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Sprengung von Uni-Kirche laut Historikerin nicht zu verhindern

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© Armin Kühne

Die Sprengung der Leipziger Universitätskirche St. Pauli vor 50 Jahren war neuesten Forschungsergebnissen zufolge trotz Protesten nicht zu verhindern. »Natürlich gab es auch intensiven Widerstand«, sagte Historikerin Katrin Gurt von der Universität Leipzig am Mittwoch. Ein »nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung« sei jedoch unwissend gewesen, fügte sie hinzu. Einige Zeitzeugen haben den Abriss des Gotteshauses demnach auch begrüßt.

Nach Angaben der Hochschule hat Gurt zusammen mit Studenten ein Semester lang Zeitzeugen und Widerständler zu dem Ereignis befragt. Demnach beschloss die Leipziger Stadtverordnetenversammlung am 23. Mai 1968 bei einer Gegenstimme, die Kirche zu sprengen. Nur eine Woche später wurde der Beschluss ausgeführt. Hochrangige SED-Funktionäre hatten auf die Entscheidung demnach großen Einfluss.

Gurt sagte, gegen den politischen Willen der Stadtverordneten und die Resignation der Menschen seien die Widerständler nicht angekommen. Die Stadtbevölkerung habe damals Zeitzeugen zufolge »tausend andere Probleme« gehabt. »Die Häuser waren alle marode, die Dächer waren nicht dicht, die Taubenplage«, zitierte Gurt einen Zeitzeugen.

Die Universität erinnert am kommenden Mittwoch an die Kirchensprengung vor 50 Jahren. Zu einem Gedenkgottesdienst wird dann auch Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing erwartet. Auch ein wissenschaftliches Kolloquium und ein Konzert stehen auf dem Programm.

Die Veranstaltungen finden im Nachfolgebau der einstigen Universitätskirche am Leipziger Augustusplatz statt. Das häufig verkürzt als Paulinum bezeichnete Gebäude wird zugleich als Kirche und Universitätsaula genutzt und war im Dezember feierlich eröffnet worden. Seine Fassade nimmt Bezug auf das historische Vorbild, im Inneren erinnern Orgelempore und Gewölbedecke an den gotischen Vorgängerbau. Der geplanten Mehrfachnutzung waren jahrelange Diskussionen vorausgegangen.

www.stiftung-universitaetskirche.de
www.uni-leipzig.de

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