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Verantwortung für Umweltzerstörung übernehmen

Walter Christian Steinbach stellte in Rötha sein Buch über DDR-Proteste vor
epd
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© Jens Paul Taubert

Der frühere DDR-Umweltaktivist Michael Beleites appelliert an die westlichen Industrienationen, Verantwortung für die Folgen ihrer Wirtschaftsweise zu übernehmen. Die Chemieprodukte der ehemaligen DDR seien für den Westen so billig gewesen, »weil man hier die Umweltkosten nicht mitbezahlen musste«, sagte Beleites am Dienstagabend in Rötha bei Leipzig.

»Heute sind wir ein Teil des Westens, aber die dreckigen Vorstufen des westlichen Wohlstands sind heute nicht mehr in Bitterfeld oder Espenhain, sondern in Afrika, Lateinamerika oder China«, so Beleites weiter. Die internationalen Verflechtungen seien den damaligen ähnlich, »nur dass wir heute auf der anderen Seite sitzen«, erklärte der ehemalige sächsische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen.

Um dieses Problem zu lösen, müsse die parlamentarische Demokratie weiterentwickelt werden, so Beleites. Es sei entscheidend, die Stimmen der nachfolgenden Generationen und der Bewohner anderer Kontinente in den politischen Prozess mit einzubeziehen. Gelinge dies nicht, »werden wir weiter erleben, dass politische Strömungen, die die Interessen kommender Generationen mitberücksichtigen, strukturell benachteiligt sind«, erklärte Beleites: »Aus diesem Dilemma müssen wir raus.«

Beleites äußerte sich im Rahmen der Vorstellung eines Buches des ehemaligen Röthaer Pfarrers Walter Christian Steinbach über die DDR-Protestaktion »Eine Mark für Espenhain«. Auch Steinbach warb für mehr demokratische Teilhabe. Die wahren Experten seien häufig die Betroffenen, sagte der 74-Jährige. »Man muss ihnen nur die Möglichkeit geben, in einem gewaltfreien Raum gemeinsam nach Lösungen zu suchen«, fügte er hinzu. Steinbach war von 1975 bis 1985 Pfarrer in der Gemeinde südlich von Leipzig und gründete dort mit einigen Mitstreitern das Christliche Umweltseminar Rötha.

Aus Protest gegen die extreme Umweltverschmutzung durch das DDR-Unternehmen Braunkohleveredelung Espenhain initiierte die Oppositionsgruppe 1988 die Aktion »Eine Mark für Espenhain«. Mit 100.000 Markstücken und Unterschriften wurde sie zur größten nicht genehmigten Sammelaktion der DDR. Nach der Wende war Steinbach als Regierungspräsident Leipzig-Westsachsen maßgeblich an der Umwandlung der Tagebaureviere in die heutige Leipziger Neuseenlandschaft beteiligt.

Hinweis:
Walter Christian Steinbach: »Eine Mark für Espenhain«, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig 2018, 278 Seiten, 16 Euro.

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