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Die Freiheit der Wahl nutzen

Tomas Gärtner
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Es gibt eine reichlich sinnlose Rechengepflogenheit: Möchte man die Bedeutung irgendeiner Partei herunterspielen, die man nicht leiden kann, setzt man deren Stimmenanteil ins Verhältnis zur Prozentzahl der tatsächlich an der Wahl Beteiligten. 71,5 Prozent der 62 Millionen Wahlberechtigten waren es bei der letzten Bundestagswahl 2013. Und dann meint man sagen zu können: Na, in Wirklichkeit haben diese Partei doch nur soundsoviel Prozent der Bevölkerung gewählt. Nein, solche Zahlenspielereien sind Augenwischerei. Nur die Summe derjenigen, die tatsächlich ihr Kreuzchen machen, zählt – hundert Prozent. Denn nur das ist in der Demokratie eine reale Größe.

Sich dem anzunähern, was man den tatsächlichen »Volkswillen« nennt, gelingt nur, wenn möglichst viele von ihrem Recht auf den Urnengang Gebrauch machen. Dass EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, nun gemeinsam dazu aufrufen, ist mehr als eine Pflichtübung. Ungeachtet heftigster Verbalattacken: Politiker und Parteien üben in Parlamenten zumindest die friedfertigste Form des Machtkampfes aus, wie unfair auch immer.

Zur lutherischen »Freiheit eines Christenmenschen« gehört, politische Wahlfreiheit zu gebrauchen. Jede Stimme mehr relativiert die extremen Ränder. Das wird umso wichtiger, als Rechtspopulisten Ängste von Menschen in Zustimmung zu nationalistischen und fremdenfeindlichen Positionen ummünzen wollen. Deshalb ist am 24. September ebenso geboten, genau in die Parteiprogramme zu schauen. Denn diese Abstimmung wird auch eine sein für oder gegen demokratische Streitkultur, Ausgrenzung und europäischen Zusammenhalt.

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7 Lesermeinungen zu Die Freiheit der Wahl nutzen
Beobachter schreibt:
06. September 2017, 18:45

" Deshalb ist am 24. September ebenso geboten, genau in die Parteiprogramme zu schauen. " Ganz genau

Gert Flessing schreibt:
07. September 2017, 7:29

Woher, lieber Herr Gärtner, wollen Sie wissen, dass jede Stimme mehr die extremen Ränder relativiert?
Vielleicht ist es doch so, das jede Stimme mehr, genau diesen Rändern zufällt.
Wählen gehen bedeutet ja schließlich Wahlfreiheit zu haben.
Wenn ich Ihren Artikel lese, sind die "extremen Ränder" nur rechtspopulistische Ränder. Gibt es links keinen Rand?
Könnte es sein, dass auch Sie auf diesem Auge blind sind? Dann würden Sie die Ausgrenzung betreiben, die sie anderen vorwerfen.
Ich bin für eine demokratische Streitkultur.
Dazu gehört auch, Menschen zu hören, die eine andere Meinung, als man selbst haben.
Ich gehöre zu den Menschen, die ihre Wahl getroffen haben. Ich werde wählen gehen.
Ich wähle, weil ich Deutschland als meine Heimat sehe. Ich wähle, weil ich für Gerechtigkeit bin, die vom einzelnen gelebt wird.
Ich wähle, weil ich noch immer Hoffnung habe.
Gert Flessing

realist schreibt:
07. September 2017, 9:48

Sehr gut kommentiert und fundiert argumentiert, es zeigt sich doch immer wieder wie "links "der Sonntag eigentlich ist . Um eine Wahlentscheidung zu treffen brauchen wir keine Bevormundung.

Beobachter schreibt:
07. September 2017, 12:39

Wenn die Herren Bischöfe und Poltiker das so verbreiten, muß Herr Gärtner natürlich genauso hetzerisch weitergeben!
Es ist einfach lachhaft, daß die das immer noch so machen. Viele von denen, die sie wählen sollten haben längst aufgegben und gehen nicht mehr zur Wahl. Wie man schon mehrmals in letzter Zeit mitbekommen hat, gehen die zur Wahl, die sich die "Parteiprogramme" genau anschauten und deshalb Alternativen wählen. Aber weiter so meone Herrn , ein besseren Dienst können Sie Deutschland nicht erweisen!

Britta schreibt:
07. September 2017, 12:18

Ganz recht, wir gehen persönlich zur Wahl und werden auch Wahlbeobachter. Mein Kampf gegen Extremismus: rechtsfreie Räume verhindern!

Urlauber schreibt:
08. September 2017, 15:41

Gärtner hat völlig Recht. Das Problem sind nicht die Linken, sondern die Rechtsextremen. Natürlich gehören die ausgegrenzt und geächtet mit ihrem rassistischen Gefasel. Man muß nicht mit jedem reden.

Britta schreibt:
09. September 2017, 21:15

Natürlich, Hamburg hat es gezeigt, welche Bürgerkriegskulisse entsteht, wenn die entfesselten Rechtsextremen erstmal loslegen... Dagegen war linksunten.indymedia mit seinen Terrorisierungs- und z.T. auch Mordaufrufen nur Gefasel...

Tageslosung

Sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude.

(Psalm 30,6)

Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.

(Epheser 2,8)

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