Apfelsaft vom Pfarrer

Begegnungen beim Apfelmosten in Geilsdorf: Pfarrer und Kantorin betreiben eine Mosterei
Simone Zeh
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Pfarrer Tilo Kirchhoff
Pfarrer Tilo Kirchhoff lässt die Äpfel zum Waschen und zur anschließenden Verarbeitung in die Obstpresse rollen. Heidi Kirchhoff, Kantorin, füllt den fertigen Saft später ab und verpackt ihn in Kartons. © Simone Zeh

Begegnungen und Gespräche sind Pfarrer Tilo Kirchhoff aus Geilsdorf (Vogtland) wichtig. In diesen Tagen trifft er Menschen nicht nur in der Kirche, sondern auch beim Mosten von heimischem Obst. Tilo und Heidi Kirchhoff – Kantorin und Ehefrau – betreiben neben ihren Berufen eine Fruchtverarbeitung nahe des Pfarrhofes. »Dein Saft – aus deinen Früchten«, das ist das Motto der Familie. Die Leute, die ihre Früchte aus dem Garten oder von der Streuobstwiese bringen, können zusehen, wie sie zu Saft verarbeitet werden. Diesen kann man dann gleich, nach rund einer Viertelstunde, im praktischen Bag-in-Box-Beutel und Karton mit nach Hause nehmen.

Saft aus den eigenen Früchten, das wissen offenbar immer mehr Leute zu schätzen. Nicht nur die älteren Menschen, die es von früheren Zeiten her gewohnt sind, ihre Lebensmittel zu verwerten. Manchmal kommen ganze Familien, die ihre im Garten geernteten Äpfel bringen, weiß der Geilsdorfer Pfarrer zu berichten. Da lernen die Kinder, wie der Saft tatsächlich entsteht. Und: »Es gibt viele junge Leute, die ihren eigenen Saft haben wollen«, sagt Tilo Kirchhoff. Der schmecke eben auch ganz anders und ist kaum mit gekauftem aus dem Supermarkt zu vergleichen. »Eine Frau sagte mir einmal, sie verträgt keinen Apfelsaft. Aber den eigenen konnte sie trinken«, erinnert er sich. »Ein junger Mann, er wohnt ein paar Dörfer weiter, hat selbst eine Streuobstwiese angepflanzt.« Da könne man ins Staunen kommen. Oder auch mal zum Nachdenken. »Ich rede gerne mit den Leuten, die ihre Früchte zu uns bringen«, sagt der Pfarrer. »Das ist das Schöne daran.« Er sieht es deshalb auch als Hobby, denn in erster Linie ist Tilo Kirchhoff als Pfarrer in der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde St. Jakobus im Vogtland tätig.

»Seit zwei Wochen aber nehme ich keine Termine mehr zum Mosten an«, sagt Heidi Kirchhoff. Durch die diesjährige Apfelschwemme ist die Fruchtverarbeitung der Pfarrerfamilie an ihre Kapazitäten geraten. An drei Tagen in der Woche bringen die Leute derzeit ihre Äpfel, seltener sind Quitten oder Birnen, zum Mosten nach Geilsdorf. Die Qualität des Saftes richtet sich dabei nach der des Obstes. Und man kann auch verschiedene Obstsorten mischen, um einen individuell aromatischen Saft zu erhalten. Ende August, mit den ersten reifen Äpfeln, ging das Mosten los. Derzeit läuft der kleine Familienbetrieb auf Hochtouren.

Angefangen hatten die Kirchhoffs vor zwölf Jahren mit der Mosterei. »Wir sind langsam gewachsen«, sagt Heidi Kirchhoff. »Wir haben selbst eine Streuobstwiese. Zum Mosten waren wir damals in Oberfranken. Das hat uns so gefallen, dass wir dachten, dass machen wir auch.« Die erste Anschaffung war eine mobile Saftpresse. Von Jahr zu Jahr kamen mehr Leute. Inzwischen haben die Kirchhoffs längst eine Obstpresse, für die mindestens 50 Kilogramm zur Verarbeitung Voraussetzung sind. Aus einhundert Kilogramm Früchten erhält man zwischen 60 und 70 Liter Saft. Die Kunden schütten ihr Obst draußen in eine Großkiste, die hoch befördert wird. Die Früchte werden über eine Rutsche in die Saftpresse gekippt. Hier werden die Äpfel, Birnen & Co gewaschen, bevor sie kalt gepresst werden. Durch Pasteurisierung wird der Saft kurzfristig erhitzt, so dass Mikroorganismen abgetötet werden. »Die Kartons kann man immer wieder, auch Jahre lang, verwenden«, sagt Heidi Kirchhoff, der Nachhaltigkeit wichtig ist. Inzwischen kommen die Leute nicht nur aus dem Vogtland, sondern auch aus dem Erzgebirge, aus Thüringen oder Bayern.

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