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Sieben Wochen ohne später

Uwe Naumann
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Es gibt einige Dinge in meinem Leben, die schiebe ich gern vor mir her. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten wie ein Anruf bei einem alten Freund, ein Termin beim Zahnarzt oder das Abheften von Rechnungen. Manchmal aber sind es auch Dinge, die wirklich viel Zeit brauchen: die Steuererklärung zum Beispiel oder eine Abschlussarbeit vom Studium.

Manche Sachen erledigen sich zwar nach zu langer Zeit der Tatenlosigkeit auch von selbst – Freundschaften zum Beispiel. Andere unerledigte Arbeit aber nicht. Und die türmt sich immer weiter auf zu einem großen Berg. Irgendwann ist mein Leidensdruck so groß, dass ich nicht anders kann, als den Berg langsam abzutragen. Das Problem heißt Prokrastination, also Aufschieben von Arbeit, und betrifft – in unterschiedlichem Maß – ziemlich viele Menschen.

Nach einigen verzweifelten Momenten hat sich die alte Weisheit »Was Du heute kannst besorgen ...« auch bei mir durchgesetzt: Einige Dinge brauchen doch eine zügige Reaktion. Auch mein guter Vorsatz für dieses Jahr hat damit zu tun, nämlich die Tageslosung tatsächlich früh am Morgen zu lesen, anstatt irgendwann oder gar nicht.

Das Motto der deutschlandweiten EKD-Fastenaktion »Sieben Wochen ohne sofort« hat mich deshalb irritiert und eher abgestoßen. Sicher gibt es Menschen, denen Entschleunigung guttut und die in den sieben Wochen hoffentlich sinnvolle Dinge zurückstellen. Wenn ich sieben Woche auf das Sofort verzichte, dann türmt sich wieder ein Berg mit Arbeit vor mir auf. Der gibt mir nicht das Gefühl, sinnvoll gefastet zu haben. Ich halte dagegen mit »Sieben Wochen ohne später«. Am Ende kommt vielleicht Beides zum gleichen Ergebnis: Die Prioritäten besser zu setzen.

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1 Lesermeinungen zu Sieben Wochen ohne später
Gert Flessing schreibt:
02. März 2017, 6:32

Also ich bin von dem "Sieben Wochen ohne "sofort", begeistert. Wie vieles will uns treiben. Wie viele denken, es muss immer sofort gesprungen werden, wenn jemand nur den Finger hebt. Es wird uns Druck gemacht und wie oft geben wir Druck weiter.
Es ist gut, mal den Druck raus zu nehmen.
Eine echte Freundschaft hält es auch aus, wenn man nicht alle Nase lang simst oder mailt.
Gott freilich und sein Wort sollte nicht nur früh an erster Stelle stehen, sondern auch immer mal zwischendurch. Vielleicht gerade dann, wenn wieder mal jemand nervt, der sofort was will.
Gert Flessing

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