11

"Das Kleinerwerden der Kirche ist ein Kreuz, das uns aufgebürdet ist"

Landesbischof Carsten Rentzing spricht vor der Synode über Sparkonzepte und die Debatte um homosexuelle Partnerschaften
Andreas Roth
  • Artikel empfehlen:
Die sächsische Landessynode tagt in der Dresdner Dreikönigskirche.

In seinem Bericht vor der sächsischen Synode hat Landesbischof Carsten Rentzing das Zukunftspapier der Kirchenleitung verteidigt, das von einem Rückgang von Mitgliedern und Personal um 40 Prozent bis 2040 ausgeht. "Das Kleinerwerden der Kirche ist ein Kreuz, das uns aufgebürdet ist", sagte er. Das Papier wolle darauf langfristig tragende und realistische Antworten geben, erwidert er Kritikern. Zugleich betonte der Landesbischof: Die mit den Kürzungen verbundenen Schmerzen "klein zu reden, wäre verantwortungslos".

Rentzing sieht dennoch keinen Grund, pessimistisch zu sein. "Bei allen Problemen liegen in dieser Kirche herrliche Potenziale, die sich aus der Segenskraft des Auferstandenen speisen. Vor dem Strudel der Negativität sollten wir uns tunlichst hüten. Denn in unserer Mitte ist und bleibt der auferstandene Christus präsent."

Der Moritzburger Professor Thomas Knittel, Vorsitzender des Theologischen Ausschusses der Synode, fragte zu diesem Punkt kritisch nach: "In dem Bericht geht es zu schnell um die Hoffnung und das Positive. Wir sollten auch der Klage Raum geben und der Frage: Hat Gott uns verlassen? Warum ist er so verborgen?"

Auch die nicht weniger umstrittene Entscheidung der Kirchenleitung zur Segnung homosexueller Paare verteidigte Landesbischof Rentzing. "Ich kann und ich werde selbst weder zu öffentlichen Segnungen raten noch sie selbst durchführen. Was ich aber kann, das tue ich. Ich gebe die Gewissen der Schwestern und Brüder frei, die an dieser Stelle zu einer anderen Überzeugung gelangt sind. Ich kann dies, weil ich darauf vertraue, dass jede Entscheidung von eben diesem Ernst der Realpräsenz Christi getragen wird. Sollte ich mich irren in meinem Verständnis des Wortes, weiß ich, dass ich mit diesem Irrtum meinem Richter begegne."

Diese offene Haltung, die Befürwortung und Ablehnung der Segnung homosexueller Paare in Sachsens Landeskirche zulässt, kritisierte der Markersbacher Pfarrer Gaston Nogrady in der Synode. "Wenn in unserer Kirche konträre Schriftverständnisse auf Dauer nebeneinander stehen können, zerreißt uns das. Ich warne davor, diesen Weg weiter zu gehen", sagte der Sprecher der Sächsischen Bekenntnisinitiative.

Landesbischof Carsten Rentzing hatte eine andere Warnung in seinem Bericht: "Bei aller Ernsthaftigkeit der Debatten dürfen wir niemals vergessen, in unserem Gegenüber den Bruder und die Schwester im Glauben zu erkennen. Wo nicht real erkennbar wird, dass die Liebe zu den Geschwistern uns antreibt, kann auch die Wahrheit Christi nicht ernsthaft für sich in Anspruch genommen werden."

Diskutieren Sie mit

11 Lesermeinungen zu "Das Kleinerwerden der Kirche ist ein Kreuz, das uns aufgebürdet ist"
Beobachter schreibt:
12. November 2016, 16:31

1. Nimmt der Mann sehr klar perönlich öffentlich Stellung und steht dazu!
2. Er ermahnt in seiner "bischöflichen" Verantwortung und Beauftragung:
„Sollte ich mich irren in meinem Verständnis des Wortes, weiß ich, dass ich mit diesem Irrtum meinem Richter begegne. Ich bin demütig genug, auch damit zu rechnen. Und ich erwarte das auch von allen a n d e r e n Beteiligten.“ (Der letzte Satz fehltnatürlich bei Ihnen bezeichnender Weise!)
3. Dank an Herrn Pfarrer Gaston Nogrady für seine Warnung. Es gibt ja bekannter Weise Leute (z.B Mayer!) die mit den Hufen weiter scharren, damit die jetzige Lösung nur noch für ein "Zeitfenster" gelten soll!

Johannes schreibt:
13. November 2016, 0:19

Wie schön wäre es, wenn man in den Kommentaren im Sonntag und G+H erkennen würde, dass dieses Bischofswort gilt: "Bei aller Ernsthaftigkeit der Debatten dürfen wir niemals vergessen, in unserem Gegenüber den Bruder und die Schwester im Glauben zu erkennen. Wo nicht real erkennbar wird, dass die Liebe zu den Geschwistern uns antreibt, kann auch die Wahrheit Christi nicht ernsthaft für sich in Anspruch genommen werden."

Johannes Lehnert

Beobachter schreibt:
13. November 2016, 8:49

"Wo nicht real erkennbar wird, dass die Liebe zu den Geschwistern uns antreibt," bedeutet doch (auch), daß man sie ins Verderben=ewige Verdammnis rennen läßt!
Darum sagt Rentzig doch ganz klar:
"weiß ich, dass ich mit diesem Irrtum meinem Richter begegne. Ich bin demütig genug, auch damit zu rechnen. Und ich erwarte das auch von allen a n d e r e n Beteiligten.“

Gert Flessing schreibt:
14. November 2016, 6:47

Lieber Joachim,
der Bischof spricht von Gott, als seinem Richter. Er spricht nicht von denen, die meinen Gottes Werk zu tun, in dem sie sich selbst zu Richtern und Sittenwächtern aufspielen.
Wer immer meint, genau zu wissen, welche Intentionen Gott hat, nur, weil er des Schreibens und Lesens fähig ist, kann auch falsch liegen.
Ich jedenfalls würde mich hüten, über Menschen den Stab zu brechen und ihnen die Gnade und Liebe Gottes abzusprechen, nur, weil ich ihre Vorstellungen von Leben und Lieben, nicht teile.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
14. November 2016, 8:38

Lieber Gert,
ja, der Bischof spricht von Gott als seinem Richter! Er spricht aber auch von denen, die meinen Gottes Wort verdrehen, "anpassen",... zu können, um unbiblischen und ungöttlichen Lebenswandel zu rechtfertigen und "segnen" zu können!
"weiß ich, dass ich mit diesem Irrtum meinem Richter begegne. Ich bin demütig genug, auch damit zu rechnen. Und ich erwarte das auch von allen a n d e r e n Beteiligten.“
Gruß Joachim

Johannes schreibt:
14. November 2016, 12:52

Lieber Herr Flessing,

haben Sie vielleicht den Text des Berichtes? Mit wäre geholfen, wenn ich wüsste, woher Herr Gelbe-Haußen dies aus dem Bericht weiß:
"Er spricht aber auch von denen, die meinen Gottes Wort verdrehen, "anpassen",... zu können, um unbiblischen und ungöttlichen Lebenswandel zu rechtfertigen und "segnen" zu können!"

Mit freundlichem Gruß
Johannes Lehnert

Beobachter schreibt:
14. November 2016, 16:20

+++ Der Kommentar wurde von der Redaktion gelöscht. Bitte halten Sie sich an unsere Nutzungsbedingungen. +++

Beobachter schreibt:
14. November 2016, 17:32

Nun also die Nutzungsbedingungversion:
Der Bericht ist überall, zumindest auszugsweise zu lesen, insbesondere für einen, der gut Beziehungen nach "oben" hat.
Trotzdem hier nochmal der betreffende Auszug:
"weiß ich, dass ich mit diesem Irrtum meinem Richter begegne. Ich bin demütig genug, auch damit zu rechnen. Und ich erwarte das auch von allen a n d e r e n Beteiligten."
Wen mag er wohl mit den A n d e r e n , die sich auch einmal mit ihren unbiblischen "Irrtümern" vor ihrem Richter verantworten müssen, meinen?

Johannes schreibt:
14. November 2016, 22:10

Ach so, das
"Er spricht aber auch von denen, die meinen Gottes Wort verdrehen, "anpassen",... zu können, um unbiblischen und ungöttlichen Lebenswandel zu rechtfertigen und "segnen" zu können!"
war kein Zitat, sondern die Belehrung für uns, was denn der Landesbischof mit "anderen Beteiligten" gemeint haben muss. Hatten wir das nicht gerade, dass z. B. einer vorweg weiß, wen der HErr schon dahingegeben hat? Wie gut, dass uns einer hilft, den Bischof und den HErrn zu verstehen!

Beobachter schreibt:
15. November 2016, 8:53

Frage, was soll Rentzing denn sonst wohl gemeint haben?
Nein, er spricht schon Klartext, man muß ihm nur zuhören (wollen)!

+++ Teile des Kommentars wurden von der Redaktion gelöscht. Bitte halten Sie sich an unsere Nutzungsbedingungen. Bei wiederholtem Verstoß ist eine vorübergehende Sperrung der Kommentarfunktion möglich. +++

Seiten

Folgen Sie Sonntag Sachsen:

Aktuelle Veranstaltungen
  • , – Chemnitz
  • Friedensgebet
  • Ev.-Luth. St.-Petri-Kirche
  • , – Dresden
  • Wort und Orgelklang
  • Frauenkirche
  • , – Leipzig
  • Seniorenkreis
  • Offener Seniorentreff im Seniorenbüro Südwest
Audio-Podcast

Der Twitter-Sonntagticker
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Rentzings Rücktritt angenommen - Neuwahlen für nächsten Landesbischof am 29. Februar und 1. März 2020… https://t.co/jy3zEjwOuG
heute
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Aufruf zu #Frieden und #Versöhnung: die früheren sächsischen Bischöfe Volker Kreß und Jochen Bohl sorgen sich um di… https://t.co/1QpuINozrp
heute
Sonntag Sachsen @sonntagticker
»... als Pfarrer und Landesbischof unserer Landeskirche ist Dr. Rentzing mit klaren konservativen Positionen aufget… https://t.co/nPjLzJFKYg
vor 8 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
RT @evlks: Das Kollegium des Landeskirchenamtes bittet die Kirchgemeinden am heutigen Sonntag um eine Abkündigung zur Situation unserer Lan…
vor 9 Tagen