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Falsche Nachrichten aus der Martin-Luther-Kirche Dresden

Eritreische Christen sind in Dresden bei einem Gottesdienst unfreiwillig gefilmt worden
epd
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Turm der Martin-Luther-Kirche Dresden
Turm der Martin-Luther-Kirche Dresden © Steffen Giersch

Ein im Internet veröffentlichtes Video über ein angebliches Gebet von Muslimen in der Dresdner Martin-Luther-Kirche sorgt für Aufregung. Der gut zwei Minuten lange Clip mit liturgischen Gesängen eines Gottesdienstes eritreischer Christen war am Montag über soziale Netzwerke verbreitet und mit den Worten »islamische Gebete in der Lutherkirche Dresden« untertitelt worden. Mit dem Video sei eine »oberflächliche Beobachtung ohne Wissenshintergrund« verbreitet worden, sagte Matthias Oelke, Sprecher der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Dresden.

Die in dem Film überbrachte Botschaft sei »eine klare Falschaussage, auf die man eigentlich nur sachlich reagieren kann und muss«. Der Beitrag zeuge von »religiösem Analphabetismus«. Es sei »undenkbar, dass sich Muslime unter dem Kreuz versammeln«, betonte Oelke. Ob es sich bei dem Video um einen »bösen Vorsatz« handele, sei nicht klar. In jedem Fall sei es für eine falsche Tatsachenbehauptung missbraucht worden. Das Fake-News-Video wurde im Netz mehrfach islamfeindlich kommentiert.

Die sächsische Landeskirche hat nun juristische Konsequenzen geprüft. Es würden zunächst »keine rechtlichen Schritte ergriffen«, sagte Juristin Viola Vogel vom Landeskirchenamt in Dresden dem epd. In den sozialen Netzwerken habe die Landeskirche klargestellt, dass es sich bei den im Video gezeigten Gottesdienstbesuchern nicht um Muslime handelt, sondern um eritreische Christen. Sie hätten in der Martin-Luther-Kirche das orthodoxe Osterfest gefeiert.

Seit etwa zwei Jahren genießen die Flüchtlinge aus Eritrea ein Gastrecht in der Kirche in der Dresdner Neustadt. Jede Woche laden sie zu Gottesdiensten ein. In der Woche vor dem Osterfest, das orthodoxe Christen etwas später als in Deutschland feiern, versammelten sich die Eritreaer mehrfach in der Lutherkirche. Das Handy-Video wurde nach Angaben der Martin-Luther-Kirchgemeinde wahrscheinlich in der Woche vor dem orthodoxen Osterfest gefilmt.

Die Gottesdienstteilnehmer waren offenbar ungefragt gefilmt worden. Der Pfarrer der Dresdner Lutherkirchgemeinde, Eckehard Möller, bezeichnete das Vorgehen als »unverfroren«. Zugleich betonte er: »Unwissenheit schützt vor Strafe nicht«. Außerdem sei am Kircheneingang ein Schild mit dem Hinweis auf den Gottesdienst der eritreischen Christen befestigt gewesen, sagte Möller. Das habe die Filmerin, deren Stimme im Video zu hören ist, offenbar »nicht wahrhaben wollen«.

Nach einem Bericht der in Dresden erscheinenden »Sächsischen Zeitung« (Mittwoch) handelt es sich bei den Urhebern des Videos um mutmaßliche Rechtsextreme. Der Mitschnitt des Gottesdienstes war unter anderem auf der Facebookseite aufgetaucht, die den Namen des ehemaligen Bautzener NPD-Kreischefs Marco Wruck trägt. Geteilt wurde das Video auch vom Dresdner AfD-Mitglied Maximilian Krah, der den Beitrag aber zwischenzeitlich wieder gelöscht hat.

Die eritreische Kirche ist eine altorientalische Kirche und damit eine der ältesten christlichen Konfessionen. Es gibt enge Verflechtungen zur orthodoxen Kirche in Äthiopien und zur koptischen Kirche in Ägypten. Eritreischen Christen zählen zur sogenannten Ostkirche und orientieren sich am Julianischen Kalender, nachdem fiel in diesem Jahr der Ostersonntag auf den 8. April.

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12 Lesermeinungen zu Falsche Nachrichten aus der Martin-Luther-Kirche Dresden
Gert Flessing schreibt:
17. April 2018, 7:01

Als ich noch Religion gab, habe ich mir mein Unterrichtsmaterial oft selbst gestaltet.
Das hatte seinen Grund zum einen in den Lehrbüchern, die mir oft nicht gefallen haben und von denen es ebenso oft keine Klassensätze gab.
Aber wenn man eine Klasse von der fünften bis zur zehnten begleitet, kann man vieles tun.
So habe ich biblische Geschichten in den unteren Klassen mit dem Kirchenjahr verbunden. Dann war mir der "Baum der Kirchen" wichtig und natürlich die "Bekennende Kirche".
Selbstredend habe ich die Weltreligionen von den siebenten Klasse an, besprochen.
Also meine Schüler kannten, wenn sie zugehört hatten schon, das es in Äthiopien eine Kirche und zwar seit langer Zeit schon, gab.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
17. April 2018, 8:36

Lieberr Gert, so wie Deiner sollte evangelischer Religionsunterricht ja auch sein. Viele sehen das heute leider anders. Offenbar gibt es aber (nocj) eine relativ große Bandreite an Freiheit, was der Lehrende dort macht, wie man an Deinem Beispiel sehen kann!
Gruß Joachim

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