Der Sound der Jugend

Popularmusik: Carsten Hauptmann sucht und sorgt für die moderne Kirchenmusik in der Landeskirche. Sie hängt für ihn eng zusammen mit der Jugendmusik, die auf dem Rückzug zu sein scheint.
Kathrin König
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Nicht nur traditionelle Orgelmusik: Carsten Hauptmann sitzt am Flügel zu Hause im Arbeitszimmer in Frankenberg. Der Kirchenmusiker und Referent wünscht sich, dass heutige Kirchenmusik die Gefühle junger Leute berührt. Foto: Kathrin König

Ein halbes Jahr lang ist Carsten Hauptmann nun Referent für Jugend- und Popularmusik im Landesjugendpfarramt. »Ich lerne gerade noch, wie groß Sachsen ist«, sagt der Mann, der von Frankenberg aus die Strukturen und Ansprechpartner kennenlernt. Wegen der Coronabestimmungen waren persönliche Treffen in den ersten Monaten nicht möglich, aber mittlerweile kann Hauptmann mit Kirchenmusik-Vertretern, Gemeinden und Jugendlichen sprechen. »Langsam bekomme ich den Überblick«, sagt er über die Jugendmusik und kirchliche Popularmusik innerhalb der Landeskirche. Die christliche Bandszene in Sachsen hat der einstige Kinder- und Jugendkantor als »lebendig« erlebt und festgestellt, dass »da, wo junge Leute proben und spielen, immer eine unglaubliche Jugendarbeit und Lebendigkeit zu spüren« sei.

Zehn Jahre hat Hauptmann als Kirchenmusiker in Marienberg und Frankenberg gearbeitet und mit eigenen Bands und Beteiligungen an Projekten seine Erfahrungen innerhalb der Landeskirche gesammelt. Die stilistische Breite habe im Vergleich zu den 1990er Jahren abgenommen, auch die Zahl der Bands sei geschrumpft. Mit Zahlen kann der Referent das noch nicht belegen. Eine Umfrage soll demnächst herausfinden, was junge Christen von Kirchenmusik erwarten und benötigen.

Hauptmann hat festgestellt, dass bei den Amateurbands heutzutage vieles professionalisiert sei und sich Anfänger dort häufig sofort mit Profis vergleichen lassen müssen. »Wenn ich daran denke, mit welch rümpeliger Technik meine erste Band im Jahr 2000 in Königstein angefangen hat. Ich hatte erst zwei Jahre zuvor Gitarre spielen gelernt«, erzählt Hauptmann schmunzelnd.

Heutzutage müsse in sozialen Medien alles perfekt rüberkommen. »Davon fühlen sich Junge-Gemeinde-Bands auch abgeschreckt, haben Skrupel.« Die will Hauptmann abbauen helfen. Er versteht sich als Veränderer und Brückenbauer, der für Verständnis für traditionelle Kirchenmusik und Popularmusik werben will. »Es gibt viele Menschen, die wünschen sich, dass Kirchenmusik heutiger wird, aber nicht anbiedernd. Andere rümpfen die Nase darüber oder lehnen die Lobpreis-Bewegung ab, weil ihnen das musikalisch zu wenig kunstvoll ist. Zu simpel, zu viele Wiederholungen heißt es da schnell.«

Hauptmann hat aber festgestellt, dass Jugendliche mit Worten und Bildern im Gesangbuch, die aus der Zeit der Reformation oder des 30-Jährigen Krieges stammen, nicht viel anfangen können. »Die Gefühlswelten der Jugendlichen heute müssen jedoch auch in der Kirchenmusik vorkommen.« Das schließt nach Hauptmanns Vorstellungen traditionelle Kirchenmusik keinesfalls aus und die geistliche Haltung immer mit ein, wie er sagt.

Dass sich die Evangelische Hochschule für Kirchenmusik in Dresden um mehr Ausbildungsinhalte in den Bereichen Jazz/Rock/Pop bemüht, findet er richtig. So könnten Kirchenmusikerinnen und -musiker auch andere Zielgruppen ansprechen. »Wenn es das zu meiner Studienzeit schon gegeben hätte, ich hätte mich sofort beworben.« Hauptmann würde sich in Seminare an der Hochschule gern mit einbringen.

Vor überzogenen Erwartungen warnt Kirchenmusikdirektor Guido Schmiedel. »Viele denken, wenn man moderne Musik macht, ändert sich alles.« Auch in Glauchau, Rochlitz und Umgebung gebe es Lobpreisabende. »Da rennen uns die Leute aber nicht die Bude ein. Das ist kein Allheilmittel gegen Publikumsschwund.« Auch Jugendliche hätten verschiedene Musikgeschmäcker.

Für Schmiedel müsse Kirchenmusik immer auch geistliche Haltung ausdrücken. »Ob nun Bachkantate, Gospel-Oratorium oder Band – das Paket muss passen.« Da liegt Schmiedel mit dem Jugend- und Popularmusikreferenten Hauptmann auf einer Linie. »Wichtig ist mir, dass Kirchenmusik für die Menschen in Kirchgemeinden relevant bleibt und sie einen unmittelbaren Zugang zum Glauben durch Musik erfahren – und zwar in allen Zielgruppen.«

Wie das gelingen könnte, zeigt Car­sten Hauptmann mit seiner Band »Orgel im Groove«, die im Herbst wieder an verschiedenen Stellen zu erleben ist.

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33% (17 Stimmen)
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8% (4 Stimmen)

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