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Gott ist kein Lückenbüßer – er will uns radikal

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Psalm 98, Vers 1
Marcel Schneider
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Marcel Schneider ist Mitarbeiter der Diakonie-Stadtmission Dresden. © Foto: privat

Not lehrt beten. Diese alte Weisheit meint doch im Kern: In einer Krisensituation besinne ich mich meiner religiösen Wurzeln. Ich wende mich an mein transzendentes Gegenüber, das wir Gott nennen. Ich erwarte Hilfe von ihm. Damit wird aber Gott zu einem Lückenbüßer, der wie ein Automat zu funktionieren hat.

In meiner Not hat Gott für mich da zu sein, aber wann bin ich für ihn da? Der aufgeklärte und autonome Mensch von heute findet doch Antworten auf alle seine Fragen bei Wikipedia. Für jeden Schmerz gibt es eine Pille. Für jeden Fleck auf der Erde ein Bild. Braucht man da überhaupt noch Gott? Wenn es mir gut geht, darf er natürlich bei mir sein. Aber bitte schön nur angenehm und lieb säuseln. Dabei ist Gott der ganz Andere. Gott ist der uns radikal fordert. Der uns anspricht und uns aus unserem Dasein herausreißen will. Gott ist unverfügbar und handelt ganz anders, als wir uns das vorstellen.

Gottes Wort erkennen wir daran, dass es uns quer und unangenehm erscheint. Wo Gottes Wort bei uns Widerstand hervorruft, erkennen wir seine reinste Lehre. Gott will dich und dein ganzes Herz. Er ist der mächtige Herr der Welt, dem allein Lob und Ehre gebührt.

Für mich persönlich habe ich herausgefunden, dass es nicht Gottes Willen entspricht, sonntags in den Gottesdienst zu gehen und das innerlich als Pflichtveranstaltung abzuhaken, nur um den Rest der Woche wieder so zu leben, als gäbe es Gott nicht. Gott will uns radikal, das heißt, bis zu unserer eigenen Wurzel hinein.

Der Glaube an Gott ist nicht wie die Mitgliedschaft in einem Verein, sondern eine Hinwendung und Einstellung, die das ganze Leben verändern muss.

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2 Lesermeinungen zu Gott ist kein Lückenbüßer – er will uns radikal
Gert Flessing schreibt:
10. Mai 2017, 21:52

Gott fragt nach uns. Aber Gott ist, obwohl er gewiss auch "der ganz andere" ist und sich verweigern kann, nicht radikal.
Es sei denn man spricht von seiner radikalen Liebe, die ihn ja dahin brachte, das Kreuz auf sich zu nehmen.
Gott reißt uns nirgends heraus. Er begleitet uns in unser Dasein hinein und er führt uns durch sein Wort. Es mag sein, das unsere Wege nicht immer gerade sind. Dennoch geht er mit und er geht mit uns auch Umwege.
Wenn uns Gottes Wort wirklich trifft, ruft es keinen Widerstand hervor, denn es ist das Wort der Liebe. Wer möchte dem widerstehen?
Sein Wort nimmt uns hinein in einen Raum, in dem wir sein dürfen. Wir dürfen da sein in tiefem Vertrauen darauf, das er uns trägt.
Unser Herz? Wir dürfen es ihm schenken und er ist keinesfalls eifersüchtig, wenn wir auch Menschen von Herzen lieben und für sie da sind.
Im Gegenteil, erst darin entfaltet sich unsere Gottesbeziehung wirklich.
Gert Flessing

Ulrike Bedrich schreibt:
11. Mai 2017, 10:08

Das haben Sie jetzt aber wirklich mal sehr schön kommentiert.

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