21

»Zutiefst erschütternd und befremdlich« – Sachsens Landesbischof verurteilt Ausschreitungen von Chemnitz

epd
  • Artikel empfehlen:
Landesbischof Carsten Rentzing
© W. Sturm

Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing warnt nach den Ausschreitungen in Chemnitz vor einer weiteren Verrohung des Diskurses. Ein Todesopfer zu instrumentalisieren, sei »zutiefst erschütternd und befremdlich«, sagte Rentzing dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Dienstag in Dresden. Das Geschehen bei den Demonstrationen in Chemnitz vom Sonntag und Montag sei aus seiner Sicht »nur zu verurteilen«.

In Chemnitz war es am Montagabend den zweiten Tag in Folge zu gewaltsamen Demonstrationen gekommen. Auslöser war ein tödlicher Messerangriff auf einen 35-jährigen Deutschen in der Nacht zum Sonntag. Gegen zwei mutmaßliche Täter, einen 22-jährigen Iraker und einen 23-jährigen Syrer, war am Montag Haftbefehl erlassen worden.

Bereits am Sonntag waren in Reaktion auf die Messerattacke rund 800 Menschen durch die Chemnitzer Innenstadt gezogen. Auf Videos von Augenzeugen waren regelrechte Jagdszenen auf Menschen ausländischen Aussehens zu sehen. Am Montag zogen laut Polizei rund 6.000 Rechtsgerichtete und etwa 1000 Gegendemonstranten durch die Stadt. 20 Menschen wurden verletzt.

Bischof Rentzing sagte, Erschütterung über die Messerattacke sei »natürlich vollständig nachvollziehbar«. Er selbst sei zutiefst entsetzt und betroffen. Auf der anderen Seite gebe es in Sachsen »eine große Schar an gewaltbereiten Rechtsextremisten, die durchs Land ziehen und solche Gelegenheiten ausnutzen«, fügte der Bischof hinzu. Gegen diese vorzugehen, sei nun auch für die staatlichen Stellen das Gebot der Stunde.

Mit Blick auf die Proteste vom Sonntag sagte Rentzing, die christliche Botschaft des Friedens und der Barmherzigkeit wende sich auch an diejenigen, »die dort mit erkalteten, mitleidslosen und unbarmherzigen Herzen jagend durch die Stadt ziehen«. Jedoch müsse man auch »nüchtern bekennen, dass diese Personen durch unsere Botschaft vermutlich nicht erreicht werden«, so Rentzing.

Von den staatlichen Stellen forderte der Landesbischof ein entschiedenes Vorgehen gegen Gewaltbereite und Straftäter unter den Demonstranten. Von zivilgesellschaftlicher Seite gelte es, an die Mitmenschen zu appellieren, einen warmen Blick zu bewahren und sich nicht in Hass- und Rachegedanken zu flüchten.

»Wir müssen aufpassen, dass wir in unserer Gesellschaft nicht noch weiter auseinanderdriften«, sagte der Bischof dem epd weiter. Es sei vollkommen inakzeptabel und mit einem christlichen Gewissen nicht vereinbar, wenn »pauschal ganze Bevölkerungsgruppen zu Verbrechern deklariert werden«, sagte Rentzing: »So kann eine Gesellschaft nicht in die Zukunft gehen.«

Diskutieren Sie mit

21 Lesermeinungen zu »Zutiefst erschütternd und befremdlich« – Sachsens Landesbischof verurteilt Ausschreitungen von Chemnitz
Marcel Schneider schreibt:
29. August 2018, 10:20

Danke, Herr Landesbischof, dass Sie sich so klar und deutlich geäußert und positioniert haben!

Karl Ott schreibt:
29. August 2018, 11:31

Zu Recht , Herr Bischof haben Sie zur Mäßigung aufgerufen. Es kann aber nicht hingenommen werden, das fast jeden Tag in einer anderen Stadt Sachsens Übergriffe und Messerstechereien durch Migranten erfolgen. Es ist sichtbar nichtbn gelungen , diese Leute zu integrieren und Sie in unserer Kultur heimisch werden zu lassen. Verharmlosen führt nur zu weiteren Frust bei der Mehrzahl der Bevölkerung. Ich verlange von der Politri9k ein Eingeständnis einer verfehlten Einwanderungspolitik und konsequente Abschiebung von Straftätern aus diesem Millieu. Sonst erfolgt sicher eine weitere Radikalisierung auf beiden Seiten, die letztendlich sogar in einem Bürgerkrieg enden. Wie sagte einst ein leider schon verstorbenen Journalist: Wer halb Kalkutta aufnimmt, löst nicht die Probleme Kalkuttas, sondern bringt sie hierher!- Peter Scholl-Latour.

Marcel Schneider schreibt:
30. August 2018, 8:27

Es gibt definitiv keine signifikante Zunahme von Übergriffen mit Messern. Was sich verändert hat, ist die mediale Darstellung und "Ausschlachtung" eines solchen Ereignisses.
Wenn Max Meier den Karl Mustermann niedersticht, bringt das nur eine kleine Lokalzeitung. Fast täglich gibt es Messerstechereien in Deutschland, die Täter sind aber zu drei Vierteln Deutsche. Gelten diese dann auch als Muster misslungener Integration und sollten abgeschoben werden?

Gert Flessing schreibt:
30. August 2018, 12:23

Lieber Herr Schneider,
lassen Sie mich zynisch sein, denn das, was ich hier lese, verführt dazu: Wir hätten an den drei viertel deutschen Messerstechern schon genug. Des dazugekommenen Viertels bedarf weder die Bevölkerung, noch die Justiz.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
30. August 2018, 16:29

Jeder klar denkende und beobachtende Mensch muß feststellen, daß Übergriffe mit Messern und andere Tötungsdelikte in letzter Zeit enorm zugenommen haben und das meist durch Menschen mit "südländischem Aussehen"! Das bringt aber leider, wenn überhaupt, nur die keline regionale Zeitung, weil die Menschen vort es sowieso mitbekommen: Für die offiziellen Medien ist das nur ein örtlicher "Einzelfall"!

Ein interessanter Beitrag sei auch Ihnen empfohlen: https://www.welt.de/politik/deutschland/video181359542/Henryk-M-Broder-u...

Britta schreibt:
01. September 2018, 22:17

https://www.refcrime.info/de/Crime/Relevance?Mode=2&From=01.08.2018&Orde...
Als ich diese Seite fand, dachte ich unwillkürlich an Sie, lieber Herr Schneider und will sie Ihnen daher nicht vorenthalten. Man beachte die Links zur jeweiligen Presse. Finden Sie es nicht auch erstaunlich, was so an Einzelfällen zusammenkommt, besonders wenn man bedenkt, daß es sich zumeist um Menschen handelt, die uns als schutzsuchend präsentiert werden und die hier zu Gast sind?

Marcel Schneider schreibt:
30. August 2018, 8:33

Manchmal hilft es auch, wenn man eine Statistik genau betrachtet.
Beispiel: "Alarmierende Nachricht: 30 Morde wurden 2017 in Hamburg verübt, eine Steigerung von 100 Prozent binnen eines Jahres!" Das verkündet die Hamburger AfD-Fraktion in ihrer Broschüre „Unser Hamburg“. Das Problem: Die Zahl stimmt nicht.
Es gab 2017 5 Morde und 25 versuchte Morde. Panik schüren, übertreiben, spalten und verallgemeinern, das ist das Einzige, was die AfD kann.

Britta schreibt:
30. August 2018, 12:54

Peter Scholl-Latour hat sogar gesagt, wer halb Kalkutta aufnimmt, hilft nicht Kalkutta sondern wird selbst zu Kalkutta...
Ansonsten kann man Ihnen nur zustimmen, Herr Ott. Vor 3 Jahren war es nicht notwendig, regelhaft Taschenkontrollen zu Volksfesten durchzuführen, mit Betonpollern und Sandcontainern sowie Massen von Sicherheitspersonal abzusichern. Es gab noch keine offiziellen Warnungen an Frauen, nicht allein in bestimmten Parks etc. joggen zu gehen, es gab keine Ausgangssperren wie vor einiger Zeit in Karlsruhe. Das wird in der Kriminalstatistik nicht erfaßt. Die Vergewaltigungen und Messermorde haben zugenommen und eine Straftat kann nicht durch eine andere entschuldigt werden. Durch diese zunehmende Aufweichung des Rechtsstaates wird an allen politischen Rändern der Bodensatz der Gesellschaft mobilisiert. Ist das mit den von Politikwissenschaftler Yascha Mounk erwarteten "Verwerfungen" geneint, die es nunmal gäbe, wenn man eine monoethnische, monokulturelle Gesellschaft in eine multikulturelle umwandelt als großes Experiment?
Und abgesehen von Übergriffen auf Ärzte und Rettungsdienste - es gibt hier mittlerweile auch seuchenhafte Ausbreitung von bestimmten Krankheiten, von denen die Krätze noch die harmloseste ist, aber epidemiologische Berichte des RKI werden ja u.U. als hatespeech gelöscht.

Marcel Schneider schreibt:
30. August 2018, 19:46

Von welchen Ausgangssperren in Karlsruhe reden Sie? Ich habe gerade die Pressestelle im Rathaus Karlsruhe angerufen. Dort wusste keiner was über eine Ausgangssperre. Warum verbreiten Sie solche Falschmeldungen?

Britta schreibt:
31. August 2018, 10:58

Entschuldigung, ich habe es verwechselt: es war Bad Kreuznach, nicht Karlsruhe, wo bis Oktober 2017 der Bevölkerung der Aufenthalt in bestimmten öffentlichen Parks, Plätzen und Geländen von 22-6 Uhr aufgrund der gestiegenen Kriminalität untersagt war und offenbar auch sanktioniert wurde. Nachzulesen in der dortigen Regionalpresse.

Seiten

Folgen Sie Sonntag Sachsen:

Aktuelle Veranstaltungen
  • , – Zwickau
  • Musikalischer Abend
  • Lutherkirche
  • , – Dresden
  • Wort & Orgelklang
  • Frauenkirche
  • , – Leipzig
  • Friedensgebet
  • Nikolaikirche
Audio-Podcast

Medienbischof der EKD und Kirchenpräsident der EKHN, Dr. Volker Jung, besuchte auf Einladung des EMVD die Frankfurter Buchmesse 2018. Er stellte sein neues Buch »Digital Mensch bleiben« vor.

Der Twitter-Sonntagticker
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Die #Herbsttagung der #Synode der @evlks geht heute zu Ende. Lesen Sie bei uns erste News zu Beschlüssen und Themen… https://t.co/6vuPGCFLm9
heute
Sonntag Sachsen @sonntagticker
#Meißen trauert um seinen Domkantor: Kirchenmusiker Jörg #Bräunig starb im Alter von nur 49 Jahren https://t.co/xvU8WuYwU4
heute
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Bischöfin #Junkermann wechselt an die @UniLeipzig https://t.co/yTPrXb6RFR
heute
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Streit um Zukunft der #Stasi-Akten: Die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit brauche keinen »Generalsekretä… https://t.co/0k7k2jCLSC
vor 3 Tagen