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Jerusalem nicht verwunden!

Pater Nikodemus
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Gibt es gerade Gewaltausbrüche in Jerusalem? Zu oft wurde mir diese Frage in den letzten Tagen gestellt, nachdem Donald Trump Jerusalem als nur israelische Hauptstadt anerkannt hat. Um es kurz zu machen: Ja, es gibt Krawalle, aber von einer Dritten Intifada kann keine Rede sein, da bei den Palästinensern sich ein wachsendes Gefühl von Resignation breitmacht. Die Frage beinhaltet aber folgenden Gedankengang: Wenn es Krawalle gibt, hat Trump mit seiner Entscheidung, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, einen Fehler gemacht; gibt es jedoch keine Krawalle, dann war seine Entscheidung richtig. Darf das wirklich die Fragestellung sein?

Meines Erachtens muss die Fragestellung doch lauten: Was dient der Stadt Jerusalem zum Dialog? Was ihr zur Versöhnung? Was ihr zum Frieden? Der Zauber Jerusalems liegt doch gerade darin, dass sie eine Stadt mit einer mindestens 4500 Jahre alten Geschichte ist, die voller Verletzungen und Vernarbungen ist, aber auch voller Geborgenheit, Hoffnung und Tröstung. Neben den Steinen dieser Stadt sind ihre lebendigen Steine, ihre Bewohner, noch viel faszinierender: Juden, Christen, Muslime in den unterschiedlichsten Strömungen machen diese Stadt zu einem vibrierenden Ort der Sehnsucht und des Gebets.

Diese Stadt ist einfach zu sensibel und zugleich so kunstvoll kompliziert, dass man sie auf keinen Fall kleinkariert nationalistisch verengen darf! Sie ist eine Stadt von universaler Bedeutung, der nur der Status einer internationalisierten Stadt, eines »corpus seperatum« gerecht wird. Alles andere tut ihr unrecht und fügt ihren vielen Narben nur eine weitere hinzu.

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1 Lesermeinungen zu Jerusalem nicht verwunden!
Gert Flessing schreibt:
15. Dezember 2017, 9:21

Der Zug für die "Weltgemeinschaft", aus Jerusalem eine internationalisierte Stadt machen zu können, ist abgefahren. Lange schon. Das wäre, bei der Gründung Israels vielleicht gegangen.
Jetzt ist diese Stadt das, was sie eigentlich immer war. Umstritten.
Außerdem und ich denke, nicht zu Unrecht, Hauptstadt des Staates Israel.
Damit steht sie, für die Juden, in einer Tradition, die lange zurück reicht.
Die Weltgemeinshaft hat es akzeptiert und dann weg geschaut. Es war ein murrende Akzeptanz, weil man es sich mit den Arabern nicht verderben wollte.
Die Palästinenser sind in diesem unwürdigen Spiel, nur eine Verfügungsmasse, die benutzt wird, um keine klare Haltung einnehmen zu müssen.
Trump hat, Trumpel, der er ist, nun den schon gehegten Garten der Illusionen kaputt gemacht. Wie traurig!
Er hat halt das, was faktisch gegeben ist, angesehen und gehandelt.
Aber ich weiß, eigentlich geht es ja nicht um das faktische, sondern um das postfaktische.
Aber sollte ein Bekenntnis zu Israel, wie es, von unseren Poliikern, als "Staatsraison" betont wird, nicht auch das Bekenntnis zur Hauptstadt dieses Landes einschließen?
Gert Flessing

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 50 | 17.12.2017 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen

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