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Zwischen Geld und Gewissen

Gott und Geld: Ursprünglich war Geld ein bloßes Tauschmittel. Doch heute wird damit gehandelt. Auch die Kirche legt ihr Geld an. Wie kann ein christlicher Umgang mit dem Geld aussehen?
Von Renate Wähnelt
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© takasu/Fotolia

Widersprüchlich kommt die Bibel daher, wenn es um Geld geht. Aus dem 5. Buch Mose – kein Zins vom Freund, vom Angehörigen des eigenen Volkes nehmen – folgte das Zinsverbot. Zins von Fremden zu nehmen, war jedoch erlaubt. Und selbst Jesus verlangt, Geld zu den Wechslern zu geben, damit es Zins bringt (Lukas 19,23).

Andererseits heißt es ganz klar bei Matthäus: »Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.« Also Geld oder Gott. Oder ist Geld als Werkzeug anzusehen, mit dessen Hilfe christliche Verantwortung praktisch umgesetzt wird? Geht das überhaupt? Ist Christsein in der Finanzwelt überhaupt hilfreich? Wo geraten Akteure in Widerspruch zu christlichen Werten?

Der Vorstandsvorsitzende der Bank für Kirche und Diakonie, Ekkehard Thiesler, sagt: »Ziel unserer Kreditgenossenschaft war und ist es bis heute, die Rücklagen der evangelischen Kirche als Kredite an diakonische Unternehmen weiterzugeben. Darüber hinaus investieren wir am Geld- und Kapitalmarkt, auch hier spielen ethisch-nachhaltige Kriterien eine entscheidende Rolle.« Solche Kriterien sind beispielsweise nachzulesen im »Leitfaden für ethisch-nachhaltige Geldanlagen« der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Zu den am meisten nachvollziehbaren konkreten Empfehlungen der gut 50 Seiten umfassenden Publikation gehören Ausschlusskriterien wie Rüstungsgeschäfte oder die Gewinnung von Rohstoffen aus Ölsand. Doch können sich Menschen in der Finanzwelt danach richten? »Ich muss mein Gewissen nicht an der Garderobe abgeben«, sagt Ekkehard Thiesler. Und Ulrich Schmidt, Vorstand der Volksbank Magdeburg, meint, dass das Agieren in der Rechtsform der Genossenschaft die Orientierung an Werten wie Demokratie, Fairness, Hilfe zur Selbsthilfe und Solidarität ermöglicht. »Und damit sind wir den christlichen Grundwerten Glaube, Liebe im Sinn von Nächstenliebe und Hoffnung doch recht nahe.«

Schmidt, ebenso Christ wie Sachsen-Anhalts Finanzminister André Schröder, hat erst kürzlich bei einem Magdeburger Podiumsgespräch zum Thema »Finanzpolitik in christlicher Verantwortung – Frommer Wunsch oder echte Option?« gesprochen. Im Unterschied zu den Bankern gibt der Politiker zu, dass die Regeln der Finanzen nicht immer mit christlichen Werten harmonieren. »Rendite und Sicherheit spielen in der Finanzwelt eine große Rolle. Ein natürliches Spannungsverhältnis, das in unserer täglichen Arbeit zu berücksichtigen ist. Zudem sehe ich als meine Aufgabe, gleichzeitig auch die Balance zwischen ethischen, sozialen und Grundsätzen der Nachhaltigkeit zu schaffen. Ich sehe die Fehlbarkeit des menschlichen Tuns.« Politik sei immer dem Allgemeinwohl verpflichtet, so Schröder. »Die unveräußerliche Würde des Menschen steht ebenso im Vordergrund meines Handelns wie das Gebot der Nächstenliebe mit dem Grundgedanken der Solidarität in der Gesellschaft.«

Ausdrücklich ohne religiöse Einflüsse agiert die Ethikbank im thüringischen Eisenberg. Die Motive der Gründer Klaus Euler und Sylke Schröder waren mehr humanistischer Natur. Die Zweigniederlassung der Volksbank – und damit ebenfalls genossenschaftlich organisiert – stelle den Menschen in den Mittelpunkt und biete Bankdienstleistungen für Menschen an, die selbstbestimmt und verantwortungsbewusst leben und die kritisch hinterfragen, was mit dem eigenen Geld passiert, teilt Vorstand Katrin Spindler mit. Die Anlagekriterien ähneln bemerkenswert denen der EKD.

Ob im Zweifel die Rendite oder das christliche Gewissen bei einer Entscheidung gewinnt, hängt vermutlich vom Einzelfall ab. Das Leben ist da mindestens so widersprüchlich wie die Bibel.

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6 Lesermeinungen zu Zwischen Geld und Gewissen
Marcel Schneider schreibt:
10. Oktober 2018, 18:23

An dieser Stelle möchte ich dem SONNTAG eine Liebeserklärung machen. Auch aus der neuen Ausgabe habe ich viele wertvolle Anregungen bekommen.
Es wäre schön, wenn nicht so viele Artikel zugekauft werden.

Klaus schreibt:
11. Oktober 2018, 14:43

das Problem bei den zugekauften Artikeln ist, dass der Regionalbezug fehlt. Ich möchte nicht, dass der SONNTAG nur Artikel kauft, um die Seiten vollzubekommen. Ja, Herrn Roths Artikel fehlen schon. Am Ende merkt das der kluge Leser und kündigt sein Abo. Die schlimmste Konsequenz wäre ein Zusammengehen des SONNTAG mit "Glaube und Heimat"

L. Schuster schreibt:
11. Oktober 2018, 1:04

Wir sollten unser Geld teilen mit den Armen und nicht mit den Banken, so lese ich die Bibel.
Sollten wir daher nicht nur solche Banken nutzen, die uns nicht mit Bankgebühren oder sonst wie abkassieren, selbst wenn sie dafür im Gegenzug keine unethische Investitionen versprechen?

Außerdem halte ich die ethischen Angaben meist für Quatsch, wie das hier genannte "keine Investitionen bei Gewinnung von Rohstoffen aus Öl-Sand“, vergleichbar mit unserem Braunkohleabbau, nur hier harmloser in einen riesigen, dünn besiedelten Land. Kanada.

Dazu ist der Geldmarkt für Ölsandabbau ein großer aus dem er sich bedienen kann, nur wenn das Unding einträfe das keiner mehr dafür Geld gibt könnte dieser Abbau gestoppt werden. Also unmöglich. Wo daher „keine Investitionen für diesen Abbau“, auch zum Schwindel bzw. zum völligen Quatsch wird.
Auf keinen Fall reicht das um ein gutes Gewissen zu haben, dadurch das man eine ethische Bank nutz sicherlich nicht. Das heißt aber nicht, dass man sie ausschließen sollte, nur mein Fall ist sie wegen den Bankgebühren nicht.

Marcel Schneider schreibt:
14. Oktober 2018, 20:58

Lieber Herr Schuster,
heute war in unserer Kirche ein Festgottesdienst anlässlich 125 Jahre Kirchweihe. Es waren ca. 260 Besucher da, das weiß ich wegen der Zahl der kopierten Liedzettel.
Einige Prominenz aus dem Landeskirchenamt war auch da, Oberlandeskirchenräte (im Plural) mit viel Geld.
Am Ausgang stand wieder der traurige Bettler mit dem Schild "Ich bin obdachlos und habe Hunger".
Als wir mit den Kindern die Kirche verließen, hatte der Bettler, das sah ich, 4 Euro in seinem Körbchen. Ich habe mich so für meine Kirche geschämt. Abgrundtief geschämt.
In der Urgemeinde wurde das Abendmahl mit Witwen und Waisen geteilt, jeder sollte satt werden.
Und da kommen 260 reiche und zufriedene Christen aus dem Gottesdienst, senken betreten den Kopf und eilen heim zum Sonntagsbraten. Was soll denn der Bettler da von der Kirche Jesu Christi denken?
Hört beim Geld auch da die Freundschaft auf? In die Kollekte werden 20 Euro gesteckt und der Bettler vor der Tür bekommt nichts, nicht mal die Krümel vom Tisch des Herrn?
Nach dem Festgottesdienst waren alle Gäste zum Essen ins Gemeindehaus eingeladen. Ich habe den Bettler demonstrativ bei der Hand genommen und bin mit ihm ins Gemeindehaus, an den Tisch. Ich glaube, hätte einer von der Gemeinde dies kritisiert, hätte ich wohl meine gute Erziehung vergessen.

Britta schreibt:
15. Oktober 2018, 16:45

Wenn der obdachlose Bettler ein Dauerzustand bei Ihnen ist, lieber Herr Schneider, dann wäre es ein besseres Werk, mit ihm zum Amt zu gehen bezüglich Hilfe zur Selbsthilfe bei der Wohnungssuche und ggf. Arbeitssuche. Da Sie als Einziger sich in so vorbildlicher Weise um ihn kümmern und sicher auch neben ihm saßen beim Gemeindeessen (sind die 260 Reichen nun nach Hause zum Sonntagsbraten geeilt oder haben sie Ihnen noch das Gemeindeessen weggefressen?), haben Sie sich doch sicher auch mit ihm unterhalten und Näheres zu seiner Lebenssituation herausgefunden. Auf Dauer ist es nämlich nicht optimal, einfach ein Almosen zu geben. Aber da Sie ja bei der Diakonie arbeiten, wird der Bettler ja nicht mehr lange Grund zum Betteln haben. Danke!

manfred schreibt:
16. Oktober 2018, 16:18

Herr Marcel Schneider, es ist FÜR MICH nicht beschämend, dass Menschen einem Bettler nur geringe Almosen zustecken, sondern, dass es überhaupt derartige armen Menschen in der BRD gibt und geben kann.
Über diese armen Menschen hört man von den reichen Politikern und Verantwortlichen der Kirche nichts!
Kardinal Marx von der katholischen Kirche erhält einen Lohn auf Erden von 12526 Euro/Monat.
Was man weiter hört, dass es Deutschland noch nie besser ging.

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