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Von Jesus und der Einladung zum Kindergeburtstag

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Lukas 19, Vers 10
Albrecht Nollau
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Albrecht Nollau ist Super­intendent im Kirchspiel Dresden-Nord. © Steffen Giersch

Sie hätte gehört, dass unser Sohn Kindergeburtstag feiern würde, sagte die Mutter am Telefon. Da würde ihr Sohn sicher auch eingeladen sein. Vielleicht hatte sie es nicht wörtlich so gesagt, aber wir merkten schon, dass sie es wollte. Er war in der Klasse ein Außenseiter. Unser Sohn hatte ihn schon mal nach der Schule mit nach Hause gebracht. Wir fanden das auch gut so.

Aber für die Geburtstagsfeier war er nicht eingeplant. Unser Sohn hatte sich die Gäste ausgesucht, mit denen er feiern wollte. Jetzt hatten wir ein Problem. Müssen wir dem Wunsch der anderen Mutter nachgeben? Können wir unseren Sohn nötigen, ein Kind zu seinem Geburtstag einzuladen, mit dem es gar nicht feiern will oder können wir gar nicht anders, weil wir doch Christen sind? Natürlich fiel mir schnell die Geschichte vom Zachäus ein und auch die anderen Geschichten, bei denen Jesus die Menschen einlädt, die sonst keiner als Gäste haben möchte. Selbstverständlich hatte auch ich in der Christenlehre einen Zachäus im Baum gemalt und einen Jesus, der ihm zuwinkt. Ja, ich fand es immer gut, wie großzügig Jesus ist und Menschen glücklich macht. Er sucht ja genau nach denen, die am Rande stehen. Ich wollte mir das schon gerne zum Vorbild nehmen, grundsätzlich jedenfalls.

Aber jetzt ging es nicht mehr nur um einen netten Gedanken. Jetzt lag die Sache auf unserem Tisch. Der andere Junge war uns wichtig. Das wollten wir ihm auch zeigen. Aber sollte es die Geburtstagsfeier sein? Gab es vielleicht auch andere Gelegenheiten? Gemeinsam haben wir eine Lösung gesucht und gefunden. Es wird sicher nicht die einzige Situation bleiben, in der wir herausgefordert werden, durch die Art, wie Jesus die Menschen ausgesucht hat, mit denen er zusammen sein wollte.

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3 Lesermeinungen zu Von Jesus und der Einladung zum Kindergeburtstag
Gert Flessing schreibt:
14. Juni 2018, 17:22

Sehr geehrter Herr Superintendent Nollau, lieber Bruder im Herrn,
schön, dass Sie sich so viele Gedanken über einen Kindergeburtstag gemacht haben.
Aber ich denke, das ein Kindergeburtstag der Geburtstag des Kindes ist und, wenn es ein gewisses Alter erreicht hat, wird es die Kinder einladen, mit denen es gern Zeit verbringt. Jedenfalls habe ich das, bei unseren Jungs so erlebt. Das haben wir akzeptiert, auch wenn da manchmal eben auch Kinder dabei waren, die - nun ja - nicht so recht passten.
Das eine Mutter anruft und quasi ihr Kind "einlädt", nur weil das einmal mit dem Herrn Sohn mitgekommen war, halte ich für ein wenig unverschämt. Das Sie nicht auf minus 300 Grad runter gekühlt waren, ist wahrhaft christlich. Bei mir wäre vermutlich die Hölle zugefroren. Es gibt Grenzen des guten Geschmacks.
Was nun Jesus anbelangt, der ist bei Zachäus eingekehrt und auch bei anderen. Er hat auch davon gesprochen, das es eine Bedeutung hat, wie wir mit "den geringsten" Geschwistern umgehen.
Aber ein Kindergeburtstag ist ein Tag, der dem Kind gehört. Wenn mein Kind zu dem, der da unbedingt dabei sein soll, wenn es nach der Mutter geht, aber außer sporadisch, keinen echten Kontakt haben sollte, würde ich es nicht mit dem Problem belasten. "Integration" und darum geht es ja letztlich, lässt sich nicht erzwingen, sie muss geschehen.
Als unsere Jungs klein waren und wir noch nicht in der Stadt lebten, gehörte zur Nachbarschaft ein schwer behindertes Mädchen. Sie war mobil und hilfsbereit (was manchmal nicht einfach zu steuern war), aber sie gehörte dazu und weil sie täglich da war, war sie dabei, wenn die Kinder tobten und ihr Leben lebten, auf unserem Berg. So war sie auch, selbstverständlich, bei Geburtstagen dabei. Aber das war so gewachsen, folglich auch problemlos.
Die Kochlöffel, die sie, beim Topfschlagen mit ihrer ungestümen Art, zerschlagen hat, waren zu verkraften und die Freude, die sie empfand, war auch uns Freude.
Aber es war nie etwas, wo die Mutter gesagt hätte, sie müsse dabei sein.
Ob Jesus uns wirklich so gängeln will? Gewiss möchte er uns zur Offenheit für "Problemfälle" führen. Aber wir sollten nicht unbedingt ein Gesetz daraus machen.
Gert Flessing

Britta schreibt:
15. Juni 2018, 12:30

Das berühmte Zitat lautet: "Liebe deinen Nächsten WIE DICH SELBST". Klarer Fall, wenn unser Sohn das Kind nicht mit dabeihaben will bei SEINER Feier, dann wird es ihm auch nicht unter dem Argument Nächstenliebe oder irgendeine andere biblische Geschichte aufgezwungen. Wenn er andermal mit dem Kind spielen will, ist das in Ordnung, wenn nicht, auch! Man kann ihm die biblischen Geschichten erläutern und ggf. Vergleiche ziehen, aber ein Zwang, sich daran halten zu müssen, werde ich als Elternteil nicht ausüben. Und das würde ich auch der Mutter am Telefon klipp und klar sagen. Je nach Situation bestünde dann die Möglichkeit, daß die Familien mal was miteinander unternehmen, aber dies auf das Kind abzuladen, finde ich nicht besonders christlich.

Lore schreibt:
24. Juni 2018, 14:25

Lieber Herr Nollau, ich habe mich herrlich amüsiert. Wahrscheinlich war das nicht Ihre Absicht, aber Ihre Geschichte beschreibt so schön die Situation in unserem Land bzw. in Europa - eben Situationskomik. Nun brauchen wir uns das Ganze nur noch auf der Zunge zergehen lassen...

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