Tiefe Trauer um Gerhard Lindemann

Reaktionen auf den Tod Gerhard Lindemanns, Professor für Kirchengeschichte an der TU Dresden, und den Nachruf in Nr. 23, S. 7
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Prof. Gerhard Lindemann ist unerwartet im Mai 57-jährig verstorben. © Foto: TU DD/J. Höhnisch

Fassungslos und aufgewühlt durchlebe ich die letzten Tage, seit ich von Prof. Lindemanns Tod erfahren habe. Ich kann nicht begreifen, dass uns ein wirklich herzlicher und sympathischer Mensch so früh von Gott entrissen wurde. Tiefe Trauer, verbunden mit Stille, aber auch mit Klage, umfängt mich seitdem. Zugleich denke ich in Dankbarkeit zurück an seine Vorlesungen und Seminare in der TU Dresden, die von Witz, Scharfsinn und großem persönlichen Engagement geprägt waren. Von seinem Fachwissen der Kirchengeschichte, besonders aus der neueren und neuesten Geschichte, und seinem persönlichen Charme und seiner Warmherzigkeit werde ich noch lange zehren, ebenso von seinem Besuch in unserem Hauskreis oder dem regen persönlichen Kontakt fernab des Hörsaals. Prof. Lindemann hinterlässt wohl geistig und menschlich eine tiefe Lücke bei jedem, der ihn kannte. Mich tröstet dabei der Satz »er ist nicht verloren, er ist nur vorausgegangen. Marcel Schneider, Dresden

Gerhard Lindemann war mir über viele Jahre ein herzlicher, verlässlicher Freund und »Bruder im Glauben« in der Kirchgemeinde, ein vertrauenswürdiger Mensch in persönlichen wie kirchlichen und gesellschaftlichen Bezügen. Ich bin ihm dankbar und gleichzeitig traurig über den Abschied. Ich wünsche ihm, dass seine Augen und sein Herz nun voller Freude sind! Diana von Eynern, Dresden

Ich bedauere sehr, dass mit Professor Lindemann ein kenntnisreicher und kluger theologischer Gesprächspartner gestorben ist. Professor Lindemann hat sich unermüdlich, wohl bedacht und gründlich an einer Reihe von Bloggesprächen im Forum für Gemeinschaft und Theologie (<www.frei-und-fromm.de>) beteiligt. Dabei hat er immer wieder seine Stimme für Benachteiligte erhoben, war streitbar und klar und interessiert an seinem Gegenüber. So hat er manchen überzeugt, manche Überzeugung ins Wanken und das Gespräch vorangebracht. Dafür bin ich dankbar. Seine Stimme wird uns im »Forum« und in der sächsischen Landeskirche fehlen. Friede sei mit ihm. Dr. Barnbara Zeitler, Leipzig

Persönlich durfte ich ihn nie kennenlernen. Herr Professor Lindemann und ich, wir »erlebten« einander nur in der Diskussion. Nun ist er nicht mehr. »Plötzlich und unerwartet« steht da. Zu jung mögen viele denken. »Ich aber will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache, an deinem Bild« (Psalm 17,15). Dieses Wort, das über seinem Nachruf steht, kann uns allen helfen. Gerechtigkeit war ihm wichtig. In seinen Worten war das ebenso zu spüren, wie sein Engagement für eine Welt, in der das nicht nur Theorie ist. Möge er nun den schauen, der uns allen seine Gerechtigkeit schenkt und uns sättigen will mit seiner Liebe. Mögen wir nach der kraft fassen, die Gottes Geist gibt und auch nach Gerechtigkeit nicht nur fragen, sondern sie leben. Dann würde sein Werk ein Stück weitergetragen werden. Gert Flessing, Leipzig

Die Nachricht vom Tod Gerhard Lindemanns hat mich zutiefst erschüttert und fassungslos gemacht. Wir waren nicht nur »einfache« Bekannte aus derselben Fakultät, sondern Kollegen und Freunde. Wir waren es seit nunmehr 17 Jahren, als Gerhard nach Dresden und zuerst an unser Hannah-Arendt-Institut kam. Und wir blieben es, als er 2010 auf eine Stelle als Kirchenhistoriker an das Institut für evangelische Theologie wechselte. Ich habe Gerhard als herzlichen, fröhlichen, enorm hilfsbereiten und immer offenen Menschen kennen- und schätzen gelernt. Imponiergehabe und Selbstdarstellungsposen waren ihm völlig fremd. Ich schätzte seine Arbeit, vor allem sein bemerkenswertes Forschungsinteresse für die sächsische Kirchengeschichte im 20. Jahrhundert. Dieses Interesse führte uns immer wieder zusammen, wenn es galt, Zeitgeschichte vor Ort und im Land kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass unsere letzte gemeinsame Veröffentlichung, ein Band über politische Gewalt in Sachsen zwischen 1930 und 1935, tatsächlich auch die letzte sein würde. Eine gemeinsame Buchvorstellung in der Dresdner Synagoge, die wegen »Corona« abgesagt werden musste, wollten wir so schnell wie möglich nachholen. Darüber haben wir noch Mitte Mai gesprochen. Unser letztes Telefonat bewegt mich noch immer: Er hat sich nicht um sich gesorgt, sondern um andere, die in der Krise mit dem Leben gerungen haben. Er legte mir nahe, einen hiervon Betroffenen, einen guten Bekannten, zu kontaktieren und ihm gute Genesungswünsche zu übermitteln. So war Gerhard eben – völlig selbstlos, auf andere zugehend und dabei Trost spendend.

Von dieser seiner Art haben viele »profitiert« – zuerst natürlich Studierende, dann Kolleginnen und Kollegen und ganz besonders Freunde, mit denen er die Vorliebe fürs Radfahren, fürs Wandern, fürs Kino und nicht zuletzt für den Fußball teilte. Mit Gerhard zu diskutieren, herzhaft zu lachen und zu scherzen – vor allem bei unserem »Lieblingsgriechen« in Dresden – hatte immer etwas Befreiendes und Bereicherndes zugleich. Gerhard wird fehlen, als Freund, als Kollege, als kritischer Zeitgenosse. Er hinterlässt eine große Lücke. Prof. Mike Schmeitzner, Dresden

Ich habe Gerhard Lindemann (viel zu) selten getroffen, meist in Gremien und Kommissionen der Philosophischen Fakultät. Aber ich habe bei diesen Gelegenheiten erlebt, dass seine stete Freundlichkeit, Menschlichkeit und Zugewandtheit nicht mit Unverbindlichkeit und Harmlosigkeit zu verwechseln waren. Sie paarten sich mit einem weiten Horizont und einem scharfen Verstand, der vor dezidierten Urteilen nicht zurückschreckte. Dass er das Leben an der Fakultät auf diese spezielle Weise in Zukunft nicht mehr bereichern wird, ist ein trauriger Gedanke. Prof. Gerd Schwerhoff, Dresden

Ich bin zutiefst betroffen, nicht nur rein persönlich, haben wir doch zuletzt (plötzlich ist es ein »zuletzt«) uns mächtig einzumischen versucht in den Streit um Bischof Rentzing, sondern was für ein Wissensschatz um die kirchliche Vergangenheit besonders in Sachsen geht mit ihm verloren. Ein »Antipp« und er sprudelte voll Sachkenntnis. Was für ein Verlust! Unersetzbar! Hanno Schmidt, Dresden

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