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Mein Advent

Vier sächsische Christinnen und Christen geben Auskunft darüber, was ihnen die Adventszeit bedeutet und wie sie sich auf die Ankunft Christi vorbereiten
Anette Bärisch Jonathan Leistner Dr. Christa-Maria Steinberg Reinhard Steeger
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Herrnhuter Stern
© Foto: Jonathan Schöps/photocase.de

Aufmerksamer auf Gott hören

Ob Gott sich jetzt eigentlich auch eine besondere Zeit mit mir aus seiner großen Ewigkeit vorgenommen hat?« Dieser Gedanke befiel mich, als ich vor einigen Wochen eine Auszeit im Kloster verbrachte. Ist es nicht ein sehr menschliches Vorhaben, bestimmte Zeiten für Gott zu reservieren? Hat er nicht ganz andere Pläne und Wege um zu wirken? »Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und meine Wege sind nicht eure Wege«, lässt er den Propheten Jeremia sagen. Trotzdem bin ich sicher: Es ist gut und heilsam, dass es bestimmte Zeiten im Jahreskreis gibt, in denen wir versuchen, einmal wieder aufmerksamer auf Gott zu hören, aufmerksamer auf seine Gegenwart zu achten. Es tut uns gut, dass es vor den großen Festen im Jahreskreis eine Zeit der Vorbereitung und Vorfreude gibt. In diesem Jahr wird mich eine Begegnung aus meiner letzten Arbeitswoche im Krankenhaus begleiten. Mit einem blinden Patienten sprach ich über das Erleben von Stille. Wir stellten gemeinsam fest, dass die Stille für einen Blinden eine andere ist, als für Sehende. Wenn ich in die Stille gehe, muss ich mich auch von Bildern lösen, die auf mich einströmen. Für mich können auch optische Eindrucke »laut« sein. Wie erlebt der blinde Mensch die Adventszeit? Lichter, Tannengrün und Pyramide bekommen einen anderen Stellenwert. Wie wäre es, wenn ich mir für den Advent einmal die Wahrnehmung des Blinden leihe? Welche Adventsstimme, welche Adventsstimmung, welcher Klang, welches Lied wird mich besonders berühren? Welches Wort, welche Begegnung? Welcher Adventshauch trifft mich? Was wird für mich besonders hörbar und wahrnehmbar in dieser Zeit auf Weihnachten hin? Ich bin gespannt, was Gott mir hier an meinem neuen Lebens- und Arbeitsort zeigen und vor die Füße schicken wird! Anette Bärisch


Pfarrerin Anette Bärisch leitet ab 1. Dezember das Haus der Stille in Grumbach. © Holger Hinz

Jesus, wer bist du?

Advent bedeutet für mich, ein paar Schritte mit Johannes zu gehen. Mit Johannes dem Täufer, der Jesus vorausging und dessen Ankunft, dessen Gegenwart ankündigte. Er aber sagte in dem Moment, als er Jesus zum ersten Mal begegnete: »Und ich kannte ihn nicht.« Wahrscheinlich war er trotz allem, was er wusste und sich vorstellen konnte, von Jesus überrascht. Überrascht davon, wer Jesus ist, wie Jesus ist, was Jesus ist. Und wir? 2000 Jahre nach Jesus, in einer anderen Welt. Wir können Jesus nur begegnen, wenn wir von ihm lesen und seinem Beispiel folgen. Oft meinen wir, alles zu wissen. Oft machen wir uns Jesus zurecht. Oft ist Jesus in unserem Glauben eingetaktet. Und zu selten fragen wir: Jesus, wer bist du? Advent bedeutet für mich, die Haltung von Johannes einzunehmen, mit ihm zu bekennen: »Und ich kannte ihn nicht.« Danach will ich fragen: »Jesus, wer bist du?« Und ich will vorsichtig Antworten versuchen ...

Bist du das Kind in der Krippe?/Von Fremden besucht./Von Herrschern verflucht./Wer bist du?/ Das Kind in der Krippe?/Noch machtlos, doch schon dem Tode entflohn./Das bist du. Bist du der Mann in der Menge?/Hast Gott und die Welt/in Frage gestellt./Wer bist du?/ Der Mann in der Menge?/Sie feiern und gehn ohne zu verstehn./Wer bist du? Bist du der Mann, der das Kreuz trägt?/Geliebt und verehrt./Gefoltert, versehrt./Wer bist du?/ Der Mann, der am Kreuz hängt?/Beweint und bewacht./Begafft und verlacht./Das bist du. Bist du, der nicht mehr im Grab liegt?/Hast Freunde erschreckt/und Zweifel geweckt./Wer bist du?/ Der nicht mehr im Grab liegt/hat Glauben ganz sacht/durch Hoffnung entfacht./Das bist du.
Jonathan Leistner


Jonathan Leistner aus Drebach ist Liedermacher und als Religionspädagoge Schulbeauftragter im Kirchenbezirk Marienberg. Zuletzt erschien von ihm die CD »Grau«. © Michael Kusterer

Achte auf den Herrn aller Herren

Die ernsten Texte über die Wiederkunft des richtenden Herrn und die Mahnung, wach auf ihn zu warten, sind verklungen. Mit dem »Gloria, sei dir gesungen« verging der Ewigkeitssonntag. Nun liegt die Adventszeit vor mir. Auch eine ernste Zeit, aber voll freudiger Erwartung. »Wie soll ich dich empfangen?« steht auf meinem Adventskalender, dem Adventshäuschen vom Johannisverlag Lahr, das schon zu meinem Kinderadvent gehörte. Die Verheißungen werden mir von Jahr zu Jahr kostbarer: »Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an« (Offenbarung 3, Vers 20). »Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen« (4. Mose 24, Vers 17), 1400 Jahre vor der Geburt Christi vorhergesagt! »Siehe, dein Heil kommt« (Jesaja 62, Vers 11). »Und du, Bethlehem Ephrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei« (Micha 5, Vers 1). Micha war ein Zeitgenosse von Jesaja, also auch gut 700 Jahre vor Jesu Geburt genau vorhergesagt. Gottes ewige Planung und Ausführung faszinieren mich immer wieder neu und sind so tröstlich bei all den schnellen heutigen Veränderungen! Und wie bereite ich mich? Wie ebne ich Ihm den Weg? Wie mache ich »die Türen in der Welt hoch«? Für mich wird mit diesen Worten eine Herzenshaltung gefordert. Achte auf den Herrn aller Herren. Lass dich nicht beunruhigen von Glanz und Eile. Suche dir soviel Stille zum Bibellesen und Beten wie möglich. Schreibe inhaltsreiche Weihnachtsgrüße. Mache einfache Geschenke (ich verschenke z. B. an Kinder und Enkel Bücher aus meiner Bibliothek: wertvoll, kostet nichts und ist eine Erinnerung an die Mutter und Großmutter). Ein Adventsandachtsbuch von Theo Lehmann und Jörg Swoboda begleitet uns durch den Advent bis zum Weihnachtsfest. Wie lebenswendend, dass Gott zu unserer ewigen Rettung seinen Sohn geschickt hat! Danke, Herr in Ewigkeit! Christa-Maria Steinberg


Dr. Christa-Maria Steinberg aus Limbach-Oberfrohna ist Ärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie und gehört zum Evangelisationsteam Sachsen. © privat

Jesus ist zu mir gekommen

Wenn man im Erzgebirge aufgewachsen ist, hat man eine ganz eigene Beziehung zum Advent, und die ist weniger von den großen und theologischen Aussagen des Advent geprägt und bestimmt, sondern weit mehr von der Atmosphäre aus Lichterglanz, Gemütlichkeit und Vorweihnachtsfreude. Zeremonien wie »Männelaufwecken« und »Weihnachtsbäckerei« habe ich seit frühester Kindheit erlebt und genossen. Und dann die für mich unvergessenen Zeiten gemeinsam beim Kerzenschein zu sitzen und zu erzählen. Advent, das war (und ist manchmal noch) die Fülle von Geborgenheit. Die andere, die inhaltliche Seite des Advents ist mir in meiner geistlichen Heimat der Landes- kirchlichen Gemeinschaft immer mehr bewusst geworden: Jesus kommt wieder, wir warten auf ihn, der die Welt neu machen wird. Was sich mir im Anfang als »apokalyptisches Schreckensszenario« darstellte, wurde durch Bibel lesen und Gespräche immer mehr zur festen Erwartung, dass Gott die Dinge und Zustände dieser Welt nicht einfach so lassen wird, sondern dass er einmal alles neu machen wird. Irgendwann kam dann die Erkenntnis dazu, dass er damit ja schon angefangen hat. Und im Advent treffen sich für mich beide Seiten, weil plötzlich manches Brauchtum anfing, mir Jesus zu verkünden. Jeder Adventsstern erzählt mir etwas von dem Herrn, der kommt und die Regierung über die Welt übernimmt, und den es zu suchen lohnt. Wenn ich die hell erleuchteten Fenster sehe, werde ich erinnert, dass Christen Menschen sind, die »ihr Licht leuchten« lassen sollen und »Licht dieser Welt« sind. Es sind Markierungs- punkte, die verkünden: Jesus ist zu mir gekommen und er wird wiederkommen. Und bis dahin möchte er, dass ich tätig auf ihn warte und Menschen von seinem Heil und seinem Kommen erzähle, damit sie etwas von der Geborgenheit, der Freude an Gottes neuer Welt erfahren und darauf neugierig werden. Reinhard Steeger


Reinhard Steeger aus Leipzig ist Vorsitzender des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes. © privat

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 48 | 1.12.2019 Artikel drucken

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