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Das Erbe ist eine Verpflichtung

Von Hanno Schmidt
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Hanno Schmidt ist Pfarrer im Ruhestand und lebt in Dresden. © Foto: Fabian Haas

»Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat.« Psalm 33, Vers 12

Schon dies Wort weckt bei mir unangenehme Erinnerungen: »Heil«, das hier mit »Wohl« wiedergegeben wird. Mit »Heil Hitler!« bin ich als Kind aufgewachsen. »Heil dir im Siegerkranz, Herrscher des Vaterlands, Heil Kaiser Dir!« Damit sind unsere Eltern aufgewachsen. Und immer gegen Frankreich, den »Erbfeind«. Am 1. August 1914 begann für Deutschland der 1. Weltkrieg. Mit Begeisterung sind die jungen Männer auf beiden Seiten gegeneinander losgezogen. Das Ende ist uns bewusst: Tod, Mord und Elend im Land und in den Familien. Am heutigen Sonntag gedenken unsere Kirchen der Beziehung zu Israel. Da kommt uns der dauernde Kampf der Palästinenser gegen Israel und umgekehrt in den Sinn. Je nach Einstellung sehen selbst wir das sehr verschieden. »Wohl dem Volk!« Welches Volk ist damit gemeint? Hitlers Volk ja wohl nicht, aber wieviel haben ihm damals zugejubelt: das deutsche Volk! Warum gerade dieses? Nach 1989 haben wir versucht, als so ganz verschiedene Völker in Europa zusammenzuwachsen.

»Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist!« Was für eine Einschränkung ist das: Wenn Gott der Herr ist, was kann, was darf ich da alles nicht. Was hätte sich da alles vermeiden lassen? »Gott unser Herr!« Was heißt das für uns – auch 2018? Ein Blick auf das Mittelmeer und den Umgang mit Flüchtlingen macht uns betroffen. »Heil dem Volk!« Ist das am Ende die kleiner werdende Zahl der Christen bei uns? »Von Gott erwählt.« Zum Erbe erwählt – eine Auszeichnung: Kirche Gottes! Was für eine Ehre und was für eine Verpflichtung! Der Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima am kommenden Montag bleibt uns eine Mahnung.

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15 Lesermeinungen zu Das Erbe ist eine Verpflichtung
Britta schreibt:
21. August 2018, 9:34

Was für eine Welt, in der man sich nicht mal mehr vorbehaltslos über das Heil Gottes freuen darf?! Sogar in den barocken Oratorien wie Händels Messias wird das "Heil" zugunsten von "Gnade" abgeschafft (Koopmann-Version)...
Eine Kirche, die sich vom Heil distanziert, hat nichts mehr zu sagen oder zu geben, ihr laufen die Mitglieder davon!

Johannes schreibt:
22. August 2018, 11:58

Es gibt Dinge, die für manche verbrannt sind, wie das Hakenkreuz, "Jedem das Seine" und eben auch "Heil". (Und wir sehen immer wieder bei rechten Demos oder in Nazikneipen, dass Leute mit ausgestrecktem Arm "Heil Hitler" schreien.) Da muss es doch wohl erlaubt sein, dass ein Christ bei dem Wort "Heil" negative Gefühle äußert, ohne dass man Ihm (und gleich der ganzen Kirche) unterstellt, dass er sich vom Heil Gottes distanziert...
Johannes Lehnert

Britta schreibt:
23. August 2018, 13:31

Sollte also bei einem Christ das negative Gefühl, weil das Wort "Heil" in einem kleinen, wenn auch schlimmen, Zeitraum der Menschheitsgeschichte mißbraucht wurde, überwiegen, weil die Großartigkeit des Heils Gottes es nicht schaffen würde, vollständig an die Stelle des mißbrauchten Begriffes zu treten? Seltsame Auffassung von Glauben! Zu so einer Kirche würde ich mich als Außenstehender nicht gezogen fühlen - die ihre eigene Botschaft relativieren. Das wäre ja so, wie wenn man keine Kartoffeln mehr essen würde, weil in der Weltgeschichte mal jemand mit einem vergifteten Kartoffelgericht ermordet wurde.

Johannes schreibt:
23. August 2018, 16:32

Was für eine wortglauberische Auffassung! Die Gnade Gottes, Seine Güte, das Wohl, das ER für uns bereithält, hängt an dem Wort "Heil! - Christentum ist doch kein Voodoo-Zauber, der an bestimmte Gesten oder Worte gebunden ist. Zu einer solchen kleingläubigen Kirche würde ich mich als Außenstehender nicht gezogen fühlen - auch nicht zu solchen Gläubigen, die Gottes guten Willen an eine Vokabel, statt an Sein Wort binden. Und mal jemand mit einem Kartoffelgericht ermorden oder Millionen Juden mit dem Ruf "Heil Hitler" auf den Lippen vergasen: Dieser Vergleich ist wirklich so menschenverachtend, , dass ich mir wünschte, ich hätte ihn nicht gelesen...

Johannes Lehnert

Johannes schreibt:
22. August 2018, 23:06

Was für eine Welt, in der Pegidisten über die Polizei ein Fernsehteam 45 min an der Arbeit hindern können. Und der Pegidist war Mitarbeiter des LKA...
https://www.welt.de/politik/deutschland/article181253290/Frontal-21-ZDF-...

Britta schreibt:
23. August 2018, 12:28

In einem Rechtsstaat sollten Recht und Gesetz für alle gleich gelten. Und wenn eben jemand nicht gefilmt werden will, ist seinem Wunsch Rechnung zu tragen, nicht erst seit Einführung der DSGVO. Wenn der Flimende dann trotz Ablehnung des Gefilmten weiterfilmt, ist es legitim, eine Strafanzeige zu stellen. Das darauffolgende (zeitraubende) Procedere ist dann weitestgehend üblich bei den bürokratischen Akten - das würde auch jeden anderen so passieren. Wie hötte sich der Demonstrant denn sonst friedlich gegen die Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte wehren sollen? Glücklicherweise stehen die Medien nicht über der Exekutive (auch wenn es manchmal aufgrund gewisser medialer Vorverurteilungen so scheinen will).

Johannes schreibt:
23. August 2018, 17:11

Auffälliger Pegida-Demonstrant schreibt Gutachten und tritt für das LKA in Gerichtsprozessen auf - Was für eine Welt:
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/dresden-pegida-demonstrant-ist...

Britta schreibt:
24. August 2018, 8:34

Lieber Johannes, warum echauffierst Du dich denn nicht so über den Angriff dieser Tage auf das Wohnhaus des sächsischen AfD-Vorsitzenden? DAS ist nicht rechtsstaatlich, während die Vorgänge um Pegida im Rahmen der Exekutive des Rechtsstaates erfolgten, die für alle gleich zu sein hat, d.h. auch Medien sind nicht im rechtsfreien Raum! Aber Du hast schon wieder vom Thema abgelenkt: Fakt ist für mich, gerade an der vorbehaltlosen Annahme von Gottes Heil liegt meine Seeligkeit un meine geistliche Heimat. Wenn Deine in politisch korrekter Zauderei liegt - bitte sehr. Nur wüßte ich nicht, was das mit der frohen Botschaft an sich zu tun hätte und tausende Menschen auch nicht, wovon u.a. die vielen Kirchenaustritte künden.

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