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Zahl der Kirchenaustritte 2018 wieder gestiegen

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Beten – nicht jedermanns Sache? © Petra Dirscherl / pixelio.de

Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben im Jahr 2018 weiter Mitglieder verloren. Die Zahl der Protestanten ging um etwa 395.000 zurück, die Zahl der Katholiken sank um knapp 309.000. Trotz des zunehmenden Mitgliederschwunds sind mehr als die Hälfte aller Deutschen Mitglied der evangelischen oder katholischen Kirche. Das geht aus Statistiken hervor, die die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Freitag veröffentlichten.

Demnach gehörten der evangelischen Kirche rund 21,1 Millionen Mitglieder an. Die katholische Kirche hatte im Jahr 2018 rund 23 Millionen Mitglieder. Der Sekretär der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, nannte die Zahlen "besorgniserregend".

Ursache für die sinkenden Mitgliederzahlen sind Kirchenaustritte und Sterbefälle. Die Zahl der Kirchenaustritte ist im Vergleich zu 2017 gestiegen, in der katholischen Kirche deutlicher als in der evangelischen. So traten 2018 rund 220.000 Mitglieder aus der evangelischen Kirche aus (2017: rund 200.000). Der katholischen Kirche kehrten im vergangenen Jahr knapp 216.000 Menschen den Rücken, ein Jahr zuvor waren es noch rund 168.000 gewesen.

In der evangelischen Kirche verstarben laut Statistik 340.000 Mitglieder. Die katholische Kirche weist in ihrer Statistik hingegen nur die Zahl der Bestattungen nach katholischen Ritus aus, demnach ließen sich rund 240.000 Menschen katholisch beerdigen. Die Zahl der Sterbefälle in der katholischen Kirche wird in der am Freitag veröffentlichten Statistik hingegen nicht erfasst.

Doch die beiden christlichen Kirchen konnten im Jahr 2018 auch Mitglieder gewinnen. Durch Aufnahmen und Taufen wurden rund 195.000 Menschen Mitglied der evangelischen Kirche, rund 176.500 Menschen wurden katholisch.

Die evangelische Kirche machte in ihrer Statistik auch Angaben zur Kirchensteuerentwicklung. Die Einnahmen durch die Kirchensteuer sind demnach 2018 erneut gestiegen. 5,79 Milliarden Euro betrug das Kirchensteueraufkommen (2017: 5,67). Wegen der guten Konjunktur steigen die Kirchensteuereinnahmen trotz sinkender Mitgliedszahlen seit 2010. Bis 2060 wird sich die Finanzkraft der Kirchensteuereinnahmen in etwa halbieren, ergab eine Prognose der Universität Freiburg im Mai 2019.

 

Details aus den Landeskirchen (wird ergänzt)

Evangelische Kirche in Mitteldeutschland:
Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat auch im vergangenen Jahr weiter an Mitgliedern verloren. Im Jahr 2018 gehörten insgesamt 691.669 Menschen der EKM an, wie eine Sprecherin der mitteldeutschen Kirche am Freitag in Erfurt mitteilte. Die Zahl der Kirchenmitglieder sank im Vergleich zum Vorjahr um 20.360, das sind rund 2,9 Prozent. Während im Vorjahr die Zahl der Kirchenaustritte kurzzeitig zurückgegangen war, stieg sie nun mit 6.102 wieder an. Im Jahr zuvor waren 5.631 Austritte registriert worden. Gleichzeitig wurden 5.127 Neumitglieder gezählt.

Das Kerngebiet der mitteldeutschen Kirche erstreckt sich von Südthüringen bis zur Altmark in Sachsen-Anhalt. Weitere Gemeinden befinden sich in Sachsen und Brandenburg. Nach Ländern aufgeschlüsselt verzeichnete die EKM 2018 in Thüringen 426.277 Mitglieder (2017: 439.902), in Sachsen-Anhalt 227.104 (2017: 233.587), in Sachsen 20.627 (2017: 21.130) und in Brandenburg 17.661 (2017: 18.255).

Der Regionalbischof für den Propstsprengel Stendal-Magdeburg, Propst Christoph Hackbeil, erklärte am Freitag, der erneute Rückgang sei zwar vor allem durch demografische Faktoren verursacht, aber auch Austritte spielten eine Rolle. "Hinter jedem Austritt steht die Entscheidung eines Menschen, sich von der Gemeinschaft der Kirche zu trennen. Das schmerzt und sollte mit einem Gesprächsangebot, mit der Nachfrage nach Gründen verbunden sein", sagte Hackbeil. Bemerkenswert seien aber die seit 2016 angestiegenen Erwachsenentaufen. "Es sind fast 1.000 Menschen jährlich, die in der EKM ein Ja zu einem Leben mit Jesus sagen. Das strahlt in ihre Umgebung aus, belebt auch kleiner gewordene Gemeinden und bestätigt den Kurs unserer Kirche, Schwellen abzubauen, neue Gemeindeformen zu erproben und fantasievoll zum Glauben einzuladen."
Auch die Zahl der Taufen war 2018 rückläufig. Während im Jahr 2017 insgesamt 5.424 Menschen getauft wurden, waren es im vergangenen Jahr 4.699. Die Zahl der Erwachsenentaufen sei 2016 spürbar angestiegen und seitdem etwa gleichbleibend hoch: 901 Menschen ab 14 Jahren ließen sich voriges Jahr taufen. Dazu gab es 547 Aufnahmen, drei mehr als 2018.

 

Mitgliederzahl der Nordkirche:
Die Nordkirche hat Ende vorigen Jahres 1.989.330 Mitglieder registriert. Damit ist die Zahl der evangelischen Christen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern unter zwei Millionen gerutscht. Im Vergleich zu 2017 sank die Mitgliederzahl von 2.027.751 um 1,89 Prozent (38.421). "Wir leben in einer Zeit des Wandels und großer Herausforderungen", sagte Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt am Freitag in Schwerin. "Das nehmen wir sehr ernst, auf allen Ebenen unserer kirchlichen Arbeit."

Der Rückgang der Mitgliederzahlen ist nach Einschätzung der Nordkirche vor allem Folge der demografischen Entwicklung und der Kirchenaustritte. Die Zahl der Kirchenaustritte sei zwar seit 2014 gesunken, aber 2017 mit 25.695 wieder leicht angestiegen. 2018 traten 27.834 Menschen aus der Nordkirche aus.

81.440 Menschen sind in der Nordkirche ehrenamtlich aktiv. Mit kleineren Schwankungen seien damit seit zwölf Jahren konstant über 80.000 Ehrenamtliche im Bereich der heutigen Nordkirche im Einsatz, hieß es. Im Jahr 2000 seien es noch 70.667 Ehrenamtliche gewesen.

Mit ihren rund zwei Millionen Mitgliedern sei die Nordkirche "ein Hoffnungszeichen für alle Menschen", sagte Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt. "Denn bestimmt vom Evangelium stehen wir für Nächstenliebe und Barmherzigkeit." Es sei aber für viele Menschen nicht mehr verständlich, "wofür der christliche Glaube steht". Aufgabe der Kirche sei es deshalb, intensiver das Gespräch über die Bedeutung des Glaubens für den Alltag, das Zusammenleben und die Zukunft zu suchen. Dazu werde die Nordkirche verstärkt neue und kreative Möglichkeiten der Kommunikation nutzen - auch in digitalen Formaten.

2.981 Menschen wurden im vorigen Jahr in die Nordkirche aufgenommen (2017: 3.388). Dies seien zu etwa 80 Prozent Wiedereintritte gewesen, hieß es. Ein Wiedereintritt ist in jeder Kirchengemeinde und in den 18 Wiedereintrittsstellen möglich.

Wurden 2017 in der Nordkirche noch 16.500 Kinder, Jugendliche und Erwachsene getauft, waren es nur 15.185 im vorigen Jahr. 15.655 Jugendliche wurden konfirmiert, 2017 waren es noch 16.431. Die Zahl der evangelischen Trauungen lag mit 3.751 leicht unter der von 2017 mit 3.823. Auch wurden 919 Gottesdienste anlässlich einer Eheschließung gefeiert (2017: 767), bei der nur eine Partnerin oder ein Partner der evangelischen Landeskirche angehört. Die Zahl der kirchlichen Bestattungen stieg 2018 auf 22.061, eine Zunahme gegenüber 2017 um 2,1 Prozent.

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