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Theologe Vetter: Halloween kein harmloser Gruselspaß

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© Radka Schöne/pixelio.de

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Ekkehart Vetter, kritisiert die Verbreitung des Halloween-Brauchs in Deutschland. »Wer immer hinter diesem heute konsumorientierten US-Import nur harmlosen Gruselspaß sieht, sollte wissen, dass dahinter ein heidnischer Brauch und die Tradition des Totenkults steckt«, sagt Vetter der »Neuen Osnabrücker Zeitung« (Dienstag).

»Christen und Kirchen sollten den 31. Oktober für sich reklamieren«, sagte der Theologe aus Mülheim an der Ruhr mit Verweis auf den Reformationstag, an dem evangelische Christen an den Ausgang der Reformation durch den Thesenanschlag Martin Luthers (1483–1546) erinnern. Als Vater und Großvater könne er nicht nachvollziehen, warum Kinder in das Gruselspektakel Halloween einbezogen werden. Vetter steht seit anderthalb Jahren an der Spitze der Deutschen Evangelischen Allianz, der sich als Dachverband für rund 1,3 Millionen evangelikal, pietistisch und charismatisch ausgerichtete Christen aus Landes- und Freikirchen versteht.

Ulric Ritzer-Sachs von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung plädiert hingegen für einen gelassenen Umgang mit Halloween: »Dass Halloween eine Art Verdrängungsfest ist, sehe ich nicht so. Es kommt einfach ein weiteres Fest zu schon bestehenden Bräuchen, Feiertagen oder Traditionen hinzu«, sagte er. Zum Kommerzialisierungsvorwurf sagte Ritzer-Sachs: »Der gleiche Vorwurf trifft auf Weihnachten zu, auf Ostern, Muttertag, Valentinstag, auf alle möglichen Feste und Anlässe. Jeder muss selbst wissen, inwieweit er da mitmacht.«

Dass Halloween bei Kindern Ängste schürt, glaubt der Erziehungsberater nicht. Es lohne sich sicher für die Erwachsenen, sich über den Brauch zu informieren. »Wenn ich für mein Kind eine gute Erklärung für all das bringe, dürfte Angst kein Problem sein. Zumal Kinder mit Verkleidungen, auch mit gruseligen, meist locker umgehen«, sagte Ritzer-Sachs.

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22 Lesermeinungen zu Theologe Vetter: Halloween kein harmloser Gruselspaß
Jeffrey Myers schreibt:
30. Oktober 2018, 17:47

Zu den schönsten Kindheitserinnerungen eines jeden Amerikaners gehören die von Halloween
(ein bisschen „Fasching“ und „St. Martin“ zusammen mitten im Herbst). Das „Happy“ in „Happy Halloween!“ sollte eigentlich den Ton angeben, d.h. dieses Kinderfest soll vor allem Freude machen! Grusel und Angstmacherei müssen ja nicht im Mittelpunkt stehen. Diese bunte Tradition mitten im Herbst gilt – zumindest in den USA – als gemeinschaftsstiftend und wird gerne im Familien- und Freundeskreis gefeiert.

Man braucht - und die christlichen Kirchen erst recht nicht - keine Angst vor Halloween per se zu haben. Die Frage „Halloween oder Reformationsfest?" wird fälschlicherweise als ein Entweder-oder formuliert; die beiden Ereignisse, die gemeinsame historische Wurzeln haben, spielen sich heute auf zwei verschiedenen Ebenen ab. Den Grund für einen vermeintlichen Rückgang des Christentums hierzulande sollte man nicht in Halloween suchen. In den USA zum Beispiel, wo Halloween das drittgrößte Fest bildet, glauben fast 90% der US-Amerikaner Umfragen zufolge an Gott.
Und: Zahlreiche kleine Prinzessinnen und Batmans - und sicherlich auch das eine oder andere als Martin Luther oder Katharina von Bora kostümierte Kind – werden mit ihren Familien auch am Reformations-Sonntag im Gottesdienst zu finden sein - nicht selten auf Einladung des Pastors, der Pfarrerin, im Kostüm zu erscheinen (vgl. Fasching).
Das Motto "Trick-or-Treat" nimmt also nichts weg vom Motto der Reformation: "Ecclesia reformata, semper reformanda!"

„Trick-oder-was?“:
Zum Umgang mit Halloween oder: Zehn gute Gründe, Halloween zu feiern

1. Als Kinderfest trägt Halloween Licht in die dunklen Herbsttage hinein.

2. Aus dem ausgehöhlten, leuchtenden Kürbis kann eine gesunde Kürbissuppe
oder eine leckere Kürbistorte werden.

3. Ob beim Kürbisschnitzen in der Familie oder beim beliebten "Trick-or-Treat"-
Rundgang im Kreis der Freunde am Abend, stiftet das Kinderfest Halloween
Gemeinschaft.

4. Halloween lädt ein, den Zusammenhang mit Allerheiligen und dem Reformations-
fest zu entdecken sowie über den Umgang mit Angst und Tod nachzudenken.

5. Das Halloweenfest kann man zum Anlass nehmen, etwas Karitatives zu tun,
wie z.B. die Aktion "Trick-or-Treat for UNICEF" zu unterstützen. Seit 1953
haben Kinder bei diesem "Trick-or-Treat"-Programm mehr als 100 Millionen
Dollar gesammelt.

6. Halloween lädt ein, sich mit dem Symbol des Kürbisses in der christlichen Kunst
(als Abbild für die Kürze und Hinfälligkeit des Lebens, aber auch wegen der großen
Zahl seiner Kerne als Symbol der Fruchtbarkeit und der Auferstehung) zu befassen.
Im Kindergarten kann man die Jona-Geschichte gut erzählen, in der - so der Refor-
mator Martin Luther - Jona Schatten und Schutz von der Staude des Kürbisses fand.

7. Das Basteln (nicht Kaufen!) eines Halloween-Kostüms fördert Kreativität und
Phantasie. Dabei sind Grusel und Schrecken nicht erforderlich.

8. Das Fest Halloween erfüllt das uralte Bedürfnis, noch einmal "auf den Putz
zu hauen" vor dem kommenden Winter.

9. Durch die Auseinandersetzung mit Halloween wird man sich der "dunklen" Seiten
des Festes und somit des Lebens bewusster: Grusel und Gewalt, Kommerz und
Konsum. Diese rufen wiederum nach der Orientierung und der Geborgenheit,
die ein fester Glaube gibt. Vor Konsumterror und oberflächlichem Spaß erscheinen
die Anliegen der Reformation aktueller denn je.

10. Und last but certainly not least: Halloween hilft gegen ein verfrühtes Weihnachtsfest.
Im Goldenen Oktober freut man sich viel mehr, eine lächelnde Kürbisfratze statt
eines blinkenden Weihnachtsbaumes im Schaufenster zu sehen.

Beobachter schreibt:
01. November 2018, 8:39

Nun haben Sie aber, in einer christlichen Zeitung, genug Werbung für ein heidnisches Fest machen dürfen!

kein Christ mehr schreibt:
01. November 2018, 17:18

halloween = all hallows eve = Vorabend aller Heiligen
Wo bitteschön ist das heidnisch?

Beobachter schreibt:
02. November 2018, 18:27

Halloween hat heidnische Wurzeln und ist in vorchristlicher Zeit in Irland entstanden.

Johannes schreibt:
01. November 2018, 22:54

Meinen Sie, dass Ihre Verdrehungen der Wahrheit und Ihre Häme gegenüber Menschen anderen Denkens in eine christliche Zeitung gehören?
J.L.

Beobachter schreibt:
02. November 2018, 12:48

Was ist an meiner Feststellung "Verdrehungen der Wahrheit"?
Oder meinen Sie allen Ernstes daß dieser Auswuchs noch irgendetwas mit dem zu tun hat, was keiCchrist mehr zurecht als Ursprung anführt?

Johannes schreibt:
02. November 2018, 13:59

An Beo: Nicht nur an dieser Feststellung, sondern im Allgemeinden: wenn Sie Aussagen des LKA oder des BKA als Wunschdenken klassifizieren, wenn Sie die rechts-gewalttätige Szene in Chemnitz bestreiten, wenn Sie behaupten, dass jeder Mensch mit anderer Meinung als der Ihren linksgrünversifft sei, wenn Sie behaupten, dass Leute, die besorgt sind, von den Linken als Nazis bezeichnet würden usw, usw... Und wer ist eigentlich "keiChrist"?
J.L.

Beobachter schreibt:
04. November 2018, 22:48

Wer oder was ist eigentlich"Allgemeinden"?

Johannes schreibt:
05. November 2018, 22:52

@Beo"Allgemeinden" ist der Strohhalm, den ich Ihnen zum Ablenken hingehalten habe, damit Sie nicht auf meine Sachäußerung antworten müssen.
J.L.

Beobachter schreibt:
04. November 2018, 16:44

5 Gründe, warum wir nicht mitfeiern https://www.youtube.com/watch?v=uj1tu4ilVRg Was ist der Ursprung hinter den gruseligen Masken und Kürbissen? Warum feiern wir Halloween überhaupt? Und muss ich mitmachen, nur weil es alle anderen lustig finden?

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VERÖFFENTLICHT AM 30.10.2018 Artikel drucken

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