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Wer Gott achtet, achtet auch das Leben

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. Jesaja, Vers 6,3
Steffi Stark
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Steffi Stark ist Pfarrerin in Annaberg-Buchholz. © Foto: privat

Großer Gott, wir loben dich … Heilig, Herr der Himmelsheere! In der Hitliste der Kirchenlieder steht dieser Titel ganz oben. »Heilig« – ich stolpere? Was ist mir, was ist uns heilig? »Heilig« sprich »unantastbar«?

Mit Erschrecken stelle ich fest, nichts ist unantastbar. Wir greifen nach allem und jedem. Vor nichts machen wir Halt. Grenzen zählen nicht. Das Telefon klingelt am Sonntag. »Können Sie mir sagen?« Eine Banalität. Kein Notfall. Der Anrufer hat gerade Zeit. Die Arbeitswelt nimmt kaum Rücksicht auf die Privatsphäre. Der andere hat verfügbar zu sein. Zu jeder Zeit. Mühsam lernen wir, dass unser Leben so aus den Fugen gerät. Wenn kein Raum mehr bleibt, der mir gehört und ich nur noch funktionieren muss, dann geht dem Leben die Luft aus.

»Heilig, heilig, heilig …« singen die Engel im Thronsaal Gottes. Schmerzlich spürt Jesaja, der Prophet, die Grenze. Gott bleibt als der Heilige unantastbar. Er ist ihm ganz nah und doch beängstigend fremd.

Doch geradeso begreift Jesaja: Kein Mensch bekommt Gott in den Griff. Um des Lebens willen setzt Gott der Grenzenlosigkeit Grenzen. Deshalb: Wer Gott achtet, achtet das Leben und wer das Leben achtet, achtet Gott.

Das Leben in seiner Verletzlichkeit, Schutzbedürftigkeit und Begrenztheit zu achten, macht menschlich. So atmet es etwas von der Heiligkeit Gottes und es klingt und singt nicht nur im Lied: »Großer Gott, wir loben dich … Heilig, Herr der Himmelsheere! Starker Helfer in der Not! Himmel, Erde, Luft und Meere sind erfüllt von deinem Ruhm; alles ist dein Eigentum.«

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2 Lesermeinungen zu Wer Gott achtet, achtet auch das Leben
Gert Flessing schreibt:
23. Mai 2018, 21:32

"Alles ist sein Eigentum..." Auch die Zeit. Auch meine Zeit. Er hat sie mir gegeben. Ich darf sie nutzen.
Zeit haben. Es gibt Zeit, die gehört ganz mir. Sie ist heilig. Geheiligt, weil Gott sie mir gegeben hat, wie alles andere auch. Aber weil das so ist, nutze ich sie weise.
Ein Telefon kann man abstellen. Nichts ist so dringend, als das ich mich zum Sklaven des Dinges mache.
Wenn ich früher in Urlaub gefahren bin, war ich unerreichbar. Mancher hat das nicht richtig gefunden. Was, wenn die Kirche oder gar das Pfarrhaus abbrennt?!
Meine Antwort war immer, das ich, fern von hier, eh nichts tun kann. Wenn ich zurück bin erfahre ich es zeitig genug.
Wir leben leider in einer Zeit, in der den meisten Menschen die Gelassenheit fehlt.
Gelassenheit hilft uns, sowohl die Heiligkeit des Ewigen recht zu würdigen, als auch das, was er uns schenkt, recht zu leben - inklusive die Zeit.
wo uns das gelingt, da werden wir ein Stück von der Unantastbarkeit Gottes erleben können.
Gert Flessing

Matthias Schollmeyer schreibt:
24. Mai 2018, 8:34

TRINITATIS

Und aus des schweren Vorhangs dunklen Falten
drängt nun der Heidenkrieger zum Altar.
Den Schädel will dem Priester er zerspalten

am letzten Tag des Streites wunderbar.
Da sieht ein Weib noch bei den Stufen knie´n
des Christenheiligtums der Erzbarbar.

Sie klagt ihr Leid, der Gatte musste flieh´n –
den Sohn ein fremdes Heer warb zum Soldaten.
Als Sklavin sah sie ihre Tochter zieh´n,

ward selber Opfer allerschlimmster Taten.
Am Altar bittet nun den Alten sie –
wenn nichts mehr hilft, die Kirche kann noch raten.

Der Weise breitet aus die Alchemie
der frohen Worte, lässt das Heil sich regen.
Nicht dass er rief, nicht dass er schrie –

doch wirbt sein sanftes Reden milden Segen.
Da strebt der Heid herbei, ist nicht mehr fern –
wirft sich mit Macht, dem was er hört, entgegen.

Wie schmetterte sein blankes Beil er gern
dem alten Christen an des Hauptes Stern.

Der aber hob schon an mit gutem Sagen,
und Wort um Wort ertönt in Vollmacht. Schwer
zu Boden sinkt der Feind, als wär geschlagen

von grellem Blitz und Donnerwetter er.
„Der HERR soll segnen dich!“ versteht er Worte.
„Es segne und behüte dich der HERR“,

so tönt der Spruch dort an des Heiles Pforte:
„Ob deiner schweb´ SEIN Antlitz leuchtend rein!“
Dann trifft das Herz als Zentrum aller Orte

ein "Wolle GOTT dir immer gnädig sein,
ER hebe über dich SEIN Angesichte!“
Der Böse ahnt das „Ja“, doch will noch „Nein!“

Bis ihn der Ruf SCHALOM schleift zum Gerichte:
„Beschenken möge ER mit Frieden dich!“
Besiegt erliegt der Fürst der argen Wichte,

der, um zu töten bei dem Altar schlich,
die Waffen fallen ließ aus beiden Händen,
dem Kriege abschwor und ließ taufen sich.

Heut sieht man ihn mit andern Priestern spenden
den Segen Aarons Sachsen, Friesen, Wenden.

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 21 | 27.5.2018 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen

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