»Vielleicht sind wir Christen manchmal zu ängstlich«

Für Marianne Birthler ist Kirche politisch
epd
  • Artikel empfehlen:
Marianne birthler
© Wikipedia/Heinrich-Böll-Stiftung

Die frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, hält nichts von einer unpolitischen Kirche. Das Evangelium habe für sie »ganz klar eine politische Dimension«, schreibt die frühere Grünen-Politikerin und ausgebildete Katechetin in einem Beitrag für die Berliner Wochenzeitung »Die Kirche« (Ausgabe 24. September).

Kirchen hätten schon immer hochwirksam auf Notsituationen der Gesellschaft reagiert, indem sie Schulen gründeten, wenn es nötig war, Krankenhäuser und Altenheime eröffneten, weil Menschen Not litten. Genauso hätten in den 1980er Jahren die Gemeinden in der DDR auf einen Notstand reagiert, indem sie mitten in einer Diktatur angstfreie Räume für Information, Diskurs und gegenseitige Ermutigung bereitstellten, Räume die es sonst nicht gab. »Man kann es auch politische Diakonie nennen«, so Birthler.

Wenn heute Forderungen geäußert werden, die Kirche solle sich lieber um ihr »Kerngeschäft«, die Verkündigung, kümmern als um Politik und sich raushalten, mache sie das misstrauisch. Gleiches habe die SED damals von den DDR-Kirchen gefordert. In Wahrheit gehe es dabei nicht um die Seele, sondern darum, dass jemanden das, was Kirche tut oder sagt, politisch nicht passt.

»Vielleicht sind wir Christen manchmal zu ängstlich«, schreibt Birthler weiter. »Dabei haben wir etwas zu bieten in diesem Diskurs.« Rassismus, Menschenverachtung und Lügen seien bestimmt nicht mit dem Evangelium zu rechtfertigen, auch nicht die Behauptung, die christliche Religion habe hierzulande eine Art Hausrecht. Das Evangelium ermutige uns, als freie und verantwortliche Menschen zu leben, »und das weder auf Kosten anderer Menschen noch auf Kosten der Schöpfung«, fügte sie hinzu.

Diskutieren Sie mit

6 Lesermeinungen zu »Vielleicht sind wir Christen manchmal zu ängstlich«
Beobachter schreibt:
22. September 2017, 12:37

Also, die liebe Frau Birthler bringt da offenbar Einiges durcheinander oder will uns bewußt auf eine falsche Fährte locken. Das ist ja erstmal nicht verwunderlich, wenn man ihren "Werdegang" vor der Wende berücksichtigt.
Ja, sie hat ja Recht, wenn sie feststellt, daß "in den 1980er Jahren die Gemeinden in der DDR auf einen Notstand reagiert, indem sie mitten in einer Diktatur angstfreie Räume für Information, Diskurs und gegenseitige Ermutigung bereitstellten, Räume die es sonst nicht gab." Das war gut und richtig. Heute dagegen werden höchstens noch die Kirchen für linke Krawallmacher geöffnet!
"Wenn heute Forderungen geäußert werden, die Kirche solle sich lieber um ihr »Kerngeschäft«, die Verkündigung, kümmern als um Politik und sich raushalten, mache sie das misstrauisch. Gleiches habe die SED damals von den DDR-Kirchen gefordert" Das muß gar nicht "mißtrauisch" machen.
So schlimm es manchmal für uns war, es hat uns auch vor vielem bewahrt! Auch damals gab es Gruppierungen, die zum Beispiel in der kirchlichen Jugenarbeit nicht mehr soviel "Frommes" anbieten wollten. Dadurch, daß Stasi und Staat nur noch "Bibelarbeit" (auf Rüstzeiten erlaubte, wurden wir auf das "Kerngeschäft" gestoßen. Uns und vielen zum Segen. Wenn trotzdem beides parallel angeboten wurde, war der Zulauf beim hanfesten biblischen Angebot meistens enorm größer!
(Unser Leipziger Freund wird das bestätigen können (müssen), wenn z.B. "Theo" evangelistisch predigte. strömten die Massen!)

Leserin schreibt:
24. September 2017, 12:58

"Heute dagegen werden höchstens noch die Kirchen für linke Krawallmacher geöffnet!"
Also, das stimmt ja nun nicht. In diesem Link hier http://www.dnn.de/Dresden/Lokales/Dresdner-Theologen-protestieren-gegen-... finden Sie den Namen zweier Gemeinden, die rechtes Gedankengut eingeladen haben. Der Wunsch nach gewaltfreier Diskussionskultur dagegen wurde in einem Fall mit dem Vorwurf mangelnder Feindesliebe erstickt.

Gert Flessing schreibt:
22. September 2017, 13:58

Wenn Christen ängstlich sind, dann ist das für mich ein Zeichen dafür, das sie das Fundament verloren haben, auf dem die Kraft gedeiht, die Menschen in sich nicht finden können.
Wenn Kirche das Fundament nicht pflegt, werden Christen nicht mutiger werden.
Das Fundament aber ist Jesus Christus, der Sohn Gottes, der allein Weg, Wahrheit und Leben ist.
Das Fundament ist das Kreuz, an dem er die Menschen frei gemacht hat, von Schuld und der Not, sich selbst rechtfertigen zu müssen.
Das Fundament ist das leere Grab und der lebendige Christus, der deutlich macht, das es nicht um ein Himmelreich auf Erden geht, sondern um die Hoffnung, die selbst der hat, der die Hölle auf Erdenerleben muss.
Auf diesem Fundament kann dann die Gemeinschaft wachsen, die in dieser Welt neue Gesichtspunkte einbringt.
Sie tut das, indem in ihr einer die Last und die Not des anderen mit trägt. Sie tut es, indem sie sich auch dessen annimmt, der "vor der Tür liegt".
Sie tut es, indem sie das lebt, was Paulus meint, als er schreibt, dass bei Christus Freiheit ist und nicht Jude noch Grieche, nicht Mann, noch Freu, nicht Sklave, noch Freier.
Eins sein, aber nicht im politischen Gebrabbel, sondern in Christus. Das ist es, um was es geht.
Wenn wir es nicht mehr schaffen, dieses Fundament zu pflegen und den Menschen zu verdeutlichen, ist alles andere nur hohles Gewäsch.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
23. September 2017, 9:06

Lieber Gert, gut, daß Du das so siehst.
Leider sehen das viele Deiner "Chefs(in)" eben anders und reißen damit ihren "Schafen" das Fundament unter den Füßen weg.
Das Kreuz ist für die nicht mehr das Fundamentm an dem Er die Menschen frei gemacht hat, von Schuld und der Not, sich selbst rechtfertigen zu müssen. Für sie ist das nicht mehr "heils- und versöhnungsnotwendig.
Auch as leere Grab ist für diese "Hirten" nicht mehr Fundament , sondern nur die Stelle in der Jemand Großes" vergammelt "ist"!
Man fragt sich wirklich, wie diese Typen den Menschen die Angst nehmen und ein festes Fundament anbieten wollen?
Gruß Joachim

Gert Flessing schreibt:
23. September 2017, 18:05

Wir sind Kirche der Reformation. Da ist es nicht so wichtig, was jemand sagt, der ein Amt hat, das sich Bischofsamt nennt. Auch das, was Kirchenräte sagen, ist nicht "heilsnotwendig".
Vor Ort, in der Gemeinde warten Menschen darauf, etwas zu hören, das ihnen Mut macht, das ihnen Trost ist, das ihnen eine Hoffnung gibt, die sich nicht zuschanden werden lässt.
Das ist mir Trost gewesen und das habe ich Menschen als Trost zugesprochen.
Einige Verse, die vielleicht davon sprechen:
"Alt, wie ich bin, was vor mir liegt, nicht ahnend, such ich nach Sinn.
Ich seh die Zeit und höre ihren Gang und hör sie mahnend: „Dunkel ist`s und bang.“
Ich weiß, es kann nicht weitergehen, kann nicht für immer bleiben wie es ist.
Ich spüre sanft, Herr, das du bei mir bist und du, du lässt mich immer Neues sehen.
Ein neues Herz, willst du mir wieder geben und einen neuen Geist, um dir zu leben.
Was ich auch suchen mag, du führst zum Ziel mich hin."
Gert Flessing

L. Schuster schreibt:
25. September 2017, 22:49

Von Marianne Birthler ist man ja schon einiges gewohnt, seit dem sie als Sprecherin bei der rätselhaft veranstalten Berliner Großdemonstration am 4. November 1989 auftauchte, nun aber eine mehr politische Kirche zu fordern sollte man sehr stutzig sein.
Kirche ist zwar immer etwas politisch, doch eine politische Kirche wie Frau Birthler fordert gehen nicht, u .a wegen den vielen politischen Trittbrettfahrer. Leute die Kirche regelrecht missbrauchen für ihre politischen Ideen.
Wo sie dies Frau sie nun wahrscheinlich selbst politisch Missbrauchen will rote und grüne Ideen weiter christliche verkaufen. Oder was auch immer, vielleicht weil sonst keiner mehr mit ihr spielt.
Nein, die Kirche so letztlich politisch ideologisieren darf es nicht geben.

Umfrage
Sollte die Landeskirche nach der Pandemie ihre Arbeit neu aufstellen?

Folgen Sie Sonntag Sachsen:

Aktuelle Veranstaltungen
  • , – Plauen
  • Orgel 5-nach-Zwölf
  • Ev.-Luth. St. Johanniskirche
  • , – Freiberg
  • Orgelvesper
  • Dom
  • , – Leipzig
  • Online-Vortrag und Gespräch
  • Missionswerk

Audio-Podcast

Der Twitter-Sonntagticker
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Alles für die #Bienen: Die Bischöfe @BischofBilz und #Timmerevers gestern beim Besuch der #Ökokirche #Deutzen - ein… https://t.co/ZEQougXMK4
vor 2 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Christen brauchen #Gemeinschaft. Wie gelingt uns das nach der #Pandemie – Ravinder #Salooja vom #Missionswerk Leipz… https://t.co/3oMc77OpEJ
vor 3 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Erstmals zwei #Musikwissenschaftler mit #Bach-Medaille geehrt: Hans-Joachim Schulze und Christoph Wolff… https://t.co/HRhauNixw0
vor 3 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
#Gedenken an #Volksaufstand #1953 in der DDR an verschiedenen Orten in #Sachsen @StadtLeipzig @StadtGoerlitz… https://t.co/2ehYMJcFXu
vor 3 Tagen