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Dankbarkeit ist ein Glücksgarant

Die Autorin Petra Urban über die kleinen Rezepte des Glücklichseins
Das Gespräch führte Charlotte Künne
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Petra Urban (62) lebt als Schriftstellerin in Bingen am Rhein und hat zahlreiche lebensphilosophischer Bücher veröffentlicht. Soeben erschien ihr Buch »Der Duft von Glück. Selbstbegegnung im Spiegel der Jahreszeiten.« (Vier-Türme-Verlag). © Foto: Irina Fürstenau

Frau Urban, Sie laden Ihre Leser ein, sich im Spiegel der Jahreszeiten selbst zu begegnen. Welche Erkenntnisse über uns können wir in der Begegnung mit der Natur erlangen?
Petra Urban: Ich selbst schwinge gern mit den Stimmungen der Jahreszeiten mit. Und so sehe ich den Frühling als eine Zeit des Aufbruchs, des persönlichen Neuanfangs. Eine Zeit, in der wir uns fragen können, ob es nicht vielleicht an der Zeit wäre, einmal wieder aus eingefahrenen Strukturen, alten Mustern auszubrechen, um Neues zu erleben. Die bequeme Haltung des »ich könnte ja mal …« verlassen, und ins Machen, ins Tun zu kommen. Neugierig den Geist ausstrecken, sich ausprobieren.

Und welche Botschaft haben die anderen Jahreszeiten?
Der Sommer mit seiner Fülle, für viele eine Zeit der Ferien und der Reisen, kann uns an die so wichtige Kunst erinnern, sich am Tisch des Lebens eine gute Gastgeberin, ein guter Gastgeber zu sein. Welches Verwöhnprogramm ist für mich das richtige? Mit welchen Menschen will ich mich umgeben? Wo hat die Berührung mit der Natur für mich etwas unendlich Befriedigendes? Der Herbst mit seinen zauberhaften Farben und seiner reichen Ernte, ist für mich ein Mahner zur Dankbarkeit. Dankbarkeit ist ein echter Glücksgarant und es lohnt sich, diese Haltung zum Grundton unseres Lebens zu machen. Je dankbarer wir werden, umso achtsamer und aufmerksamer werden wir. Und das wiederum heißt, wir sensibilisieren uns für die kleinen Glücksmomente, alle die buntgefärbten Blätter, die das Leben uns schenkt. Der Winter, die kalte Jahreszeit, ist eine Zeit der Stille. Während die Natur in ihrem wohlverdienten Schlaf liegt, ziehen auch wir uns zurück. Innerlich werden und sich gleichzeitig öffnen, dafür steht der Advent, jene Zeit des Aufmachens, des Sich-auf-den-Weg-Machen. Beste Zeit für gemütliche Tee- und Kaffeestunden, für Zuwendung, Gespräche, intensives Miteinander. »Dem Augenblick ein Lächeln schenken«, nenne ich das.

»Selbstliebe« ist in Ihrem Buch ein wichtiger Schritt, um sich selbst zu entdecken. In der christlichen Tradition steht aber meistens die Nächsten- oder Feindesliebe im Vordergrund. Wie passt da Selbstliebe ins Weltbild?
Ich höre immer wieder, dass Selbstliebe etwas Egoistisches sei. Das stimmt nicht. Diese Liebe, diese Achtsamkeit uns selbst gegenüber, hat mit Egoismus, Selbstverliebtheit oder nazistischer Selbstbespiegelung nicht das Geringste zu tun. Ganz im Gegenteil. Diese Liebe ist lebenswichtig, trägt uns, hält uns gesund, macht uns stark. Sie ist das Fundament unseres Lebens und der Nährboden aller Nächstenliebe. Anders formuliert: sie ist die Voraussetzung für glückende und glückliche Beziehungen. Und die wiederum sind das Wichtigste auf unserem Lebensweg.

Was unterscheidet Selbstliebe von Egoismus?
Selbstliebe ist eine Art Dünger, Humus für unsere Lebenskraft, unsere Lebensfreude, für alles das, was wir am Ende ja nicht allein für uns behalten, vielmehr mit vollen Händen weitergeben, an unsere Nächsten, Übernächsten, an die ganze Schöpfung. Egoismus dagegen kreist ausschließlich um sich selbst, um das eigene Wohl. Eine Lebenshaltung, die mit Liebe nicht viel zu tun hat.

Frauen erleben oft, wie ihre Mütter, Großmütter, Freundinnen ganz selbstverständlich zurückstecken – für ihre Kinder, ihre Ehemänner, ihre Familie … In Ihrem Buch ermutigen Sie besonders Frauen »Nein« zu sagen, sich selbst zu lieben. Wie kann ihnen das gelingen?
»Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.« Gerade für Frauen, die sich immer wieder dabei ertappen, ihre Nächsten und Übernächsten mehr zu lieben als sich selbst, die eher das Wohl ihrer Lieben als ihr eigenes Wohl im Auge haben, die eher die fremden, anstatt die eigenen Bedürfnisse befriedigen, gerade für solch notorischen »Kümmerlinge« ist das ein Satz, den sie sich ins Herz schreiben sollten. Zur Selbstliebe gehört Abgrenzung, ein selbstbewusstes »Nein« an den richtigen Stellen. Wir alle haben eine Stimme in uns, eine Weisheitsstimme, die ich gern als die »Königin in mir« bezeichne. Diese Stimme sagt uns, wann ein solches »Nein« angebracht ist. Wir müssen nur lernen, ihr zu vertrauen und auf sie zu hören. Wenn wir dies tun, sind wir treibende Kraft in unserem Leben, nicht aber Getriebene.

Was kann mehr Selbstliebe, mehr Mut »Nein zu sagen« für Frauen bedeuten?
Ich habe einmal eine Studie gelesen, in der man alte Menschen danach befragt hat, was sie in ihrem Leben am meisten bereuen. Die Mehrzahl gestand, sich mehr Authentizität gewünscht zu haben. Mit Selbstliebe und Abgrenzung kommt Authentizität in unser Leben. Und die macht uns nicht nur sympathisch, sondern auch zutiefst zufrieden.

Wie war diese Entwicklung für Sie? Gab es einen Punkt in Ihrem Leben, an dem Sie merkten, dass Sie mit diesem Muster brechen müssen?
Für mich, die ich durch die Erfahrung von Missbrauch in der eigenen Familie, zeitlebens ein überaus angepasstes, braves Mädchen war, war das Wort »Nein« zu erlernen, ein lebenswichtiger Schritt. Es bedeutete, Widerstand zu leisten, nicht mehr ständig aus- und stillzuhalten. Im Zuge einer Therapie erst begann ich, mit mir selbst in Verbindung zu treten. Schritt für Schritt vertraute ich meiner inneren Stimme. In dem Wort »Vertrauen« steckt das Wort »trauen«. Je mehr Vertrauen ich in mich selbst fasste, umso mutiger wurde ich. Selbstsein heißt stimmig sein. Für mich ist es nach wie vor und an jedem neuen Tag eine Herausforderung. Aber auch ein unaussprechliches Glück. Ein Glück, zu dem es mitunter ein Quäntchen Mut braucht.

Buchhinweis: »Der Duft von Glück. Selbstbegegnung im Spiegel der Jahreszeiten.« Vier-Türme-Verlag 2020, 141 S., 16 Euro.

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