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Für eine christliche Kultur der Nachhaltigkeit

Für Leser mit Mut und Durchhaltevermögen: Der Sammelband »Leben im Anthropozän«
Mirjam Petermann
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Der Titel wirkt beinahe abschreckend, zumindest werden die meisten Leser mit »Leben im Anthropozän« wenig anfangen können. »Anthropozän« bedeutet »Zeitalter des Menschen«, gemeint ist damit die erdgeschichtliche Epoche, in der wir uns befinden.

Trias, Jura, Kreide – und nun also das Anthropozän. Die Bezeichnung verdankt sich dem folgenschweren Eingriff des Menschen in alle natürlichen Räume, dessen Auswirkungen sogar gesteinsbildend ist: durch die Massen an Müll, die wir hinterlassen, Technofossilien oder die ungeheuren Mengen Kohlenstoff, die im Kalkstein oder kalkhaltigen Fossilien gebunden, noch in Jahrtausenden nachweisbar sein werden.

Der Sammelband dokumentiert Vorträge einer Veranstaltungsreihe in den Jahren 2016 und 2017, die Bestandteil des Ökumenischen Prozesses »Umkehr zum Leben – den Wandel gestalten« war. Wie der Untertitel verrät, beschäftigt sich das Buch mit »christlichen Perspektiven für eine Kultur der Nachhaltigkeit«, die auf diese menschliche Umwelteinwirkung reagiert – die sich keineswegs nur auf den Klimawandel beschränkt, sondern, noch tiefgreifender und umfassender, alle Umweltsysteme betrifft. Dabei befassen sich die oft in einer sehr wissenschaftlichen Sprache geschriebenen Beiträge nicht nur mit geologischen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und philosophischen, sondern auch mit theologischen Fragen, die in der allgemeinen Diskussion um das »Anthropozän« bislang kaum eine ­Rolle gespielt haben.

Alle Bereiche dieser Diskussion sind von inhaltlichen Konflikten geprägt, gerade wenn es um Lösungsansätze geht: Müssen sich zum Beispiel politische Strukturen ändern oder sollten wir nicht zunächst unseren persönlichen Lebensstil umgestalten? Ökologische stehen gegen ökonomische Interessen.

Christen seien in besonderer Weise dazu aufgefordert, einem Leben auf Kosten der Umwelt radikal zu entsagen: »Weil die Christin um ihren Wert vor Gott nicht besorgt sein muss, braucht sie sich nicht vorrangig mit sich selbst und ihrer Selbstperfektionierung zu beschäftigen. Dies impliziert dann aber auch die Befreiung von der Fixierung auf die Wertschätzung durch andere Menschen«, schreibt Torsten Meireis, Professor für Systematische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Diese doppelte Befreiung ermögliche es, den Blick vorbehaltlos auf die Umwelt zu richten und im Dienst am Nächsten das eigene Leben zu gestalten.

So wünschenswert all die Änderungsvorschläge sind, am Ende bleibt doch fraglich, ob das bloße Wissen um die bedrohliche Situation zu deren Umsetzung führen wird. Wer den Mut und das Durchhaltevermögen aufbringt, sich der Lektüre dieses Buches zu widmen, sieht sich jedenfalls dazu aufgefordert, nicht nur sich selbst und seine Lebensweise zu hinterfragen, sondern auch konkrete Handlungsschritte zu unternehmen.

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