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Christus verleiht uns eine Stimme

Christus spricht: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat. Lukas 10, Vers 16
Heiko Reinhold
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Heiko Reinhold ist Referent für Umwelt und Ländliche Entwicklung und Umweltbeauftragter der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens. © Foto: Steffen Giersch

Wer mich hört, der hört Christus, so lese ich es daraus. Mit stolzer Brust schreite ich hoch zur Kanzel, diesen Vers im Kopf. Doch mit jeder Stufe wachsen meine Zweifel: Wer bin ich denn, dass ich meine Worte den göttlichen gleichsetzen will? Habe ich tatsächlich diese Vollmacht?

Ein Blick in den Textzusammenhang bringt wenig Erkenntnis: Da geht es um die Aussendung der Jünger, um Himmel und Hölle, um fremde Personen und Städte. Nein, hier geht es nicht um mich. Zu weit weg erscheinen diese Verse. Doch da fällt mir eine Liedzeile der sächsischen Band Immanuel ein: »Für irgendeinen bist du Wegbereiter« – egal, wer du bist und was du tust. Mein Tun und Lassen wirkt sich aus. Also: Bereitet dem Herrn den Weg! Nachfolge andersrum – ein ungewöhnlicher Gedanke: Christus folgt mir nach. Mir ist es aufgetragen, das Reich Gottes auf den Weg zu bringen und bekanntzumachen, stellvertretend oder als Mittler zu wirken. Ich bin unterwegs i. A. – im Auftrag – gemeinsam mit vielen anderen. Wie kann die Verkündigung, die Theologie als Rede von Gott, heute klingen? Sie wird dem Leben und dem Menschen zugewandt sein und kann sich dabei auf Jesus berufen. Sie wird Gott als den Schöpfer bekennen und deshalb auch zur Bewahrung der Schöpfung aufrufen. Sie wird Gerechtigkeit und Frieden verheißen und dafür eintreten. Aus den Worten werden Werte, die in der Umsetzung Gott preisen und dem Nächsten dienen.

Wer sie verachtet, nicht beachtet, wer nicht achtsam ist, ist auch nicht glaubwürdig. Unsere Botschaft vom Reich Gottes kann keine vertröstende sein, denn Christus ist gegenwärtig und leiht sich unsere Stimme.

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1 Lesermeinungen zu Christus verleiht uns eine Stimme
Gert Flessing schreibt:
30. Mai 2018, 14:38

Ja. Wir sind i.A. unterwegs. Das ist eine große Zusage. Es ist aber auch eine große Verantwortung.
Ich frage mich heute oft, ob das denen, die da reden, überhaupt deutlich ist, wem sie ihre Stimme leihen, wer ihnen letztlich die "vocatio" gibt.
Wer vor die Gemeinde tritt, ob von der Kanzel aus oder nicht, der ist nicht Parteitagsredner. Er ist auch nicht einer, der allgemein gültige ethische Grundsätze zu erörtern hat.
Ich kenne die Schlagworte wohl. "Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit, Friede..."
Sie alle sind nichts, wenn sie nicht vom Kreuz her gesehen, betrachtet und geredet werden. Paulus spricht davon, das wir nichts haben, als eben jenes Wort vom Kreuz und ich sage, das in diesem Wort alles andere umschlossen ist.
Nein! Nicht ich bringe das Reich Gottes auf den Weg. Das hat Gott, in Jesus, dem Christus, schon selbst begonnen. Ich darf dieses Handeln Gottes verkünden. Das ist viel. Wo ich damit beginne, da folge ich dem Auftrag dessen, dessen Werkzeug ich bin.
Aber ich weiß auch, das es da manches an Widerstand gibt und da sind dann auch "fremde Personen und Städte". Verachtung? Eine Erfahrung, die seit Jesus und den Jüngern, die er ausgesandt hat, gemacht wurde.
Gert

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 22 | 3.6.2018 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen

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