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Ein Leben für Bach

Der frühere Thomaskantor Georg Christoph Biller legt seine Lebenserinnerungen vor – und gibt überraschende Einblicke
Die Fragen stellte Matthias Caffier
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Als neunjähriger Thomaner stand Georg Christoph Biller erstmals auf der Chorempore von St. Thomas in Leipzig und erfüllte sich damit einen Traum. Fünfzig Jahre später musste er sich schweren Herzens von seiner Hauptwirkungsstätte trennen. Dazwischen lagen erfüllte, aber ungemein fordernde Jahre, zuerst als Thomaner, später als Solist und seit 1992 als 16. Thomaskantor nach Johann Sebastian Bach. Über diese Jahre hat Biller nun unter dem Titel »Die Jungs vom hohen C. Erinnerungen eines Thomaskantors« seine Erinnerungen zusammengefasst, assistiert und aufgeschrieben von Thomas Bickelhaupt.

Gegliedert ist das gut lesbare Buch in drei Hauptabschnitte: Es beginnt mit den ersten, behüteten Kinderjahren im Pfarrhaus zu Nebra und führt bis zum Eintritt in den »Kasten« – dem Synonym für das Thomasalumnat. Im Nachhinein empfindet Biller es als »Glücksfall, dass ich dort groß geworden bin«.

Der zweite Abschnitt schildert die Zeitspanne zwischen Abitur, Studium, den Jahren als Dirigent und Gesangssolist. Das dritte Kapitel widmet sich dann dem Amtsantritt als Thomaskantor. Und hier weiß Georg Christoph Biller Substantielles zu sagen; beispielsweise über sein Verhältnis zu Bach, dessen Werk er als ständige »Herausforderung für Chorarbeit nach höchsten Maßstäben« definiert und praktiziert. Spannend liest sich der Abschnitt über die Neuausrichtung des Chores nach seiner Amtsübernahme von Hans-Joachim Rotzsch, den er als »aalglatt« charakterisiert. Freimütig berichtet er über die latenten Probleme des Chores, genauso wie über seinen Kampf für den Bildungscampus »forum thomanum«, seine langanhaltende Krankheit, wegen der er schließlich sein Amt aufgab sowie seine Tätigkeit als Komponist, die er bis heute fortsetzt. Im letzten Abschnitt dieses Kapitels resümiert er seine Kantoren-Jahre als »ein hartes Stück Arbeit, aber auch verbunden mit schönen Erfolgen«. Er schreibt weiter: »Mir hat dieses Engagement viel bedeutet, aber auch viel abverlangt. Als Resümee bleibt eine Vielzahl von beglückenden Momenten, die im Rückblick eindeutig überwiegen.«

Freunde und Konzertbesucher des Thomanerchores mögen die hier geschilderten Erlebnisse zum Teil anders wahrgenommen haben oder anders bewerten. Das ist jedermanns Recht. Man sollte aber respektieren, dass es sich hier um die persönlichen Erinnerungen und Betrachtungen des 16. Thomaskantors handelt, unverstellt und sympathisch, wenn auch stilistisch nicht immer auf höchstem Niveau.

Gerahmt werden diese Erinnerungen durch ein kollegiales Geleitwort von Billers Nachfolger im Amt, Gotthold Schwarz, einem kurzen, einprägsamen Kapitel von Thomas Bickelhaupt über den »Alltag im Thomas-Alumnat in der Chorknabenzeit von Georg Christoph Biller« sowie einer Liste mit Billers Kompositionen. Alles in allem ein authentischer Beitrag zur jüngeren Geschichte der Thomana.

Georg Christoph Biller_ Die Jungs vom hohen C. Erinnerungen eines Thomaskantors. Mitteldeutscher Verlag 207, 160 S., 12 Euro.

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