Danken statt jammern

Das Erntedankfest ist Anlass dafür, auf das zu schauen, wofür man in seinem Leben dankbar sein kann. Das hilft heraus aus negativen Gedankenspiralen – und öffnet Herz und Blick für die Not anderer.
Von Nicole Marten
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© Foto: Thomas Söllner stock.adobe.com

David Kadel war beim ersten Lockdown im vergangenen Jahr in einen Kreislauf negativer Gedanken und Gefühle gerutscht. Die Dauerberieselung mit negativen Nachrichten und Sondersendungen zur Pandemie wirkten dabei wie eine Abwärtsspirale. »Ich bin selbst ein TV-Junkie«, bekennt der Motivationscoach offen und lacht dabei. Irgendwann war er jedoch niedergeschlagen, weil die Nachrichten einfach nicht besser wurden. Zeit also, etwas zu verändern. Zum Beispiel, indem er sich vor zu vielen negativen Nachrichten schützt. Zahlreiche Menschen senden ihm ungefiltert negative Botschaften per Whatsapp auf das Handy und leiten unüberlegt Filme weiter. Das führe zu einer Nachrichtenflut. »Ich schütze mich selbst, indem ich mich regelmäßig frage: ›Tut dir das gut, was du gerade tust?‹« Dazu hat er sich eigens eine Notiz auf den Schreibtisch gelegt, damit er das nicht vergisst. Außerdem schaut er nicht jede Nachricht an, die ihn übers Handy erreicht. »Und manchmal schreibe ich auch zurück: ›Warum schickst du mir das?‹« Soziale Medien nutzt er nur, um andere zu inspirieren und ihnen positive Gedanken mit auf den Weg zu geben.

David Kadels Formel für Zufriedenheit und Motivation heißt übrigens 4D: Demut, Dankbarkeit, Dienen und Durchhalten. Man könne sich beispielsweise fragen, wo man Dankbarkeit in sein Leben einbauen kann. Dabei macht man eine Art Inventur und fragt sich, was gut ist im Leben – und auch was nicht. Wenn man beides wahrnimmt, ist man schon einen Schritt weiter. »Viele in Deutschland führen ein tolles Leben und beschweren sich dann darüber, dass sie eine Maske tragen sollen«, sagt Kadel. »Wer dankbar ist, sieht, was er hat.« Das heiße nicht, dass man nicht auch mal jammern dürfe. »Aber wir sind in Deutschland Weltmeister im Jammern«, sagt der Coach. Dankbarkeit hilft dagegen. Beispielsweise macht er sich immer wieder bewusst, wie viele Menschen auf der Welt einen Kühlschrank besitzen: acht Prozent. »Da merke ich, wie privilegiert ich bin«, sagt er. Natürlich gebe es in der aktuellen Krise auch Menschen, denen alles wegbricht. »Das darf man nicht unter den Teppich kehren.« Also hinschauen, anschauen, zulassen, nicht weglaufen. Und dann Wege aus der Krise suchen.

Auch Demut, das Akzeptieren, dass etwas nicht erreichbar ist, biete einen Ausweg aus der Negativ-Spirale: »Wer demütig ist, geht anders mit Krisen um«, sagt Kadel. Wer sich dann noch um andere kümmert, ihnen zu Diensten ist, der dreht sich nicht mehr nur um sich selbst. Und nicht zuletzt kommt es auch darauf an, durchzuhalten. »Die Krise ist da, sie wird aber auch wieder vorbeigehen«, und genau deshalb sei das Durchhalten so wichtig. Anderen helfen, das versucht David Kadel auch ganz praktisch. So hat er Mutmachgeschichten gegen Corona, wie er sie nennt, in einem Buch zusammengefasst. Darin erzählen beispielsweise Samuel Koch oder der Fußballer Matthias Ginter, wie sie durch Krisen gegangen sind, was ihnen zum Erfolg geholfen hat und was sie antreibt. Das Buch trägt den Titel »Wie man Riesen bekämpft«. Es wird verschenkt an Kinder in Krebskliniken und Jugendliche in psychiatrischen Krankenhäusern. Mit dem einen oder anderen Autor fährt Kadel – sofern es die Hygienebestimmungen zulassen – zu den Einrichtungen, spricht mit den Jugendlichen und Kindern und gibt ihnen das Buch mit auf den Weg. Als besonderer Gast ist immer wieder ein Fußballprofi dabei.

Das Projekt ist für David Kadel ein Herzensanliegen. Denn es ist aus seiner Sicht eben nicht nur wichtig, negative Nachrichten abzublocken. Noch wichtiger ist es, sich mit positiven Geschichten zu umgeben. Von Menschen zu lesen, die schier aussichtslose Situationen gemeistert haben oder noch dabei sind. So komme man raus aus der ewig negativen Gedankenspirale – und hin zu Zuversicht, Mut und Motivation.

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