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"Wir sind keine Protestbewegung gegen Bischof Rentzing"

Über 200 Christen bilden in Leipzig das Forum für Gemeinschaft und Theologie - ihnen geht es um mehr
Andreas Roth
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Ein Gegengewicht zu konservativen Strömungen in der sächsischen Landeskirche wollen über 200 Christen bilden, die sich am Sonnabend in der Leipziger Peterskirche zum Forum für Gemeinschaft und Theologie treffen. "Um es klar zu sagen: Wir sind keine Protestbewegung gegen Bischof Rentzing", stellte der Leipziger Pfarrer Christoph Maier als einer der Initiatoren gleich zu Beginn klar. Ihnen geht es um mehr.

"Es geht nicht um Grabenkämpfe zwischon konservativen und liberalen Theologen", sagt der Leipziger Studentenpfarrer Frank Martin in seinem Vortrag. "Die Frontstellung ist vielmehr zwischen Gesprächsfähig und Nicht-Gesprächsfähig. Ich habe das Gefühl, dass einige in der Landeskirche Gott mit Worten zum Bollwerk gegen andere machen wollen - und dazu sagen wir nein." Damit wurde wie auch in anderen Wortmeldungen die kirchlichen Debatten um die Auslegung der Bibel etwa zum Thema Homosexualität kritisiert. 

Auf dem Forum stellten Redner einer konservativen Sicht einen anderen Blick auf die Bibel gegenüber. "Wir als Menschen können nur stammelnd von Gott reden und in unklaren Bildern - wir haben Gott nicht", sagte Pfarrer Frank Martin. Das Forum wolle eine suchende, aufklärende Theologie befördern.

Offenheit forderten die Redner auch im Umgang mit konservativen Christen und ihren Positionen. "Ich stelle mir eine Begegnung mit der Bekenntnisinitiative vor, den gemeinsamen Besuch eines Gottesdienstes, oder einen gemeinsamen Pilgerweg", sagte die Leipziger Theologin Barbara Zeitler.

Doch auch sehr konkrete Forderungen wurden erhoben. "Wir setzen darauf, dass die Synode eine Agende für die Trauung gleichgeschlechtlich Liebender beschließen wird", sagte Pfarrer Christoph Maier. Das hatte der Landesbischof in einem Interview gerade abgelehnt.

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54 Lesermeinungen zu "Wir sind keine Protestbewegung gegen Bischof Rentzing"
Gert Flessing schreibt:
31. August 2016, 14:49

Zu Fuchs: Ein Argument in der Sache wäre vermutlich zu viel verlangt.
Gert Flessing

Johannes schreibt:
01. September 2016, 19:39

Da vermute ich doch mal, dass es "narzisstisch" heißen sollte. Dann wäre die Unterstellung wenigstens verständlich...

manuel schreibt:
29. August 2016, 18:25

Ein Pendant zur SBI war nur eine Frage der Zeit. Und dass nunmehr zwei sagen, sie hätten Gott an ihrer Seite - und der jeweils andere würde ihn missbrauchen (in diesem Falle - "ihn zu einem Bollwerk machen") - war auch zu erwarten. Zwar sagen nun Leute vom Forum, dass auch sie "nur stammelnd" von Gott reden können und sie "Gott nicht haben". Das hindert sie aber nicht daran, die anderen wohl für gesprächsunfähig und sich selbst offenbar für gesprächsfähig zu halten. Kein gemeinsames Verständnis mehr vom Wort Gottes zu haben ist wohl auf die Dauer doch kirchenspaltend und nicht auszuhalten.
Eine suchende Theologie müsste irgendwo auch erkennen lassen, dass sie tatsächlich sucht. Wenn sie freilich zugleich aufklärend sein soll, dann wird die "Suche" zu einem recht hohlen Begriff. Denn offenbar hat man ganz klare Vorstellungen davon, was man zu finden beabsichtigt.

Günter Schreiber schreibt:
29. August 2016, 21:28

"Es steht geschrieben...". Seit Luther und Gutenberg kann es jeder lesen. "Sollte Gott gesagt haben...? steht dem entgegen. Es war und ist die Stimme der Versuchung und Verwässerung. Die Bibel ist doch Grundlage des Glaubens und der Kirche - oder gibts da Diskussionsbedarf? Vielleicht muß man so lange diskutieren, bis da was anderes steht? Besonders traurig macht mich, dass angesichts leerer Kirchen, fehlender Pfarrer.... Initiativen in die Nachrichten (MDR) kommen, die spalten nicht bauen - zumiindest kann ich keinen Gemeindeaufbau darin erkennen

Thomas aus Leipzig schreibt:
29. August 2016, 22:45

Guten Abend,
soweit ich mich erinnere, ist Pfarrer Rentzing in einem sehr langen Ausscheid und mit einer Stimmer Mehrheit zum Landesbischof gewählt worden. Ein denkbar knappes und spektakuläres Ergebnis!
Der Bohl, ein Grüner, hatte vorher das Anstellungsgesetz für Pfarrer ändern lassen, die Sünde durfte ins Pfarrhaus einziehen! Bohl und Bedford-dingsda haben auch noch ein weltliches Parteibuch. Steht nicht schon in der Bibel, du kannst nicht Diener zweier Herren sein?
Teile der Angestellten verweigern dem Landesbischof die Gefolgschaft - das ist sehr interessant!
Als die Sünde ins Pfarrhaus einziehen durfte, bin ich ausgetreten. Ich wollte dies Lästerung nicht auch noch finanziell unterstützen!
Bin ich dann Rentner und es gibt nur noch ein bescheidenes Kirchgeld, dann trete ich wieder ein. Die Damen und Herren SpalterIn dürfen sich dann auf ein paar schöne Stunden freuen!
Insofern finde ich die Basisdemokratien in Leipzig super! Da werde ich dann die Genderstelle zerlegen.
Liebe Spalter aus Leipzig, ich beneide Euch nicht!
Herzlichst
Thomas aus Leipzig

Gerd schreibt:
30. August 2016, 22:35

200 beherzte Christen, die vehement für die Minderheit von 1,75 % der Partnerschaften eintreten, bei denen die Partner gleichgeschlechtlich sind und die sich eine Agenda für einen Segnungsgottesdienst wünschen - da freue ich mich schon drauf, wenn sich dieses Potenzial entlädt und für den Schutz der Minderheit von ca. 12 % der Kinder im Mutterleib eintritt, die vor der Geburt getötet werden und bei denen es tatsächlich ums Leben geht.

Britta schreibt:
31. August 2016, 15:29

Lieber Gerd,
die massenhafte Tötung ungeborenen Lebens, offiziell jedes 7. inoffiziell jedes 4. Kind im Mutterleib ist ein Thema, wo man glauben sollte, daß sich echte Christen dessen vorrangig annehmen. Leider wird ja mittlerweile sogar der Marsch für das Leben von der Kirche Berlin-Brandenburg- schlesische Oberlausitz boykottiert. Und so hat man eben wirklich den Eindruck, es zählt nicht Gottes Wort sondern alles andere!
Viele Grüße
Britta

René I. schreibt:
01. September 2016, 10:43

Bei dieser Diskussion bringt es niemanden weiter, wenn Gerd oder Thomas versuchen das Thema unter die Decke zu kehren in dem einfach nicht zu vergleichende, verschiedene Bereiche miteinander verglichen werden und so ein gewünschter anderer sozialer, politischer Missstand an Dringlichkeit gewinnt auf Kosten des hier diskutierten Themengebietes. Das Evangelium ist für alle da, für jeden einzelnen Christenmenschen, auch den homosexuell empfindenden Christen. Menschen die homosexuell empfinden und deren Glauben entwürdigt wird, weil eben eine kollektive Meinung in der Kirche vorherrscht, die als besonders bibeltreu und unumstößlich verkauft wird, werden als Menschen 2.Klasse angesehen, als besonders teuflisch durchdrungen. In den Gemeinden herrscht immer noch große Angst vor diesem Thema, deshalb diese Argumente des "unter den Teppich kehrens".
Es kann nicht angehen, dass sich hier Leute aufspielen und auf die konkrete Forderung nach Akzeptanz anderer Lebensformen in der Kirche mit einer moralischen Klasseneinteilung reagieren und sich so präsentieren als wenn sie ihrer Pflicht zur Nächstenliebe im maximalen, ausgereizten Rahmen nachgekommen wären. Einige Beispiele um dies zu verdeutlichen : nicht Trauung gleichgeschlechtlicher Paare, sondern Segnung, nicht Segnung sondern seelsorgerliche Begleitung, die Veranlagung ist ok, das Leben einer h.Beziehung ist nicht ok, Gemeindemitarbeit ja Verkündigung nein etc.... . Um eine Analogie zu gebrauchen, es gäbe durchaus Krankheiten, die heute geheilt werden könnten. Tatsächlich produzieren Pharmafirmen nur Medikamente, die Krankheiten "in Schach" halten.
Aus Sicht der vielen, ich nenne sie "Fundamentalisten", geht es hier letztlich um eine Machtfrage, um eine Vormachtstellung hinsichtlich der Meinungsbildung, der Ansichten was biblisch bzw. unbiblisch ist. Dem System Kirche ist daran gelegen so wenig Mitglieder wie nur möglich zu verlieren, sind die "Fundamentalisten" in der Überzahl kann nur deren Gesinnung wegweisend sein. Die biblische Wahrheit wird somit in Relation zum Nutzen einer Ideologie, eines System instrumentalisiert. Das
Spannungsfeld liegt für mich zwischen 3 Polen 1. die biblisch instrumentalisierte Wahrheit/Dogmen/Glaube 2. die wissenschaftliche Theologie/ Wissenschaft allgemein 3. gesellschaftlicher Wandel/-Gegebenheiten .
Man könnte sich so folgende Fragen stellen: Was sind gesicherte Wahrheiten ? Welche gesellschaftliche Bedeutung haben diese Wahrheiten und wie kann eine Kirche diese Wahrheiten aufgreifen und interpretieren, um gesellschaftsrelevante Antworten geben zu können. Gelingt dies nicht und diese oben genannten Pole werden nicht als unbedingt zu reflektierende Felder betrachtet, verliert sich so eine Kirche in der Bedeutungslosigkeit. Die kirchliche Pflicht zur Einladung aller Menschen aus einer pluralistischen Gesellschaft sowie der Ruf in die Gesellschaft hinein kann ohne ein konstruktiv, reflektierendes Handeln nicht funktionieren. Um ein weiteres Beispiel zu nennen, bei dem dieses Spannungsfeld nicht beachtet wird, ist die gegenwärtige "Flüchtlingsproblematik" und deren Religion. Der Islam ist bereits gesellschaftliche Realität. Da ich gern hin und wieder christlich fundamentalistische Internetseiten lese, erkenne ich dort immer wiederkehrende Denkmuster; Ablehnung des Fremden, ignorieren gesellschaftlicher Realität, errichten von Bollwerken aus Argumenten, hochstilisieren des Fremden als Bedrohung für das eigene System, geschicktes transportieren des Denkens in alle Bereiche des bereits sich selbst erhaltenen Systems. Es werden einfache Antworten anstelle von differenzierten Fragen gegeben. Wenn ein System von außen nicht mehr durchlässig ist, sich selbst genügt, Antwort und Regeln vorgibt, kann dies keine Kirche im ursprünglichen Sinn mehr sein. Vielmehr entwickelt sich daraus eine Sondergemeinschaft, in der Ideologie vor dem Individuum blind durchgesetzt wird. Vertrauen wird durch Kontrolle ersetzt. Ganz praktisch sieht das bei manchen Verbänden (möchte hier keine Vereine nennen) so aus, dass es ein Papier gibt, dass die Regeln im Umgang mit Fremden klar vorgibt gibt und letztlich klare Ziele formuliert nach denen Gemeindeglieder zu handeln haben.
Dies erklärt auch, warum es einen Graben gibt bei der eine Seite gesprächsfähig ist und bleibt (s. Spannungsfelder) und die andere Seite nicht gesprächsfähig, fast starr wirkt, was nach außen befremdlich wirkt, für diese Leute jedoch etwas Kämpferisches darstellt. "beharrlich im Glauben bleiben, trotz Anfechtung".
Ohne anmerkend Rückschlüsse zu ziehen erschreckt es mich, dass nur von 200 Christen die Rede ist, die das Forum in Leipzig gründeten.

Gerd schreibt:
02. September 2016, 22:22

Hallo René - du wirfst mir vor, das Thema zu wechseln und bemühst dann selbst die Themen "Flüchtlinge" und "Islam".
Das scheint mir bezeichnend für die gesamte "Diskussion" - was "ihr" für "euch" ganz selbsverständlich in Anspruch nehmt, erklärt "ihr" bei anderen zum Tabu.
Das "ihr" und "euch" habe deshalb in Striche gesetzt, weil ich trotz allen glaube, dass es zwischen denen, die das Erlösungswerk Jesu Christi bejahen, nur ein "wir" gibt.

Thomas aus Leipzig schreibt:
13. September 2016, 22:23

Guten Abend Herr I.,
es ist zeitlich schon etwas spät, aber vielleicht lesen Sie meine Zeilen ja doch noch.
Sie schrieben: "Das Evangelium ist für alle da, für jeden einzelnen Christenmenschen, auch den homosexuell empfindenden Christen. Menschen die homosexuell empfinden und deren Glauben entwürdigt wird, weil eben eine kollektive Meinung in der Kirche vorherrscht, die als besonders bibeltreu und unumstößlich verkauft wird, werden als Menschen 2.Klasse angesehen, als besonders teuflisch durchdrungen."
Ich antworte Ihnen: Die Bibel ist für alle da. Die persönlichen Befindlichkeiten stehen da zurück, oder anders, es ist dabei egal ob sie schwarz, weiß oder grün sind. Wenn Sie der Auffassung sind, ein homosexueller Mensch würde in seinem Glauben entwürdigt, dann kann ich Ihnen leider nicht helfen.
Ich persönlich habe bisher die Erfahrung gemacht, Menschen die Toleranz einfordern sind nicht bereit Toleranz zu üben. Und genau deshalb "keile" ich.
Gehen wir einmal davon aus, die Bibel ist das Fundament der Christen und des christlichen Glaubens. Dabei ist es egal, ob die Bibel Gottes Wort ist, oder ob Gott zu uns in der Bibel spricht, sofern wir die Bibel als das Fundament betrachten, sind wir alle "Fundamentalisten".
Wir finden in diesem Buch der Bücher folgenden Hinweis: "Du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Gemüte; das ist das größte und erste Gebot." Die Bibelkundigen werden wissen, wo das steht.
Wie kann ich nun meinen Gott lieben? Doch wohl an erster Stelle dadurch, daß ich mir seine Lehren und Hinweise, schlicht seine Erziehung, zu eigen mache. Dies ist sicher leichter gedacht, als getan.
Und wir finden schon in den Büchern Mose, also im AT, zahlreiche Hinweise, was dem Herrn, dem Gott, nicht gefällt, ein Greul, ist.
Wir sehen also, das merkwürdige sexuelle Verhalten ist so alt, wie die Menschheit selbst. Neu ist, die Forderung nach breiter Akzeptanz.
Das Gesetz der Amtskirche sieht vor, der Kirchenvorstand soll über die Anstellung eines schwulen Pfarrers oder Pfarrerin entscheiden. Wie unchristlich, wie zeitgeistlich ist doch diese Delegierung von Verantwortung. Wenn ein Vorsteher seinen Herrn und Vater, also Gott, liebt, dann muß er zwangsläufig gegen diese Anstellung entscheiden. Damit wird diese Entscheidung zum Politikum, und so wird die Kirche gespalten, weil Menschen, deren Lebensweise Gott ein Greul ist, Sonderechte beanspruchen.
Damit soll es erst einmal genügen. Ich erwarte von Ihnen Toleranz für die Menschen, die Homosexualität als Sünde und Schweinskram empfinden! Ohne diese Toleranz kann es nicht weitergehen.
Herzliche Grüße aus Leipzig
von
Thomas aus Leipzig

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Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.

(Lukas 11,28)

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