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Orgeln waren für ihn »ein Geschenk«

Nachruf auf den Leipziger Orgelbaumeister Stefan Pilz (1974–2018)
Annette Herr
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Stefan Pilz starb bei einem Autounfall. © A. Herr

Dem Himmel ein Stück näher sei der Orgelbauer, wenn er »auf einem historischen Orgelprospekt herumturnen, sich am figürlichen Engel­orchester festhalten muss«, so sagte es der Dresdner Orgelbauer Kristian Wegscheider in der Trauerfeier für seinen Leipziger Kollegen Stefan Pilz, der im Alter von 44 Jahren am 19. November 2018 durch einen Autounfall aus dem Leben gerissen wurde.

Kristian Wegscheider ist dem jüngeren Kollegen Wegbegleiter gewesen und Lehrer in der Restauratoren-Ausbildung. Er hat Pilz als respektvoll nacheifernden Schüler erlebt, der das Ziel, sich selbständig zu machen, schon lange im Blick hatte. Handwerklich und musikalisch talentiert, absolvierte Pilz sowohl die Ausbildung zum Orgelbauer (1994 bei Orgelbau Voigt, Bad Liebenwerda) als auch diejenige zum C-Kantor. In unermüdlich fleißigen Gesellenjahren erarbeitete er sich einen persönlichen Schatz an Wissen und Erfahrungen und legte schließlich die Meisterprüfung ab.

Orgeln waren für Stefan Pilz »keine Arbeit, sondern ein Geschenk«. Er gewann die Sympathie und Wertschätzung der Fachwelt, die ihm die berühmten Leipziger Orgeln in der Thomaskirche, im Gewandhaus und in der Musikhochschule zur Wartung anvertraute. Der erste Auftrag an seine 2018 neu gegründete Firma sollte jedoch tragischerweise der letzte vollendete bleiben: die Restaurierung der Orgel in Leipzig-Probstheida, deren Wiedereinweihung er am 11. November noch mitfeierte. Am 4. Dezember nahmen dort über 200 zutiefst bewegte Menschen aus seinem privaten und beruflichen Umfeld Abschied. Grußworte von Thomaskantor Böhme und Prof. Len­nartz sowie ein Chor des Kirchenmusikalischen Instituts gaben ihm würdiges Geleit. Stefan Pilz hinterlässt seine Familie mit zwei Kindern.

Was er mit seinem Talent – mit Geschick, Klangsinn und Fantasie – aus den Instrumenten herausholte, erstaunte Gemeindevertreterinnen und Hochschul-Professoren. Eine Stimmung oder Reparatur noch am letzten Tag vor dem Konzert oder das Engagement für die Orgeln seiner eigenen Gemeinde (vor allem Leipzig-Holzhausen): In Leipzig und weit darüber hinaus dankt man Stefan Pilz für seine – oft ehrenamtliche – Hilfsbereitschaft.

Kein Auftrag verging ohne Orgelführung. Stefan Pilz sprach mit leidenschaftlichem Leuchten in den Augen, öffnete Erwachsenen und Kindern alle Sinne für die Vielfalt der Orgel, für ihre verletzliche Innigkeit und klangmächtige Pracht. Er stiftete Begeisterung für die »Königin der Instrumente«, die in der Kirche eine bescheidene Dienerin »allein zu Gottes Ehre« ist.

Stefan Pilz ist jetzt nicht nur dem Himmel näher als andere, sondern: »Papa ist jetzt im Himmel«, sagte sein vierjähriger Sohn. Die Begeisterung lebt in all denen weiter, die ihn persönlich kannten und schmerzlich vermissen.

Annette Herr, Kirchenmusikerin

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