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Wenn die Oboe schweigt

Wie freiberufliche Musiker Konzertabsagen bewältigen
Birgit Pfeiffer
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Oboistin Annelie Matthes aus Leipzig kann derzeit nicht arbeiten. Für die Mutter zweier Kinder eine schwierige Situation. © Uwe Winkler

Viele freiberufliche Kirchenmusiker­innen und -musiker sind von der Corona-Krise und dem damit verbundenen »Shutdown« schwer betroffen. Ihr geplantes Einkommen ist mit dem Wegfall von Engagements über Nacht auf Null zurückgegangen. Überdies könnte der Zeitpunkt nicht ungünstiger sein: Die vorösterliche Fastenzeit und das Osterfest sind traditionell die auftragsreichste Zeit des Jahres für die Kirchenmusik. »Für mich ist es nun ein Totalausfall«, sagt Annelie Matthes. Die freiberufliche Oboistin ist Mutter von zwei Kindern und Alleinverdienerin. Auch andere Honorartätigkeiten fallen mit dem Stillstand vorerst weg, die ihr normalerweise in auftragsschwachen Zeiten das Grundeinkommen sichern. »Im Prinzip unterliege ich derzeit durch die Corona-bedingten Auflagen einem Berufsverbot. Eigentlich bräuchten wir eine Entschädigung.«

Um die Existenznot abzumildern, hat der Bund ein 50 Milliarden Euro schweres Soforthilfepaket für kleine Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler geschnürt. Das Problem: »Die Länder-Hilfspakete unterscheiden sich zum Teil erheblich, die Antragstellung ist bislang oft nicht so unbürokratisch wie erhofft, und manche Bundesländer setzen leider vor allem auf Kredite und Darlehen.« Das sagt der Counter-Tenor David Erler, Initiator einer am 11. März gestarteten Petition zur Unterstützung von Freiberuflern und Künstlern, die inzwischen mehr als 280 000 Menschen unterzeichnet haben. Bei den jetzt greifenden Unterstützungen stecke der Teufel im Detail, schreibt er auf der Infoseite seiner Petition: »So sind zum Beispiel die Zuschüsse für Solo-Selbständige beziehungsweise Kleinstbetriebe nur für laufende Betriebskosten gedacht – für alles Private aber werden Tausende von uns genötigt, Hartz IV zu beantragen.«

Doch auch jenseits der Staatskasse gibt es helfende Initiativen, wie den Appell des Deutschen Musikrats an beide großen Kirchen, Musikern ihr Honorar auch im Falle abgesagter Veranstaltungen zu bezahlen. Und die Deutsche Orchesterstiftung hat einen Nothilfefonds eingerichtet.

Annelie Matthes und David Erler unterstützen die Forderung eines zeitlich befristeten Grundeinkommens des Deutschen Musikrats für alle freiberuflichen Kreativschaffenden. Ein solches »wäre das Beste hinsichtlich sozialer Gerechtigkeit, denn die Bedarfsgemeinschaft ist sehr heterogen«, sagt Annelie Matthes. Und David Erler wünscht sich ein Grundeinkommen für alle. »Das wäre aus meiner Sicht die unkomplizierteste und schnellste Variante zu helfen.« 

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