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Wunderbar und furchtbar

Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern. Psalm 66,5
Antje Hinze
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Antje Hinze ist Pfarrerin in Dresden-Lockwitz © privat

Was bewundern wir an uns und andern? Den Beruf, den Status, das Auto, das Haus, den Körper … Schaut her, wie toll ich bin! Wo hat da Gott noch einen Platz? Wann und wo bewundern wir Gottes Tun? Was tut er denn so Wunderbares an uns?

Er hat uns wunderbar gemacht: individuell, vielfältig und einmalig, jede einzelne Person. Freuen wir uns darüber? Manchmal ist es schwer, die eigene Andersartigkeit auszuhalten und zu verteidigen. Statt dessen normieren wir uns durch Kleidung, Körpergewicht, Bildung … wir kategorisieren einander. Der Psalmvers lädt uns ein zu staunen: Sieh, wie wunderbar Gott an uns Menschenkindern getan hat. Lasst uns sein wie die Kinder: Staunend und neugierig einander bewundern. Der Psalmbeter begründet sein Staunen mit der Rettung seines Volkes und bringt dies lobend vor Gott.

Ich kann mich noch gut an unsern Jubel 1989 erinnern. Ich finde, wir sollten mal wieder Jubellieder anstimmen, denn Klagelieder gibt´s zu viele. Lasst uns als Gotteskinder einstimmen in den Jubel und einander so gelten, wie Gott uns gemacht hat. Lasst uns staunen: »Bis hierher hat mich Gott gebracht!« Und dann nicht ängstlich und klagend in die Zukunft sehen, sondern erwartungsvoll im Vertrauen darauf, dass er auch »fernerweit« hilft. Und wenn uns Gott manchmal rätselhaft vorkommt, Leid und Hässlichkeit uns an ihm zweifeln lassen? Was Luther mit »wunderbar« übersetzt, kann auch mit furchtbar übersetzt werden. Beides gehört manchmal zusammen. Ich erinnere an die Frauen am Grab Jesu: und sie gingen eilends weg vom Grab, mit Furcht und großer Freude. Ach, wie wunderbar.

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