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Geschichte aus einem Kirchennest

Der Kirchennistkasten der Michaeliskirche Zehren feiert 30-jähriges Jubiläum
Bernd Hartung
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Im Jahr 1988 begann ich mit einem Projekt, das mich bis heute beschäftigen sollte. Ich wollte in möglichst vielen Kirchen des Landkreises Meißen Nistkästen für Eulen und Turmfalken einbauen – ein Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung.

Um einen Kasten im Speziellen soll es hier gehen, um den ersten aufgehangenen Kirchennistkasten überhaupt und um den ersten Nistkasten in der Michaeliskirche Zehren. Wie bereits erwähnt, wurde er im Jahr 1988 aufgehangen, als Brutstätte angenommen wurde er erst drei Jahre später von Turmfalken.

Im Laufe der Zeit wechselten die Bewohner öfter. Neben Turmfalken brüteten auch noch Schleiereulen und Waldkäuze in dieser neu entstandenen Brutstätte. Dohlen unternahmen auch einen Brutversuch, aber ohne Erfolg. Im Lauf der 30 Jahre flogen aus diesem Nistkasten insgesamt 30 junge Waldkäuze, 18 junge Schleiereulen und 25 junge Turmfalken aus. Im Jahre 2016 kam noch eine neue Art dazu, es handelt sich dabei um einen Gänsesäger, der Gänsesäger stammt aus der Familie der Entenvögel und gehört aufs Wasser – sollte man denken. Doch er ist Höhlenbrüter und ist auf natürliche Nisthöhlen in Bäumen angewiesen, was in unserer aufgeräumten Zeit unter Umständen schwierig sein dürfte. Da kommt dem Gänsesäger so ein Nistkasten in einer Kirche gerade recht, mal abgesehen vom Glockengeläut ist dieser Brutraum recht komfortabel, und er ist auch noch marder- und waschbärensicher. Es gehört zur Brutbiologie der Gänsesäger dazu, dass, wenn die Jungen geschlüpft sind, sie einen Tag später ihre Bruthöhle verlassen. Das ist alles ganz gut und schön, doch der Nistkasten befindet sich in einer Höhe von 22,5 m und nach einem Tag auf dieser Welt können die kleinen Säger noch nicht fliegen. Und doch springen sie aus dem Kirchturm – ohne sich zu verletzen.

Doch wer jetzt denkt, die Sache wäre für die Kleinen ausgestanden irrt, es sind immerhin noch fast 200 m bis zum nächsten Gewässer, die Länge des Weges macht es aber nicht, sondern die Bundesstraße 6, die sie zu Fuß überqueren müssen – und das bei dem heutigen Verkehrsaufkommen. Die letzten zwei Mal konnte ich sie sicher über die Straße geleiten, doch was wird in den kommenden Jahren. Gute Brutplätze werden von Gänsesägern bis zu 40 Jahre lang genutzt, natürlich nicht von ein und demselben Weibchen, vielleicht werden sie vererbt. Das hatte ich beim Einbau meiner Kirchennistkästen nicht bedacht.

Drei Bruten des Gänsesägers sind bereits in diesem Kasten Geschichte und insgesamt 34 junge Gänsesäger sind »ausgeflogen« oder sollte ich lieber schreiben »ausgehüpft«?

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