Grundwortschatz des Glaubens
23. November 2011 von DER SONNTAG
Abgelegt unter Sachsen
Die Landeskirche veröffentlicht Kernlieder und Kerntexte für das christliche Leben

So sieht es aus, das Faltblatt mit den Kerntexten und -liedern.
Es ist so etwas wie eine »eiserne Ration«, was jetzt den Kirchgemeinden angeboten wird. Auf der Synode wurden sie bereits vorgestellt: Lieder und Texte, als »Kernbestand unseres Glaubenslebens«, wie es dazu heißt.
Es ist ein kleines Faltblatt. »Kerniges« steht auf dem Titel und es enthält jeweils zwölf biblische Texte, »von denen es wichtig ist, dass wir sie gut kennen«, wie Landesbischof Jochen Bohl im Vorwort schreibt. Außerdem sind zwölf biblische Worte und Gebete aufgeführt. Und vor allem: zwölf Lieder.
Entstanden ist die Sammlung aus dem Zukunftsprozess der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die von der EKD-Synode dafür beschlossenen sogenannten »Leuchtfeuer« wurden 2007 für unsere Landeskirche präzisiert und unter der Überschrift »Wie wird unsere Landeskirche in zehn Jahren aussehen, zum 500. Reformationsjubiläum?« veröffentlicht. Die Landessynode hatte sich damals die darin enthaltenen Anliegen zu eigen gemacht und die nun erschienene »eiserne Ration« – wie es in Punkt 8 des Zukunftspapiers damals hieß – in Auftrag gegeben.
Bei Thilo Daniel, theologischer Referent im Landeskirchenamt, liefen seitdem die Fäden zusammen auf der Suche nach Kernliedern und Kerntexten. »Gemeindepädagogen und Kirchenmusiker haben das zusammengetragen, was in ihrer Arbeit häufig vorkommt«, so Daniel. Bei den nun veröffentlichten Liedern und Texten gehe es »um den Grundwortschatz, um das, was wirklich wichtig ist«, so der promovierte Theologe. Und es soll für jede Generation etwas dabei sein. So wurde zum Beispiel auch ein Gebet für den Schulweg aufgenommen.
Die Lieder seien bewusst nur aus dem Evangelischen Gesangbuch ausgewählt, um auf die musikalische Tradition einzugehen, so Daniel. Aus dem modernen Buch »Singt von Hoffnung« sei nichts dabei. Doch Paul Gerhardt, Martin Luther und Matthias Claudius gehören auf jeden Fall dazu. Auf Platz 1 steht das Adventslied »Macht hoch die Tür …«, gefolgt von Martin Luthers »Vom Himmel hoch …« und »Ein feste Burg ist unser Gott«.
Die kleinen Faltblätter gehen nun in die Kirchgemeinden. Diese erhalten außerdem eine CD, auf der die Lieder und Texte zu hören sein werden.
Insgesamt jedoch sei an eine breite Streuung dieser CD nicht gedacht, so Tilo Daniel. Statt dessen werde alles demnächst im Internet zum Herunterladen bereitgestellt. Später soll es noch ergänzende Texte über die Entstehung der Lieder und ihre Autoren zur Weiterarbeit in den Gemeinden geben.
Christine Reuther
Kirchen – Politik?
15. Oktober 2009 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Kommentar
Aus der Politik kennt man es zur Genüge: Gezielte Indiskretionen und das Streuen von Gerüchten gehören zum Handwerkszeug der Akteure. Allzu oft geht es dabei nicht einmal um die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner, sondern um interne Machtkämpfe. Nun reiht sich offensichtlich auch die evangelische Kirche in diese Art des Handelns ein.
Da verfasst ein Oberkirchenrat im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover ein in Stil und Inhalt umstrittenes Diskussionspapier zum Stand der Ökumene. Von der Kirchenkonferenz wird es, wie man hört, abgelehnt. So weit, so gut. Doch jetzt tritt ein »Kirchenpolitiker« auf den Plan, der dieses Papier – anonym – an die Redaktionen großer Tageszeitungen schickt. Abgestempelt, so hört man weiter, vom Briefpostzentrum in Hannover, was auf einen »Täter« aus dem eigenen Kreis schließen lässt. Die Tageszeitungen gehen darauf lange nicht ein, bis die »taz«, wohl im Blick auf die bevorstehende EKD-Synode, vorprescht, die »FAZ« nachzieht und der Skandal öffentlich ist.
Nun darf spekuliert werden. Wollte hier jemand durch gezielte Indiskretion den sowieso schon fragilen ökumenischen Dialog torpedieren? Oder den Reformprozess der evangelischen Kirche, zu dessen herausragenden Beförderern der Autor des Diskussionspapiers gehört? Wollte hier gar jemand Personalpolitik betreiben? Immerhin ist der nun dieserart Desavouierte als möglicher Nachfolger für den demnächst frei werdenden Posten des Präsidenten des Kirchenamtes im Gespräch.
Geschah dies vielleicht sogar mit Vorwarnung an die katholische Seite? Nach dem Motto: Nehmt es nicht ernst, aber zeigt euch doch bitte öffentlich betroffen? Egal wer oder was dahinter steckt – der Flurschaden ist immens. Gerade für Mitarbeiter einer Institution, die sich der »Wahrheit und Klarheit des Evangeliums« verpflichtet weiß, ist ein solches Agieren unakzeptabel.
Von Harald Krille
Neuer Anlauf
20. August 2009 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Kommentar
Comments Off

Foto: Joakim Buchwald, sxc.hu
Heute spricht kaum noch jemand über die Qualitätsstandards von kirchlichen Angeboten oder eine notwendige Strukturanpassung. Das soll jetzt wieder anders werden. Im September ist in Kassel die nächste Zukunftswerkstatt der EKD geplant.
Dass das Unternehmen jetzt Werkstatt heißt und nicht mehr Zukunftskongress wie noch in Wittenberg ist dabei bezeichnend. Offenbar hat die EKD manche Erwartung relativiert. Ein Grundübel des gesamten Prozesses ist es zweifellos gewesen, vor allem die ökonomische Effizienz im Blick zu haben. Mit diesem Ansatz geht das Papier nicht nur an der Wirklichkeit der Gemeinden vorbei, es hat auch viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verprellt. Denn die Gestaltung von Kirche lässt sich eben nicht allein durch Organisationsmodelle aus der Wirtschaft bewerkstelligen.
Der in dem Papier geforderte Mentalitätswandel sei zwar richtig, konstatierte zuletzt selbst die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann. Aber auch die Jünger Jesu seien keine »Elitetruppe« gewesen. Einem Sterbenden die Hand zu halten, lasse sich nicht effektiv gestalten. Es gehe vielmehr darum, Sehnsucht nach dem Glauben zu wecken.
Wie das bewerkstelligt werden kann, ist die eigentliche Frage. Erst wenn der Reformprozess das wieder in das Zentrum rückt, kann der neuerliche Anlauf gelingen. Ansonsten bleibt auch die Zukunftswerkstatt in Kassel eine Episode ohne Folgen.
Martin Hanusch
![RSS ⇒ DER SONNTAG [Sachsen] abonnieren](http://www.sonntag-sachsen.de/wp-content/themes/church_20/images/rss.gif)
![⇒ DER SONNTAG [Sachsen]](http://www.sonntag-sachsen.de/wp-content/themes/church_20/images/logo2.gif)

