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Wir bedürfen Gottes Gnade

Cornelius Reime
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Cornelius Reime ist Theologe und Bank- und Versicherungskaufmann. © Foto: privat

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Micha 6, Vers 8

Unter den Blinden ist der Einäugige König. So antwortete mir ein guter Freund, als ich ihn fragte, wie es ihm in seiner ersten Pfarrstelle gehe. Noch sei er nicht sicher, wie er die Menschen auf dem Land wirklich erreiche. Gleichwohl akzeptiere man ihn – er sei schließlich studierter Theologe.

Irgendwie kenne ich das auch. Oft habe ich mehr Fragen als Antworten und schweige nachdenklich, wo ich längst geredet haben müsste. Unter Gleichgesinnten rede ich dann. Und wähne mich sicher, als gebildeter Christ Teil einer moralisch etablierten Gemeinschaft zu sein. Doch ist das nicht eine falsche Sicherheit? Angesichts der politischen Stimmungslage und der schwindenden Reichweite vieler Kirchgemeinden? Denn viele Menschen erleben sich zunehmend ungehört, unverbunden, selbst nicht mehr als wirksam. Und es wäre fatal, ihren Schrei nach Antwort empört in die Echokammern gewohnter Schubladen zu verbannen.

Der Prophet Micha richtete seine Kritik vor allem an eine Oberschicht, die ihre »feinen Unterschiede« nur allzu gut mit dem Wort Gottes zu verbinden wusste. Diesem geschliffenen Amalgam entzieht sich Gott: Der Zion, vertrauter Ort seiner Gegenwart, soll gepflügt werden – ohne dass damit Gottes Geschichte mit seinem Volk zu Ende ginge! Denn wer demütig erkennt, dass wir alle Gottes Gnade bedürfen; wer sich daraufhin neu ausrichtet und seine Mitmenschen als geliebte Geschöpfe ansieht, der wird Gott selbst begegnen und sein Wort auch für andere erfahrbar werden lassen. Aller drohenden Umbrüche zum Trotz. Damals wie heute. Cornelius Reime

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3 Lesermeinungen zu Wir bedürfen Gottes Gnade
Gert Flessing schreibt:
25. Oktober 2017, 16:59

Wo ist das Problem?
Natürlich wird der Pfarrer auf dem Land (vielleicht mehr noch, als in der Stadt) akzeptiert. Mehr noch - die Menschen dort erwarten etwas von ihm. Selbst wenn sie es nicht direkt sagen, vielleicht nicht einmal richtig ausdrücken können. sie erwarten, das der Pfarrer ihnen das Evangelium sagt. "Gott ist da. Gott ist für dich da." Inmitten der Erfahrung, verlassen zu sein, möchten die Menschen Zuspruch. Die wollen keine politische Sonntagsrede, die ein bisschen mit Jesus verbrämt wird.
Wer als Pfarrer vor die Gemeinde tritt, der tritt nicht vor Menschen, die eine politische Stimmungslage ausgelotet haben wollen. Sie wollen Trost, sie wollen Halt und sie suchen Kraft.
Was wir ihnen geben dürfen (!) ist das Wort vom Kreuz, in dem all das zu finden ist. - Wenn wir, als Pfarrer es denn selbst gefunden haben.
Micha hat schon recht. Gottes Wort halten bedeutet auch, sich an Gottes Wort halten.
Liebe üben bedeutet, das wir damit nie fertig sind und gerade dort, wo wir meinen, moralisch auf der sicheren Seite zu sein, die anderen eben nicht auszugrenzen.
Demütig sein vor unserem Gott. Er ist es und nur er, der uns die Vollmacht zum Dienst gibt. Das er sie uns gibt, uns elenden Sündern, ist Teil seiner Gnade und lässt uns spüren, das wir verloren sind ohne ihn.
Gert Flessing

Britta schreibt:
26. Oktober 2017, 20:06

"Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott."
ist auch der Text der Kantate BWV 45 - zu hören am 31.10. in der Stadtkirche Unser lieben Frauen in Mittweida...

L. Schuster schreibt:
27. Oktober 2017, 16:18

"Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist ....." richtig so und es betrifft alle Menschen.
Alle, also nicht nur uns Christen Alle nicht nicht nur die Bewohner in eines christlich geprägten Deutschland, Europa oder Amerika, sondern alle Menschen hier und alle dieser Welt, was oft vergessen wird. Doch wir sollten vor allen auch hier unsere gesellschaftlichen Tonangeber genau prüfen.
Das gut ist - was Gott, was Jesus Christus sagte.
Welches leider oft nicht das ist, mit dem bei uns in Deutschland, die selbsternannten Gutmenschen, oft auch aus bequemen kirchlichen Sesseln heraus uns aber viele Jahre schon vor machten.

Armutsquote, Obdachlose, Wohnungs-Strom- Wasser- Lebensmittelpreise, Mieten, seelisch Kranke oder auch was der Energiewende-Bluff, Naturvernichtung, CO2, Luftverschmutzung, Multikulti, Asylmissbrauch, Integration, Sicherheit, Kriminalität betrifft, schwerwiegende Punkte - wo diese Gutmenschen fast immer in Wahrheit mit zur Verschlechterung als zum Guten beitrugen.
Was wir nachprüfen und dagegen einschreiten können. Was mit der Bundestagwahl geschah und sicher viele der Gutmenschen sich nun bezüglich dieser Punkte mehr an Gottes Wort halten werden.

Vielleich auch begreifen wir sind ein christliches Land, was für mich eigentlich ins Grundgesetz gehört.
Der Islam gehört dadurch in die zweite Reihe, wo mit sicherlich die meisten Muslime auch einverstanden wären, u.a. weil sie ein atheistisches Land schon gar nicht wollen.
Solche Vorschlägen sollten mal aus den kirchlichen Schreibtischsesseln kommen, als sich für Gleichheit der Religionen in Deutschland einspannen zu lassen.

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 43 | 29.10.2017 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen
Tageslosung

Der HERR wird den Armen nicht für immer vergessen; die Hoffnung der Elenden wird nicht verloren sein ewiglich.

(Psalm 9,19)

Wir werden beim Herrn sein allezeit. So tröstet euch mit diesen Worten untereinander.

(1.Thessalonicheralonicher 4,17-18)

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