnvoll sein«, betonte der Kopten-Papst. Zugleich rief er die Deutschen auf, weiterhin als Touristen nach Ägypten zu kommen. Der Touris- mus könne einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Armut und zur Stabi- lisierung des Landes leisten. Benjamin Lassiwe Das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche, Papst Tawadros II. (rechts), hat bei seinem ersten Deutschlandbesuch das Kloster der koptischen Kirche in Höxter in Westfalen geweiht. Anlass war die Übernahme des Klosters durch die koptische Kirche vor 20 Jahren. Foto: epd-bild Kirche und Geld EKD-Ratschef will keine arme Kirche Frankfurt (epd) – Der Ratsvorsit- zende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat sich erneut gegen Forderungen von Papst Franziskus nach einer »armen Kirche« gewandt. »Nachhaltig helfen kann nur eine Kirche, die auch materielle Mittel hat, um helfen zu können«, schrieb Schneider in einem Beitrag für die »Frankfurter Allgemeine Zeitung«. Zudem brauche es fachlich quali- fizierte Mitarbeiter, »um große pro- phetische Visionen in viele kleine praktische Schritte umzusetzen.« Schneider reagierte damit auf das im November vorgestellte Dokument »Evangelii gaudium« (Freude des Evangeliums) des Papstes. Zwar sei das »Ideal einer armen Kirche un- verzichtbares Korrektiv für eine Kir- che der bürgerlichen Mitte«, räum- te der EKD-Ratsvorsitzende ein. Den Armen sei aber nicht mit einer ar- men Kirche gedient, betont er zu- gleich. Im Blick auf die Weltverant- wortung dürfe sich die parteiliche Kritik gegen einen lebensfeindlichen Kapitalismus nicht in großen Ver- lautbarungen und Gesten erschöp- fen, betonte der Ratsvorsitzende.

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