Honecker im Pfarrhaus

Das Zeichen von Lobetal: Nachdem Erich Honecker im Januar 1990 als haftunfähig aus dem Krankenhaus entlassen wurde, waren er und seine Frau obdachlos. Es gab keinen sicheren Ort. Da nahm sie Pfarrer Holmer für 10 Wochen im Pfarrhaus von Lobetal auf. Das ist nun verfilmt worden.
Von Yvonne Jennerjahn
  • Artikel empfehlen:
Szene aus dem Film »Honecker und der Pastor«: Erich Honecker (Edgar Selge, l.) und seine Frau Margot (Barbara Schnitzler, r.) stehen vor dem Pfarrhaus, das ihnen Pastor Uwe Holmer (Hans-Uwe Bauer, M.) und seine Frau Sigrid (Steffi Kühnert, 2. v. l.) mit Kornelius (Ilja Bultmann, 2. v. r.) als Notunterkunft öffnen.Foto: ZDF / Conny Klein © Foto: ZDF / Conny Klein

Die Aufnahme der Honeckers ins Kirchenasyl Anfang 1990 hat der Schauspieler Jan Josef Liefers als Regisseur verfilmt. Mitte März kommt der Film ins Fernsehen und wird im ZDF und auf Arte ausgestrahlt. Ab dem 14. März soll er bereits in der ZDF-Mediathek zu sehen sein.

Die Geschichte von den Honeckers und dem evangelischen Pfarrerehepaar Holmer verfolge ihn, seit er das erste Mal davon gehört habe, schreibt Liefers dazu im Pressematerial des ZDF: »Das ehemalige Staatsoberhaupt und seine Frau, die einstige Volksbildungsministerin, werden nach ihrem tiefen Fall zu obdachlosen Bittstellern, die keiner will.« Nur zwei eilig gepackte Koffer seien ihnen vom alten Leben geblieben. Dass in der ausweglosen Situation ausgerechnet ein evangelischer Pastor sein Haus für das »Diktatorenpärchen« öffnet, klinge wie im Märchen. »Kirche und Staat – die Enden der Parabel kreuzen sich«, schreibt Liefers: »Das Undenkbare passiert.«

Was wie ein Kammerspiel aussehe, sei jedoch in Wahrheit ein Thriller, betont der Regisseur: »Eingebunkert und in nahezu völliger Isolation von den Dingen des Lebens wird die Außenwelt von den Honeckers nur durch den Blick in den Fernseher oder durch die Gardinen an den Fenstern ihrer Zimmer wahrgenommen.« Doch in ihren Köpfen tobe ein Krieg, dort gehe es »auf zum letzten Gefecht«. Auch diese imaginären Bilder würden im Film zum Teil sichtbar gemacht.

Erich Honecker wird in dem Film von Edgar Selge gespielt, seine Frau Margot von Barbara Schnitzler. Hans-Uwe Bauer verkörpert Pastor Uwe Holmer, Steffi Kühnert seine Frau Sigrid. Auch Liefers’ Ehefrau Anna Loos, Kurt Krömer und Axel Prahl haben Rollen übernommen. Gedreht wurde in den Babelsberger Studios und der Umgebung von Potsdam, jedoch nicht in Lobetal, dem historischen Ort des Geschehens. Dort war Uwe Holmer seinerzeit Leiter der Hoffnungstaler Anstalten der Diakonie, die einst zur Aufnahme von Obdachlosen gegründet wurden und inzwischen vielfältige soziale Unterstützung anbieten.

Das Drehbuch hat der vor allem als Krimi- und »Tatort«-Autor bekannte Jurist Fred Breinersdorfer geschrieben. Er habe auch eine besondere Leidenschaft für historische Widerstandsfilme, erzählt Breinersdorfer im Gespräch mit dem epd. Er hat bereits Drehbücher für Spielfilme über die NS-Widerstandskämpferin Sophie Scholl, den gescheiterten Hitler-Attentäter Georg Elser und die von den Nazis ermordete Anne Frank verfasst. Auch der Film über Honeckers »Kirchenasyl« gehöre dazu, »weil er eine besondere, stille und beharrliche Form von Widerstand erzählt, den Pastor Uwe Holmer ausgeübt hat«, sagt Breinersdorfer: »Das hat mich von Anfang an fasziniert.« Zwei Jahre Recherche und drei Jahre Arbeit am Drehbuch seien den Dreharbeiten vorangegangen, erzählt er.

Zentraler roter Faden ist für den Drehbuchautor die moralische und christliche Integrität des inzwischen 93 Jahre alten Pastors Uwe Holmer, der seit längerer Zeit in Mecklenburg-Vorpommern lebt. »Ich bin kein Christ«, erzählt Breinersdorfer: »Aber mich interessieren die Themen Religion, Ethik und Moral und die Ideologie des Sozialismus, für den ich als Student gekämpft habe.«

Im Mittelpunkt stehe die Frage, ob Uwe Holmer als Pastor seine Grundprinzipien wie Barmherzigkeit, Gastfreundschaft, Nächstenliebe als Opfer des DDR-Regimes über Bord werfen und die damals faktisch obdachlosen Honeckers abweisen soll oder ob er seiner Haltung trotz vieler Widerstände treu bleibt, so Breinersdorfer. »Und es geht auch darum, wie Holmer Honecker zusetzt mit seiner christlichen Moral, und um die Hilflosigkeit der honeckerschen Ideologie und Doktrin und seines Starrsinns.« Der Drehbuchautor Fred Breinersdorfer hofft auf eine nachhaltige Anerkennung für den evangelischen Pastor Uwe Holmer, denn er habe es seinerzeit trotz Widerständen und Anfeindungen geschafft, »durchzuhalten und seinem moralischen Kompass zu folgen«. Dafür verdiene Holmer »Respekt und Anerkennung, hoffentlich nicht nur im Film«.(epd)

Neue Stellenanzeigen

Umfrage
Wie oft beten Sie?

Folgen Sie dem Sonntag:

Aktuelle Veranstaltungen
  • , – Chemnitz
  • Vesper mit Musik
  • Ev.-Luth. St. Jakobikirche
  • , – Radeberg
  • Konzert
  • Kirche Wachau
  • , – Leipzig
  • Orgel-Punkt-Zwölf
  • Peterskirche
Audio-Podcast

Logo LAGA Torgau 22

Der Twitter-Sonntagticker
Sonntag Sachsen @sonntagticker
@UniLeipzig @epdOst Danke für den Hinweis.
vor 2 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Forscher der @UniLeipzig entdecken auf dem #Südfriedhof #Leipzig ein Enzym, das PET-Flaschen deutlich schneller zer… https://t.co/YaHiB7ZFth
vor 2 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
»Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.« Mit diesem Vers wünschen wir einen guten Start in die Woche… https://t.co/caQXhwkSXu
vor 2 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Mit dem aktuellen Stand der Aufarbeitung der #SED-Diktatur befasst sich v. 20.-22. Mai in #Rostock der 25. Bundesko… https://t.co/SBsjbVAFkG
vor 5 Tagen