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Die Kirche wird älter

Demografischer Wandel: Immer mehr Ältere, immer weniger Junge – auch Sachsens Kirchgemeinden werden sich verändern. Der Sonntag sucht in einer Serie nach Antworten.
Andreas Roth
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Manchmal muss man zuerst von Zahlen sprechen, wenn man über Menschen sprechen will. In Sachsen sehen sie so aus: Sind heute 25 Prozent der Einwohner im Freistaat älter als 64 Jahre, wächst ihr Anteil bis zum Jahr 2030 auf über 31 Prozent, so die Landesregierung. Für die evangelische Kirche wird dieser Wandel noch gravierender. Schon heute sind ein Drittel ihrer Mitglieder in Sachsen älter als 64.

Ihr Anteil in den Kirchgemeinden wird noch deutlich steigen. Es wird weniger Kinder, Jugendliche und Menschen im Arbeitsleben geben in den Gemeinden. Und viel mehr Senioren. Ganz besonders in stark schrumpfenden Regionen wie dem Erzgebirge, der Lausitz und Nordsachsen.

Für viele Kirchgemeinden werden sich früher oder später ganz konkrete Fragen stellen: Was tun, wenn kaum noch Kinder und Jugendliche da sind,   dafür viele junge Senioren mit unterschiedlichen Interessen und Lust auf Engagement? Wenn immer mehr Gemeindeglieder kaum noch aus dem Haus kommen, und trotzdem an ihrer Kirche Anteil nehmen wollen? Wenn die Jüngeren wegziehen, die Alten einsam auf dem Land zurückbleiben und ganz praktische Hilfe benötigen? Vom sich weiter verschärfenden finanziellen Druck bei der Pflege, unter dem auch die Diakonie leidet, noch gar nicht zu sprechen.

Alle Signale kündigen diese Entwicklung an. Stellt sich die sächsische Landeskirche auf sie ein? In einem Konzeptpapier des Landeskirchenamtes über die Folgen des demografischen Wandels für die Kirche auf dem Land ist viel von Gemeindestrukturen und Personalstellen die Rede – aber nichts über die wachsende Zahl der Senioren. Und eine Arbeitsgruppe der Kirchenleitung zur Zukunft der kirchlichen Berufsbilder schrieb in einem Zwischenbericht 2013 ausdrücklich fest, dass zu den Kernaufgaben von Gemeindepädagogen nur die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gehört – und nicht mit Älteren.

»Die traditionelle Seniorenarbeit mit vielen Kreisen und in Gottesdien-sten läuft gut und vermittelt den Eindruck: Die Alten sind doch da, also brauchen wir nichts neu zu machen«, sagt Sabine Schmerschneider, die in der Evangelischen Erwachsenenbildung Sachsen für Seniorenarbeit in der Landeskirche zuständig ist. »Oder es wird unreflektiert beklagt, dass bei einer Veranstaltung wieder nur die Alten dagewesen waren und die Jüngeren nicht erreicht wurden. Da wird das Schöne nicht gesehen, das Ältere einbringen können – und was sie von Kirche erwarten.«

Nur sechs hauptberufliche Seelsorger gibt es derzeit in der Landeskirche, die sich ganz speziell und oft im Rahmen der Diakonie um Menschen in Pflegeheimen kümmern. »Altenseelsorge ist immer schon ein klassisches Feld der Gemeindearbeit gewesen und soll dort auch verortet bleiben«, sagt der Seelsorgereferent der Landeskirche, Oberkirchenrat Frank del Chin. Der Landeskirche fehle auch das Geld, um wie in Krankenhäusern auch in den Pflegeheimen Seelsorger zu beschäftigen.

»Die Besuche in den Pflegeheimen können Hauptamtliche gar nicht leisten«, sagt Frank del Chin. »Wir müssen deshalb Pfarrer und vor allem auch Ehrenamtliche in den Kirchgemeinden stärken.« Angebote dafür macht die Landeskirche bereits. Doch nur ein Viertel der sächsischen Gemeinden hat einen Besuchsdienst für Menschen, die nicht aus ihrem Haus kommen, schätzt Sabine Schmerschneider.

Der demografische Wandel kommt mit Ansage. Er wächst von unten – und von unten werden wohl auch die tragfähigsten Antworten auf ihn wachsen. Einige gibt es schon auch in der sächsischen Landeskirche. Der Sonntag wird sie in einer Serie in den kommenden Monaten vorstellen.

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