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Schwer geprüft und viel bewirkt

Zum Tod des Theologen, Pfarrers und früheren Leiters der Evangelischen Verlagsanstalt Siegfried Bräuer, der 87-jährig verstarb
Von Jürgen Ziemer
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Siegfried Bräuer (1930 2018) © Foto: privat

Gern wäre er noch einmal nach Oberneuschönberg zurückgekehrt, wo er 1930 als ältester Sohn einer Handwerkerfamilie geboren wurde. Doch dazu reichten die Kräfte nicht mehr. Am 19. März ist Siegfried Bräuer nach langer schwerer Krankheit im bergenden Raum des Friederike-Fliedner-Hospizes in Berlin gestorben. Viele Weggefährten aus den verschiedenen Phasen seines Lebens und Wirkens hatten in den Wochen zuvor noch einmal den Kontakt zu ihm gesucht.

Seine Heimat war das Erzgebirge. Von dort kamen wohl seine in der Tiefe gegründete, unaufdringliche Frömmigkeit und seine Leidenschaft für Menschen. Es bedurfte dann allerdings noch der kräftigen Ermutigung eines befreundeten Pfarrers, um sich für ein Theologiestudium zu entscheiden. Als Student in Leipzig sammelte er einen Kreis junger Leute um sich, die nach geistiger Nahrung hungerten und im Umbruch der Zeiten Orientierung suchten. Hier lernte er auch seine Frau Karin kennen, mit der er im gleichen Semester studierte. Sie war als Gefährtin seines Lebens stets eine unersetzliche Stütze in allen seinen praktischen und wissenschaftlichen Tätigkeiten. Von ihren beiden Kindern war eines schwerstbehindert und starb 14-jährig nach hingebungsvoller Pflege. Das hat bis ins Alter hinein tiefe Spuren gezeichnet.

Ende der fünfziger Jahre wurde Bräuer Pfarrer im Leipziger Osten. Mit viel Energie und heißer Liebe widmete er sich der Gemeinde. Jugend- und Familienarbeit standen für ihn und seine Frau besonders im Blickpunkt, und er wurde nicht müde, seine Aufmerksamkeit besonders denen zuzuwenden, die am Rande standen. Im »Anger« begann Bräuer, Gottesdienste in ungewohnter Form zu feiern: mit Band und in einer neuen Sprache.

1972 berief ihn das Landeskirchenamt zum Direktor des Pastoralkollegs in Krummenhennersdorf. Hier konnte Bräuer von seiner Gemeindeerfahrung ausgehend neue Formen des Lernens und der Kommunikation praktizieren. Gesamtkirchlich engagierte er sich unter anderem in der Synode und bei der Kirchentags-Kongressarbeit sowie auf verschiedenen Ebenen des Kirchenbundes. 1980 wurde Siegfried Bräuer dann Theologischer Leiter der Evangelischen Verlagsanstalt in Berlin. Das war in der Zeit vor und während der »Wende« ein kulturpolitisch besonders herausfordernder Aufgabenbereich.

Einen Schwerpunkt seiner Lebensarbeit stellen seine reformations- und zeitgeschichtlichen Forschungen dar. Aus der Schule von Franz Lau kommend, widmete er sich der frühen Literaturgeschichte und besonders Werk und Person Thomas Müntzers. In kritischer Auseinandersetzung mit marxistischen Interpretationen hat er diesen wieder als Theologen des Wortes Gottes ins öffentliche Bewusstsein gebracht. Zahlreiche Publikationen geben davon Zeugnis.

Gefragt, wo denn bei all seinen Aktivitäten das innere Zentrum seines Lebens und Wirkens läge, antwortete er spontan: in der Gemeinde. Das war der Ort, wo er hingehörte. So war es ihm eine große Freude, vor einigen Wochen noch einmal in seiner Berliner Nordend-Gemeinde den Gottesdienst mitfeiern zu können. Dort wollen wir auch Abschied von ihm nehmen – dankbar für sein so reiches und erfülltes Leben.

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