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Aufeinander zugehen

Umgang mit der Krise: Der Stellvertreter des Bischofs, Oberlandeskirchenrat Thilo Daniel, über die Einschätzung der Situation, die nächsten Schritte und den Aufruf zu einer geistlichen Haltung.
Das Gespräch führte Stefan Seidel
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OLKR Dr. Thilo Daniel ist Stellvertreter des Landes­bischofs. © Foto: Giersch

Herr Daniel, die Rücktrittsankündigung des Landesbischofs sowie die Debatte um vertretbare und unvertretbare politische Positionen wühlt die Landeskirche derzeit auf. Was sieht die Kirchenleitung vor, wie mit dieser Situation umgegangen wird?
Thilo Daniel: Die Entscheidung des Landesbischofs ist zu respektieren. Das Ausscheiden eines Landesbischofs aus seinem Amt braucht dem Recht der Landeskirche gemäß allerdings das Einvernehmen mit der Kirchenleitung. Sie wird darüber am kommenden Montag beraten und entscheiden. Die weitere Verständigung über Vertretbares und Unvertretbares wird nach unserer Auffassung eine länger andauernde Aufgabe für unsere Kirche sein.

Die früher veröffentlichten Texte Carsten Rentzings stuft die Landeskirche als »in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich« sowie »verstörend« ein. Gleichzeitig heißt es, habe sich der Landesbischof vor der Kirchenleitung glaubhaft distanziert. Wo genau sehen Sie das Problem der gegenwärtigen Lage?
Die Schwierigkeit liegt zum einen in der öffentlichen Äußerung des Landesbischofs, dass er solche Haltungen niemals hatte und zum anderen im Inhalt der Texte selbst. Beides zusammen macht ein Handeln als Landesbischof – das Amt der Einheit nach innen und das Repräsentieren unserer Kirche gegenüber der Öffentlichkeit – schwer, wenn nicht gar unmöglich.

In der Erklärung der Landeskirche wird zu einer geistlichen Haltung in der Bewältigung der Situation aufgerufen. Was ist damit gemeint?
Ein geistlicher Umgang miteinander sieht im anderen den Mitmenschen, der trotz unterschiedlicher Überzeugungen Respekt und Anerkennung verdient, weil er von Gott ebenso geliebt ist. Ein geistlicher Umgang in unserer Kirche bedeutet, dass wir uns auf das besinnen, was uns eint: das Evangelium als Mitte des Glaubens und Grund der Kirche. Die frohe Botschaft wird in Gemeinschaft gelebt. Das bedeutet immer wieder ein Aufeinanderzugehen.

Worin sehen Sie den gemeinsamen »Nenner«, auf den sich sogenannte konservative und liberale Christen in Sachsen einigen könnten?
Die letzten Tage und Wochen waren deshalb so schwierig für unsere Kirche, weil wir alle Schaden nehmen. Die menschlichen Verletzungen sind immens. Wir sollten uns nicht als Konservative und Liberale sehen, sondern als Christinnen und Christen, die im Konflikt Probleme aussprechen und sie gemeinsam lösen wollen. Dazu ist es aber notwendig, dass unterschiedliche Positionen ausgesprochen werden können.

Für die klare Bewertung bestimmter gesellschaftspolitischer Positionen will die Landeskirche geeignete Formen, Mittel und Wege finden, heißt es in der Erklärung. War diese Auseinandersetzung bislang zu zaghaft und an was genau ist dabei gedacht?
Die Beschäftigung mit den gesellschaftlichen Fragen muss weitergeführt werden. Damit ist zweierlei gemeint: Sie muss weitergeführt werden im Sinne von fortgesetzt. Und zwar für alle erlebbar und bis in jede Kirchgemeinde hinein. Und sie muss weiter geführt werden, indem den Gesprächen auch ein weiter Raum gegeben wird. Es müssen alle zu Wort kommen – auch die Leisen.

Anmerkung: Die Interview-­Antworten sind nach einer Beratung Thilo ­Daniels mit den Oberlandeskirchenräten ­Margrit Klatte, Burkart Pilz und ­Tobias Bilz entstanden.

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