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so_01-2014

Nr. 1 vom 5. Januar 2014 2. Sonntag nach Weihnachten8 Zwischen Mulde und Pleiße Dickert nicht mehr Kirchenmusikdirektor Wurzen (so) – Der Wurzener Dom- kantor Johannes Dickert hat zum Jahreswechsel seine Arbeit als Kir- chenmusikdirektor (KMD) im Kir- chenbezirk Leipziger Land aufge- geben. »Ich möchte mich mehr auf die Gemeindearbeit konzen- trieren«, sagte der 60-Jährige, der- zeit dienstältester sächsischer KMD dem Sonntag. Dickert hatte die Stelle des Kirchenmusikdirektors seit 1986 inne, zunächst im Kirchen- bezirkWurzen.Seit2009arbeiteteer im mit Borna vereinigten Kirchen- bezirk Leipziger Land zusammen mit KMD Bernhard Müller, der das Amt künftig allein übernimmt. Kritik an Krippenspiel Leipzig (epd) – Ein grotesk-ko- misches Krippenspiel des Leip- ziger Knalltheaters hat beim ka- tholischen Bistum Dresden-Mei- ßen Unmut hervorgerufen. Das Bistum finde es »nicht witzig«, wie das Theater die Geschichte um das Jesuskind aufzeige, erklärte Bis- tumssprecher Michael Baudisch. »Wir haben den Eindruck, dass die Effekte dabei nicht gerade aus den oberen Schubladen stammen«, fügte er hinzu. Das Leipziger The- ater, welches das Stück unter dem Titel »Das verko(r)kste Krippen- spiel 13« aufführt, zeigte sich über- rascht über die Kritik. »Das Krip- penspiel ist nicht blasphemisch, un- sere Absicht ist nicht, Gefühle und Überzeugungen zu verletzen«, sagte Theater-Sprecher Larsen Sechert. Ruhestand für einen Kritiker Der streitbare Leipziger Thomaskirchen-Pfarrer Christian Wolff wird verabschiedet Er mischt sich ein, bezieht klare Position und nimmt kein Blatt vor den Mund. Christian Wolff ist bekannt für seine besondere Diskussions- und Streitkultur. Damit gibt der Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, der am 6. Ja- nuar in den Ruhestand verabschiedet wird, Orientierung und spaltet zu- gleich. Ähnlich wie ein Politiker, was Christian Wolff beinahe auch gewor- den wäre und vielleicht noch wird. Seit 1970 trägt er das Parteibuch der SPD bei sich, seit 1973 ist er Ge- werkschaftsmitglied. Doch bei den Landtagswahlen 1976 in Baden-Würt- temberg hatte sein SPD-Kandidat, für den er Wahlkampfhelfer war, zu weni- ge Stimmen erhalten und kam nicht ins Parlament. So beendete Wolff sein Vikariat ordnungsgemäß und wurde 1977 Pfarrer in Mannheim. Vom Rhein zog es ihn 1992 mit seiner Frau Doro- thea an die Pleiße, wo er erster Pfarrer der Thomaskirchgemeinde wurde. In der Messestadt mussten sich vie- le Menschen vor allem an seine direk- te und beharrliche Art erst gewöhnen. »Er ist ein profilierter und mit größtem Engagement dienender Pfarrer. Einer, der die Gabe hat, präzise und scharf zu formulieren«, beschreibt Leipzigs Superintendent Martin Henker die Ei- genart des Geistlichen. »Es ist eine Be- reicherung und Herausforderung mit ihm zu arbeiten«, so Henker. Mit seiner Meinung gibt Christian Wolff oft den Minderheiten eine Stim- me. Dabei vergleicht er sich auch mit Jesus, der für seine Gesellschaftskritik auch viel Häme habe einstecken müs- sen. Ob beim Streit um eine Begren- zung des abendlichen Veranstaltungs- lärms in der Leipziger City, als Wolff mit einer Bürgerinitiative den Bewoh- nern der Innenstadt eine Nachtruhe erstritt, oder beim Streit um den Bau einerMoschee,dieWolffsehrbegrüßte. Immer wieder kassierte er dafür Belei- digungen bis hin zu Morddrohungen. »Ich wurde ja schon als christlicher Ayatollah beschimpft«, sagt Wolff. Sei- ner Meinung nach fehle es einfach an einer guten Streitkultur. Eher domini- ere Obrigkeitshörigkeit. Dabei ist er für seinen Fundamen- talismus bekannt. »Besonders konzep- tionelle Linien formuliert er mit einer Schärfe, dass neben seiner Sicht kaum eine andere beste- hen kann«, sagt Su- perintendentMartin Henker. Gleichzeitig lobt er Wolffs Ideenreichtum für Tho- maskirche und Forum Thomanum. Vor allem finanziell hat Christian Wolfffürdie4600Gemeindegliederder vereinigten Thomas- und Lutherkirch- gemeinde viel in Bewegung gebracht. Vereine und Firmen wurden gegründet, Stiftungen aufgebaut. »43 Leute waren zur Weihnachtsfeier in diesem Jahr im Thomashaus«,sobeschreibtderPfarrer, wieviele Menschen für die Gemeinde imPfarrhausarbeiten.»Durchunseren harten Sparkurs und neue Einnahmen mussten wir seit 1998 keine Strukturre- form mehr mitmachen«, so Wolff. »Wir können hier sogar Kampag- nien machen«, sagt Pfarrer Wolff nicht ohne stolz. Seine Netzwerke sind weit gespannt, nicht zuletzt auch dank sei- ner ernormen Spendensammlungen für die Thomaskirchgemeinde, den Bil- dungs- und Musikcampus Forum Tho- manumunddenThomanerchor(siehe Grafik unten). »Das können wir uns nur leisten, weil wir innerhalb der Gemeinde keine größeren Streitigkeiten hatten. Ich bin froh, dass es in meiner Zeit auch kei- ne Richtungskämpfe in der Gemeinde gab«, sagt der Pfarrer. Dafür hatte er großen Streit mit dem Landeskirchenamt (LKA). Sein eigenmächtiges Handeln beim Bau des Thomasshops neben der Thomas- kirche gegen die Vorgaben vom LKA brachte ihm sogar ein Disziplinarver- fahren ein – blieb letztlich aber fol- genlos. Er habe sich mit allen Beteilig- ten an einen Tisch gesetzt und die Ver- stimmungen ausge- räumt, sagt Wolff. Doch auch um die Regelung seiner Nachfolge gab es wieder Streit mit dem Landeskirchenamt. Seine bisherige Kollegin Britta Taddiken nimmt zwar als erste Frau an der Spitze der Tho- maskirche seinen Platz ein. Doch das ging nicht geräuschlos vor sich, son- dern der Streit mit dem Landeskirchen- amt um eine automatische Besetzung der ersten Pfarrstelle durch die bishe- rige zweite Pfarrerin wurde öffentlich. »Ich hatte gehofft, dass das autoritäre Handeln im Landeskirchenamt mit der Zeit etwas weniger geworden sei. Aber ich habe mich geirrt«, sagt Christian Wolff enttäuscht. In seinem Ruhestand möchte er in der SPD mehr mitarbeiten. »Erst ein- mal im Ortsverein«, sagt er. Eine po- litische Karriere strebe er jetzt nicht mehr an. Außerdem wolle er Beratung für Kirche, Politik und Kultur anbieten. Seine neue Internetseite, wo er auch einen Blog schreiben werde, bietet darauf einen kleinen Vorgeschmack. »Mal sehen, wer das möchte«, sagt Christian Wolff. Nicht zuletzt will sich Christian Wolff auch mehr seiner Familie wid- men, die quer über die Welt verstreut sei. Dafür leben die Kinder aus der Ehe mit seiner zweiten Frau Zlata – seine erste Frau starb an Krebs – beide in Leipzig. Die Tochter könnte als ange- hende Pfarrerin sogar in seine großen Fußstapfen treten. Uwe Naumann Verabschiedung von Christian Wolff im Festgottesdienst am 6. Januar, 9.30 Uhr in der Leipziger Thomaskirche. 8 www.wolff-christian.de Veranstaltungen 4. bis 10. Januar Borsdorf Kirche Panitzsch: A-capella- Konzert zum Ausklang der Weihnachtszeit, So. 15 Uhr. Borna Emmauskirche: Ökumenisches Mittagsgebet, Mi. 12 Uhr. Leipzig Thomaskirche: Motette, Sa. 15 Uhr. Von Bach zu Bach, Motetten und Orgelwerke der Familie Bach, Sa. 19.30 Uhr. Mittagsgebet mit orthodoxen Gesängen, Mi. 12 Uhr. Motette mit den Thomanern, Fr. 18 Uhr. Matthäi-Haus Dittrichring: Tho- mas Forum, 475 Jahre Einführung der Reformation in Leipzig, Mi. 10 Uhr. Nikolaikirche: Orgelmusik, Sa. 17 Uhr. Friedensgebet, Mo. 17 Uhr. Musik und Besinnung, Mi. 17 Uhr. Versöhnungsgebet im Zeichen des Nagelkreuzes von Coventry, Fr. 12 Uhr. Peterskirche: Jugendgottesdienst, So. 18.30 Uhr. Orgel-Punkt-Zwölf, Do. 12 Uhr. The very Best of Black Gospel, Do. 19.30 Uhr. Auferstehungskirche Möckern: Liturgisches Abendgebet, Mi. 18.30 Uhr. Emmauskirche Sellerhausen: Wassermusik für Flöte und Harfe, So. 16 Uhr. Erlöserkirche Thonberg: Mensch und Literatur, Vortrag und Ge- spräch, Do. 10 Uhr. Friedenskirche: Complet, Litur- gisches Gebet, Do. 21.45 Uhr. Gustav-Adolf-Kirche Lindenthal: Versöhnungsgebet von Coventry, Fr. 18 Uhr. Kirche Holzhausen: Stroh aus Gold, Bastian Bandt, Do. 19.30 Uhr. Kirche Marienbrunn: Wieder- holung des Christnachtsspiels der Jungen Gemeinde, So. 15 Uhr. Kirche Schönau: Klang, Stille, Raum, Musik und Meditation, Fr. 19 Uhr. Kirche Zuckelhausen: Gottes- dienst für Leib und Seele zur Rauhen Nacht, Sa. und So. 20.30 Uhr. Konzert zum Abschluss der Rauhen Nächte, Mo. 19 Uhr. Laurentiuskirche Leutzsch: Weihnachtliche Chormusik von Vittoria bis Mauersberger, So. 18 Uhr. Paul-Gerhadt-Kirche Connewitz: Bibel live, Lesung aus dem Buch Ruth, So. 17 Uhr. Paul-Gerhardt-Haus Connewitz: Pfarrhausgespräche, Di. 19.30 Uhr. Reformierte Kirche: Neujahrs- bräuche aus aller Welt, Vortrag und Gespräch, Mi. 15 Uhr. Versöhnungskirche Gohlis: Weihnachtskonzert, So. 15 Uhr. Teekeller Quelle in der Mi- chaeliskirche: Offener Treff für Erwachsene, Di. 18 Uhr. Markkleeberg Auenkirche: Kammermusik, Polymnia Quartett, Sa. 17 Uhr. Mutzschen Stadtkirche: Epiphanias- wanderung mit Andacht und Imbiss, Sa. 10 Uhr. Oschatz Aegidien-Kirche: Neujahrs- konzert mit den Aegidien Gospel- Singers, Sa. 19 Uhr. Zwenkau Laurentiuskirche: Epiphanias- andacht mit Wiederholung des Krippenspiels, So. 16 Uhr. Kurz berichtet Der Pfarrer der Leipziger Thomaskirchgemeinde Christian Wolff geht im Januar mit 64 Jahren in den Ruhestand. Als Berater für Kirche, Politik und Kultur wird er sich weiterhin in der Stadt einmischen. Foto: Jan Adler Impressum DER SONNTAG – Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens Internet: www.sonntag-sachsen.de www.facebook.com/dersonntag Herausgeber: EvangelischerMedienverband in Sachsen e. V. (EMV) Redaktion: Andreas Roth (Leitender Redakteur, v.i.S.d. P.), Christine Reuther, Stefan Seidel. Sekretariat: Christiane Fleischer. Satz: Jens Luniak. Fotograf: Steffen Giersch. Blumenstraße 76, 04155 Leipzig; Tel. (0341) 7114170, Fax (0341) 7114160. E-Mail . DER SONNTAG wird in redaktioneller Zusammen- arbeit mit der Kirchenzeitung »Glaube und Heimat« (Magdeburg/Weimar) hergestellt. Gemeinsame Redaktion der mitteldeutschen Kirchenzeitungen (Seiten 2, 4 und 12): Harald Krille (Chefredakteur, v. i.S.d.P.) und Sabine Kuschel. Satz: Steffen Wolf. Lisztstraße 2a, 99423 Weimar, Tel. (03643)2461 23, E-Mail . Verlag: Evangelisches Medienhaus GmbH. Geschäftsführer: Sebastian Knöfel, Postfach 221561, 04135 Leipzig, Tel. (0341)7114110, Fax (0341)7114130. Mitglied des Evangelischen Medienverbandes in Deutschland (EMVD) und der KONPRESS Anzeigen eG. Vertrieb: Christine Herrmann, Tel. (0341)7114122, E-Mail . Aboservice: Petra Kretzschmar, Tel. (0341)7114116, Fax (0341) 7114150, E-Mail . Das Abonnement ist jeweils zum Ende des Bezugs- zeitraumes mit einer Frist von einem Monat kündbar. Preise: Abonnement (einschl. Versandkosten) viertel- jährlich € 11,25; halbjährlich € 22,50; jährlich € 45,00 einschließlich Mehrwertsteuer; EU-Ausland (exkl. 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Druck: Schenkelberg Druck Weimar GmbH Copyright: Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich ge- schützt. Jede Verwertung innerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes bedarf der Zustimmung des Verlags. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos wird keine Gewähr übernommen. Redaktionsschluss: 27. Dezember 2013 Thomaskirchgemeinde Stiftung Ev.-Luth. Kirch- gemeinde St. Thomas Leipzig Mitfinanzierung von Personal- stellen und kirchgemeindlicher Arbeit, 2013 rund 16500 Euro Thomaskirche-Bach 2000 e.V. seit Gründung über 6 Mio. Euro Spenden gesammelt dazu gehört Thomaskirche- Bach 2000 Marketing GmbH (u. a. »Thomasshop«) unterstützt mit rund 50 000 Euro jährlich die Kirchgemeinde Stiftung Chorherren zu St. Thomae Mitfinanzierung Kirchenmusik, 2013 etwa 20 000 Euro Kauf und Sanierung der Villa Thomana Campus Forum Thomanum e.V. Aufbau des Bildungs- und Musikcampus bis 2017 seit Gründung über 1,5 Mio. Euro Spenden gesammelt dazu gehören auch: forum thomanum Schulen gGmbH musicaccademia forum thomanum GmbH Thomanerchor ist Einrichtung der Stadt Leipzig Förderkreis Thomanerchor Leipzig e.V. seit 1992 über eine Mio. Euro Spenden gesammelt Stiftung Thomanerchor Thomanerbund e. V. Überblick über die Vereine, Stiftungen und Kapitalgesellschaften zu Thomaskirchgemeinde, Forum Thomanum und Thomanerchor. Kantor Johannes Dickert hat seine Arbeit als Kirchen- musikdirektor abgegeben. Foto: U. Naumann »Ich hatte gehofft, dass das autoritäre Handeln im Landeskirchenamt mit der Zeit etwas weniger geworden sei. Aber ich habe mich geirrt.«

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