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so_01-2014

Nr. 1 vom 5. Januar 2014 2. Sonntag nach Weihnachten Sie hatten sich nach Rumä- nien aufgemacht, um den Ärmsten dort zu helfen – auf dem Weg dann der Unfall. Seither ist Matthias Netwall querschnittsgelähmt. Und macht anderen Mut, weil er auch sein neues Leben als Geschenk sehen kann. Von Tomas Gärtner E s passiert in der Nacht auf den 14. Januar 2013. Zusammen mit drei Frauen ist Matthias Netwall, Geschäftsführer des Vereins Projekt Leben in Lauterbach bei Dresden, auf dem Weg nach Sacele in Rumä- nien. Ein Seminar für Romafrauen ist geplant. Alles, was diese selbst ohne Geld tun können, um ihre Lage zu ver- bessern, wollen sie ihnen beibringen: gesunde Ernährung, den Gebrauch von Kräutern, einfache hausmedizi- nische Behandlungsmethoden, na- türliche Familienplanung. Auf der Au- tobahn kurz vor Brünn (Brno) bleibt ihr Kleinbus mit einer Panne auf dem Seitenstreifen liegen. Es ist gegen halb zwei, als ein LKW mit voller Geschwin- digkeit auf das Fahrzeug kracht. Eine der Frauen wird leicht verletzt, die zwei anderen schwer. Am schwersten Matthias Netwall. Auf der Intensivstation in Brünn ringen die Chirurgen um sein Leben. »Wenn man das Fahrzeugwrack gese- hen hat«, sagt Matthias Netwall, »er- scheint es einem als Wunder, dass wir überhaupt noch leben.« Er kam in der Klinik zu sich. Nur noch daran erinnert er sich. Nach vier Operationen steht fest: Er wird quer- schnittsgelähmt bleiben, vom fünften Wirbel abwärts. An der Rückseite des alten Bauern- hauses in Lauterbach, in dem er mit Frau, 17-jähriger Tochter und 15-jäh- rigem Sohn lebt, fällt Besuchern als er­ stes ein Holzbalkengerüst auf, konstru- iert von seinem Schwager, der Zimme- rer ist. Eine Auffahrt, auf der Matthias Netwall mit dem Rollstuhl allein in die erste Etage gelangt. Das Haus haben sie so umgebaut, dass er dort alles auf einer Ebene hat: Wohnzimmer, Küche, einen Therapieraum mit Geräten. »Hier trainiere ich, was noch geht«, sagt er. Den Körper zu aktivieren, ist seine wichtigste Aufgabe. Er hat ge- lernt, sich wieder selbst anzukleiden. »Man muss seine Techniken entwi- ckeln. Alles geht langsamer.« Als er das erste Wochenende aus der Rehabilitationsklinik in Kreischa nach Hause konnte, sah er, was alles liegengeblieben war. »Ich habe mich gefragt: Was kann ich überhaupt noch selbst machen? Wie geht es beruflich weiter?« Seit 2002 leitet der gelernte Elektri- ker und studierte Sozialpädagoge den Verein, der einen Biohof betreibt, Lang- zeitarbeitslose beschäftigt und Roma in Rumänien hilft. Fast alle Projekte laufen weiter, sagt Cord Exner, der die Arbeit vertretungsweise leitet. Nur jene Seminare von Netwalls Begleiterinnen für die Romafrauen vorerst nicht. »Mein Glück ist, dass mir meine Fami- lie hilft«, sagt Matthias Netwall. Auch die der beiden Geschwister seiner Frau. Und er hat einen großen Freun- deskreis. »Das habe ich jetzt beson- ders gemerkt.« In einer Kiste bewahrt er all die Brie- fe auf, die sie ihm geschrieben haben. »Manche sind mit meinem Unfall nicht zurechtgekommen.« Oft hat er die- se Warum-Fragen gehört. Warum er- wischt es ausgerechnet einen, der sich auf den Weg macht, um den Ärmsten in Rumänien zu helfen? Auch Vasile Ghica hat sie ihm ge- stellt, als er Anfang September zu Besuch kam. Als Pastor leitet er die evangelische Volkskirche der Roma. Etwa 130  000 Mitglieder in mehr als 900 Gemeinden. Die größte Roma- Organisation, Partner vor Ort bei den Hilfsprojekten. Zuvor, am Telefon, hat Pastor Ghica ihm gesagt, dass die Ge- meinden jeden Tag in den Kirchen für die Genesung der deutschen Helfer beten: »Was immer das bedeutet – ge- sund sein.« Diese über 15 Jahre ent- standene enge Verbindung zu spüren, tue ihm gut, sagt Netwall. »Auch wenn wir uns kulturell immer fremd bleiben werden.« Einige, die ihn besuchten, der Schreiber dieser Zeilen eingeschlos- sen, haben ihm ihre Unsicherheit ge- standen. Doch die hält nur so lange an, bis man ihm gegenübersitzt. Keine Spur von Verzweiflung. Matthias Net- wall spricht ruhig und leise. Stemmt sich mit den Armen im Rollstuhl hoch. Manchen Besucher, der glaubte, ihn aufrichten zu müssen, habe am Ende er mit seiner ruhigen Zuversicht aufge- richtet, berichten Bekannte. »Ach, das ist ja schlimm!«, hat eine Frau gesagt, als er ihr am Telefon er- zählte, er sitze querschnittsgelähmt im Rollstuhl. Herumjammern, obwohl man selbst nicht betroffen ist – das, sagt er, gehöre zu dem, was nicht helfe. »Und wenn mich jemand bemitleidet wie einen armen Jungen.« Was ist sinnvoller? »Ganz normaler Umgang. So wie vorher«, sagt Netwall. An der Wand hat seine Frau einen Zet- tel befestigt: »Ich halte dich. – Gott«. Sein Glaube hilft ihm, sagt Matthias Netwall. »Es klingt sicher fromm, aber ich fühle mich getragen. Ich war gelas- sen. Schon in der Klinik in Brünn.« Die Warum-Fragen hat er umge- dreht: »Warum bin ich nicht in der ungarischen Puszta verunglückt oder in Rumänien? Dort hätte ich keine Chance gehabt.« Im neuen Jahr will er sich ein Auto umbauen lassen, um selbst wieder fahren zu können. Und irgendwann wieder versuchen zu arbeiten. Jetzt ab- solviert er eine Coaching-Ausbildung. Er will einfach schauen, in welche Richtung es geht. »Ich bin nicht immer in Aktion«, sagt er. »Man muss auch seine Hilflosigkeit aushalten. Ich kann mein neues Leben als Geschenk sehen. Auch wenn es nicht so aussieht.« Im Blickpunkt 3 Hintergrund Verein »Projekt Leben« Ziel: Förderung eines menschen- würdigen Lebens nach christlichen Vorstellungen. Geschichte: Der Verein wurde 1999 in Lauterbach bei Stolpen gegrün- det. Auf dem eigenen Bio-Hof wa- ren seither über 100 arbeitslose Menschen in befristeten Maßnah- men tätig. Im Jahr 2000 übernahm das Projekt die Rumänienhilfe der Kirchgemeinde Lauterbach. Rumänien: Standen anfangs Hilfstransporte im Vordergrund, leistet der Verein heute Unterstüt- zung für die Eigeninitiative der Roma vor Ort. Zusammen mit der Volkskirche der Roma fördert er Bildungsprojekte für Kinder, eine Diakonenschule, Frauenseminare, Nothilfen für Familien sowie Hilfen für die Landwirtschaft. Bio-Hof: Mit Langzeitarbeitslosen stellt der Verein Bio-Produkte her und verkauft sie im eigenen Hof- laden. 8 www.projektleben.org Glück:  Warum erwischt ein schwerer Unfall ausgerechnet einen Helfer auf dem Weg zu den Ärmsten? »Man muss auch seine Hilflosigkeit aushalten«, sagt Matthias Netwall im Rollstuhl – und schmiedet neue Pläne. Fotos (3): Steffen Giersch »Ich bin getragen« Calmvalera Hevert Die Anwendungsge- biete leiten sich von den homöopathischen Arzneimittelbildern ab. Dazu gehören: Ner- vöse Störungen wie Schlafstörungen und Unruhe, Verstimmungszustände. Enthält 48 Vol.-% Alkohol. Zu Risiken und Neben- wirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Hevert-Arzneimittel In der Weiherwiese 1 · D-55569 Nussbaum Mehr Infos unter www.hevert.de CALMVALERA HEVERT „Befreien Sie sich von Anspannung und innerer Unruhe – Tag und Nacht.“ Sandra Speichert, Schauspielerin und Mutter von Zwillingen Mit der Kraft der Homöopathie Für jede verkaufte Packung spendet Hevert-Arzneimittel 1 Cent für das Schulprojekt „Schulbausteine für GANDO e.V.“ in Burkina Faso www.fuergando.de Hevert nutzt zu 100% Strom aus erneuer- baren Energie- quellen Werden Sie Fan von Hevert • Beruhigt • Entspannt • Fördert den Schlaf ID:4824336·11/2013 document6521443054669406295.indd 1 25.10.13 13:51 Anzeige Matthias Netwalls Schwager ist Zimmermann und hat ihm ein Holzbalken- gerüst gebaut, damit er auch im Rollstuhl in die erste Etage seines Bauern- hauses kommt. Als Matthias Netwall noch laufen konnte, besuchte er oft die arbeitslosen Frauen, die auf dem Gemüsefeld seines Vereins in Stolpen eine Beschäftigung gefunden hatten. 014 en Pro vie- nd de me Ge- rdt. tig: en, ete age ng gte das en en be- er- eh- ge- die der en. me es en ese ani- ge- age, ch Er ng en un- ber. en die vor ent- ehr mili- sch eih- ge- en ten nd Re- ern ng pd) sit- he aus en kus ndt. ne tel eb die ng«. ali- pro- ne n.« im ent des sei un- Kir- um- Den ar- zu- ant- he hen Ver- öp-

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