Gedenken an Brüsewitz-Selbstverbrennung in Zeitz

(epd)
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Oskar Brüsewitz, Zeitz, Markkleeberg, Suizid, Selbstverbrennung, Archiv
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In Zeitz wird am kommenden Mittwoch (18. August) an die öffentliche Selbstverbrennung des evangelischen Pfarrers Oskar Brüsewitz vor 45 Jahren erinnert. Zu dem Gedenken an der Brüsewitz-Stele vor der Zeitzer Michaeliskirche laden Stadt, Kirchen, Angehörige und Freunde ein, kündigte die evangelische Kirche am Donnerstag in Zeitz an. Mitwirkende seien unter anderem die Tochter von Oskar Brüsewitz, Pfarrerin Esther Fröbel, der frühere katholische Propst Gerhard Nachtwei, der Zeitzer Pfarrer Werner Köppen und Vertreter der Stadt.

Aus Protest gegen die DDR-Bildungspolitik mit ihrer Unterdrückung junger Christen in Schulen hatte sich Brüsewitz am 18. August 1976 vor der Zeitzer Michaeliskirche öffentlich mit Benzin übergossen und angezündet. Er kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus in Halle (Saale), wo er am 22. August 1976 starb. Der 1929 auf dem Gebiet des heutigen Litauens geborene Brüsewitz war Pfarrer in Rippicha, südlich von Zeitz.

Die Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen-Anhalt, Birgit Neumann-Becker, nennt die Selbstverbrennung einen erschütternden Protest gegen staatliche Willkür in der DDR, die Beschneidung der Religionsfreiheit und Benachteiligung christlicher Schülerinnen und Schüler durch das sozialistische Bildungswesen. Brüsewitz habe damit ein letztes und verzweifeltes Zeichen gegen die Herrschaftsausübung der SED gesetzt, erklärte Neumann-Becker am Donnerstag in Magdeburg. Die Folgen verwehrter Bildungsabschlüsse und Benachteiligung von christlichen Schülerinnen und Schülern seien für die Betroffenen bis heute spürbar.

Zur Person: Oskar Brüsewitz

Oskar Brüsewitz wurde am 30. Mai 1929 im Memelgebiet geboren. In den Kriegswirren floh die Familie nach Melle in Westfalen. Brüsewitz absolvierte eine Schuhmacherlehre.

Seine erste Ehe, aus der eine Tochter hervorging, scheiterte und wurde geschieden. Im Jahre 1954 siedelte Brüsewitz nach Weißenfels in die DDR über. Ein Jahr später, 1955, folgte seine zweite Heirat in Leipzig mit der Krankenschwester Christa Roland. Zwei Töchter wurden geboren.

Ab 1956 wurde Brüsewitz von der Stasi überwacht. In den Jahren 1964 bis 1969 besuchte er die Predigerschule in Erfurt. Anschließend übernahm er die lange vakante Pfarrstelle in Droßdorf-Rippicha im Kreis Zeitz. Anfangs belebte er mit seinen ungewöhnlichen Aktionen und seinem Eifer das Gemeindeleben, doch die Schwierigkeiten von staatlicher Seite nahmen zu: Die Gottesdienste wurden wieder leerer.

Am 18. August 1976 bat er am Morgen seine Tochter, das Kirchenlied „So nimm denn meine Hände“ zu spielen und fuhr dann nach Zeitz. Vor der Michaeliskirche übergoß er sich aus einer mitgebrachten 20-Liter-Milchkanne mit Benzin und zündete sich an. Vier Tage später, am 22. August 1976, starb Brüsewitz 47-jährig im Krankenhaus in Halle-Döhlau. Am 26. August 1976 wurde er in Rippicha beerdigt.

Gedenktafel für Oskar Brüsewitz am Haus Städtelner Str. 3 in Markkleeberg © Leppus/Wikipedia

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