54

"Wir sind keine Protestbewegung gegen Bischof Rentzing"

Über 200 Christen bilden in Leipzig das Forum für Gemeinschaft und Theologie - ihnen geht es um mehr
Andreas Roth
  • Artikel empfehlen:

Ein Gegengewicht zu konservativen Strömungen in der sächsischen Landeskirche wollen über 200 Christen bilden, die sich am Sonnabend in der Leipziger Peterskirche zum Forum für Gemeinschaft und Theologie treffen. "Um es klar zu sagen: Wir sind keine Protestbewegung gegen Bischof Rentzing", stellte der Leipziger Pfarrer Christoph Maier als einer der Initiatoren gleich zu Beginn klar. Ihnen geht es um mehr.

"Es geht nicht um Grabenkämpfe zwischon konservativen und liberalen Theologen", sagt der Leipziger Studentenpfarrer Frank Martin in seinem Vortrag. "Die Frontstellung ist vielmehr zwischen Gesprächsfähig und Nicht-Gesprächsfähig. Ich habe das Gefühl, dass einige in der Landeskirche Gott mit Worten zum Bollwerk gegen andere machen wollen - und dazu sagen wir nein." Damit wurde wie auch in anderen Wortmeldungen die kirchlichen Debatten um die Auslegung der Bibel etwa zum Thema Homosexualität kritisiert. 

Auf dem Forum stellten Redner einer konservativen Sicht einen anderen Blick auf die Bibel gegenüber. "Wir als Menschen können nur stammelnd von Gott reden und in unklaren Bildern - wir haben Gott nicht", sagte Pfarrer Frank Martin. Das Forum wolle eine suchende, aufklärende Theologie befördern.

Offenheit forderten die Redner auch im Umgang mit konservativen Christen und ihren Positionen. "Ich stelle mir eine Begegnung mit der Bekenntnisinitiative vor, den gemeinsamen Besuch eines Gottesdienstes, oder einen gemeinsamen Pilgerweg", sagte die Leipziger Theologin Barbara Zeitler.

Doch auch sehr konkrete Forderungen wurden erhoben. "Wir setzen darauf, dass die Synode eine Agende für die Trauung gleichgeschlechtlich Liebender beschließen wird", sagte Pfarrer Christoph Maier. Das hatte der Landesbischof in einem Interview gerade abgelehnt.

Diskutieren Sie mit

54 Lesermeinungen zu "Wir sind keine Protestbewegung gegen Bischof Rentzing"
Theologe schreibt:
02. September 2016, 14:49

Um es gleich vorweg zu sagen: Ja, ich halte die Gründung dieser Initiative für notwendig – und überfällig. Und, nein, für kirchenspaltend halte ich sie nicht – schließlich hat sie keine Bekenntnissynode einberufen (wollen). Fundamentalismus ist abzulehnen, in jeder Religion.
Empörend finde ich, daß nicht einmal diese Diskussion ohne das ätzende Gerede über Flüchtlinge und Islam stattfinden kann, schließlich war, als sie begann, davon überhaupt nicht die Rede. (Auf die anderen „Nebenkriegsschauplätze“ einzugehen erspare ich mir.) Für Fundamentalismus braucht Sachsen Auswärtige (leider) nicht, da reichen die Einheimischen. Wer Gottes Wort gegen Andersdenkende, Andersgläubige, Andersliebende benutzt, mißbraucht es. In diesem, und nur in diesem Sinne, ist es ein Bollwerk. Anders nicht. Höchstens dann, wenn man sich seines Glaubens selbst nicht sicher ist. Das scheint bei einigen der Fall zu sein. Komischerweise haben die, die am meisten den Namen unseres HERRN im Munde führen, zugleich am meisten Angst vor anderen Religionen. Da stimmt etwas nicht. Und das werde ich auch in Zukunft nachfragen.
Auch ich hoffe, daß dieser Initiative Resonanz und Erfolg beschieden sind (da bin ich mir sogar ziemlich sicher). Eine Diskussion über die Frauenordination müssen wir nun in Sachsen nicht auch noch haben … (Wie begründen Sie die eigentlich biblisch, Frau Britta?)
Das, was Herr I. geschrieben hat, halte ich für sehr bedenkenswert. Denn es weist hin auf die immer gleichen totalitären Denkmuster der 'Bekenntnis'-Seite, die auf den verschiedenen Feldern offen zutage treten. Eine Diskussion darüber ist bitter notwendig, und sie sollte kompromißlos geführt werden.
Schließlich: Den Alt-Bischof als "parteipolitisch grünen Bischof" zu apostrophieren, ist eine infame Unterstellung und bodenlose Respektlosigkeit ohnegleichen. Als hätte in Sachsen ein Bischof grüne Parteipolitik machen können und wollen! (Mit dem Respekt für die damalige Wahlentscheidung ist dann wohl auch nicht weit her?) Es zeigt aber einmal mehr, unter welchen Voraussetzungen ein solches Gespräch stattfindet -- nämlich denen von Scheuklappen und ideologischen Verbohrtheiten, die natürlich, wie schon treffend bemerkt wurde, immer den anderen unterstellt werden müssen.
Alles in allem: Das kann noch richtig spannend werden.

Britta schreibt:
05. September 2016, 16:12

Na, Herr Theologe....
Biblisch ist nunmal das, was in der Bibel steht, für uns besonders bedeutend das Neue Testament und nicht das Empfinden eines Theologen oder eines Laien... Brauche ich jetzt gar keine Grundsatzdiskussion mehr über gleichnishafte Geschichten, Historie etc., das hatten wir in den vergangenen Jahren zur Genüge, ebenso das Eingeständnis, daß bestimmte Sachen, die die Protagonisten des "Forum..." fordern, eben nicht in so der Bibel verankert sind. (Es werden wortreich andere Begründungen an den Haaren herbeigezogen, aber eben kein biblischer Nachweis anhand der Schrift -sola scriptura...)
Sie glauben tatsächlich, daß jemand, der als parteipolitischer Sprecher der Grünen in einem Bundesland eine politische Funktion innehatte, diese ablegt, wenn er Bischof ist? Finde ich sehr realitätsfern - was die Praxis ja auch zeigte. Wenn ich mich recht erinnere, gab es da nicht auch mal eine Wahlempfehlung der EKD für K. Göring-E.? Schließlich, wann habe ich die Wahlentscheidung für Bischof Bohl nicht respektiert? Wenn er eben demokratisch gewählt ist, war das zu akzeptieren und ich bitte daher um einen Nachweis, daß ich das jemals nicht getan hätte. Demokratie ist nämlich, auch Wahlentscheidungen der Mehrheit zu akzeptieren, wenn man sich womöglich nicht darüber freut, das sollte sich manch einer hinter die Ohren schreiben. Deshalb hätte ich auch nie ein Problem mit Basisdemokratie!

Gert Flessing schreibt:
07. September 2016, 14:50

Lieber Herr "Theologe",
um es gleich vorweg zu sagen, halte ich die Gründung der Initiative nicht für falsch.
Ich gebe Ihnen auch Recht, dass diese Diskussion durchaus ohne das Flüchtlingsthema auskommen kann.
Fundamentalismus gibt es, wie ich es sehe, in den unterschiedlichsten Varianten. Eben den altbekannten "Biblizisten", aber auch denjenigen, der bestimmte liberale Gedanken zum Fundament macht.
Es soll auch Feministische Theologen und deren weibliches Pendant geben, die ausgesprochen ehrpusslig sind, wenn es um IHRE Sicht der biblischen Dinge geht. Da ist dann sehr schnell der Wunsch nach "gerechter Sprache" und "gerechter Grundhaltung" (meine Wortwahl) wesentlicher, als der Befund des Textes.
Das kann schon zu dieser oder jener Merkwürdigkeit führen.
Angst vor anderen Religionen? Wie kommen sie darauf. Vielleicht sorge, was damit angestellt werden kann. Sicher. Vielleicht auch die Frage, was die haben, was wir nicht haben, die dann hinter harschem Auftreten verborgen wird.
Die Diskussion über Frauenordination halte ich für völlig überflüssig. Frauen sind genauso gut (und manchmal besser) im Dienst des Evangeliums, wie Männer.
Eine Diskussion, die nicht auch mit dem Gedanken, zu einem Konsens zu kommen, geführt wird, halte ich für verderblich.
Ich fürchte, dass dadurch die Fronten nur verhärtet werden.
Was nun unseren Altbischof Bohl anbelangt, so war er ja mal politisch tätig (ich war es viele Jahre auch) und ich weiß, dass man Überzeugungen, die einen politisch begleitet haben, nicht mit dem Amt abstreift.
Aber das halte ich nicht einmal für verwerflich. Auch Bischöfe dürfen eine politische Überzeugung haben und es sollte uns möglich sein, sie zu respektieren, auch wenn wir sie nicht teilen.
In der Landeskirche ist durchaus ein wenig "grüne" Politik gemacht worden. Ich erinnere mich an Rundbriefe, die aufforderten, Recyclingpapier zu verwenden oder um den Kauf von fair gehandelten Kaffee warben.
Gert Flessing

Thomas aus Leipzig schreibt:
13. September 2016, 22:47

Sehr geehrter Herr Theologe,

ich kann mir nicht vorstellen, daß Sie Theologe sind. Ihr Beitrag erinnert mich an "Staatbürgerkunde". Sie schrieben: "Wer Gottes Wort gegen Andersdenkende, Andersgläubige, Andersliebende benutzt, mißbraucht es."
Und warum Hetzen jetzt Teile der Amtskirche gegen die "Andersdenkenden" von PEGIDA und der AfD?
Auf Ihre Antwort bin ich echt gespannt,

trotzdem, oder gerade deshalb mit
herzlichen Grüßen
aus Leipzig

Seiten

Quelle
VERÖFFENTLICHT AM 27.08.2016 Artikel drucken
Tageslosung

Du unser Gott, du großer Gott, mächtig und schrecklich, der du Bund und Treue hältst, achte nicht gering all das Elend, das uns getroffen hat.

(Nehemia 9,32)

Bartimäus schrie: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn her! Und sie riefen den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost, steh auf! Er ruft dich!

(Markus 10,48-49)

Folgen Sie Sonntag Sachsen:

Aktuelle Veranstaltungen
  • , – Chemnitz
  • Vortrag und Gespräch
  • Villa Esche
  • , – Großenhain
  • Festvortrag
  • Diakonische Werkstätten
  • , – Leipzig
  • Vortrag und Gespräch
  • Offener Seniorentreff der ökumenischen Sozialstation
Audio-Podcast

Der Twitter-Sonntagticker
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Sachsens Bischof #Rentzing mahnt angesichts des Wahlergebnisses zu Dialog der Parteien https://t.co/GZ9CWH1gz0
heute
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Frank #Manneschmidt wird neuer #Superintendent in #Chemnitz – der Wahl gingen heftige Diskussionen voraus https://t.co/AK5aSx0D5O
heute
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Sachsens Bischof #Rentzing wirbt zum bevorstehenden Jüdischen #Neujahrsfest für christlich-jüdischen Dialog https://t.co/TNsxoq6Rns
vor 6 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Der Dresdner #Kreuzchor hat einen neuen Chordirigenten: Wolfgang Behrend folgt auf Peter Kopp https://t.co/SmBVlxyCkO @Kreuzchor_News
vor 6 Tagen