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Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen gefordert

Frauenrechtler warnen vor zunehmendem Kopftuchzwang bei Kindern
epd
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Mädchen mit Kopftuch
© ree_pilots/Pixabay

Die Menschenrechtsorganisation »Terre des Femmes« hat von der Bundesregierung ein gesetzliches Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen an Bildungseinrichtungen gefordert. Die Frühverschleierung konditioniere Mädchen in einem Ausmaß, dass sie das Kopftuch später nicht mehr ablegen können, erklärten Vertreter der Frauenrechtsorganisation am Donnerstag in Berlin. Die Verschleierung von Mädchen aller Altersstufen sei ein zunehmendes Phänomen in vielen Schulen und sogar im Kindergarten und stehe für eine Diskriminierung und Sexualisierung von Minderjährigen.

»Terre des Femmes« machte zugleich auf eine Unterschriftenaktion unter dem Titel »Den Kopf frei haben!« aufmerksam, mit der der Forderung nach einem gesetzlichen Verbot des Mädchenkopftuchs Nachdruck verliehen werden soll. Die Petition wird den Angaben zufolge unter anderem von der Schauspielerin Sibel Kekilli, Frauenrechtlerin Alice Schwarzer und dem Islamexperten Ahmad Mansour unterstützt. Auch Verbände wie der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte und der Berufsverband der Frauenärzte beteiligen sich an der Aktion.

»Das Kinderkopftuch ist für uns eine Kinderrechtsverletzung«, sagte die Bundesgeschäftsführerin, Christa Stolle. Die Organisation fordere deshalb »ein faires Regelwerk – um nicht zu sagen Verbot –, um Mädchen die Chance zu geben, gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei aufwachsen und leben zu können – und wir fordern das für alle Mädchen, egal aus welchem Kulturkreis«.

Die Verschleierung von Mädchen sei keine harmlose religiöse Bedeckung des Kopfes, erklärte die Frauenrechtsorganisation weiter. Sie stelle eine geschlechtsspezifische Diskriminierung und eine gesundheitliche Gefahr dar. Die Chancen der Mädchen auf eine gleichberechtigte Teilnahme am gesamtgesellschaftlichen Leben werde massiv eingeschränkt. Öffentliche Schulen müssten für alle Minderjährigen eine angstfreie Entwicklung ermöglichen und als neutrale staatliche Orte religiöse und ideologische Symbolik vermeiden, hieß es. Besonders problematisch sei, dass zuletzt im Internet Videos veröffentlicht wurden, die bereits Babies mit Hijab zeigten. »Hier geht es nicht mehr um die Ausübung des eigenen Glaubens, sondern um Missbrauch von Kindern für fundamentalistische Zwecke«, so Stolle.

Die Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI), Susanne Schröter, betonte, dass es vor rund 20 Jahren noch keine Mädchen mit Kopftuch an deutschen Grundschulen gegeben habe. Inzwischen seien vielerorts Mädchen mit Kopftüchern an Grundschulen zu beobachten. Das sei eine neue Entwicklung. Genaue Zahlen, wie viele minderjährige Mädchen in Deutschland das muslimische Kopftuch tragen, gebe es allerdings nicht. Die Berliner Juristin Seyran Ates sagte, das Kopftuch befördere »Geschlechterapartheid«. Das Kinderkopftuch sei aus ihrer Ansicht zudem Kindesmissbrauch.

Zugleich räumte »Terre des Femmes« ein, dass die im Juni gestartete Petition für ein Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen in der Öffentlichkeit mit erheblichen Gegenwind zu kämpfen hat. So würden die großen Onlineplattformen für Petitionen die Aktion »Den Kopf frei haben!« nicht verbreiten. Viele Menschen würden sich nicht gegen ein Kinderkopftuch positionieren wollen, aus »Angst als rassistisch und rechtspopulistisch abgestempelt zu werden«, so Stolle. Bislang hätten weniger als 10 000 Personen die Petition für einer Kinderkopftuch unterzeichnet.

Internet
www.frauenrechte.de

Eine Petition zu dem Thema:

www.frauenrechte.de/online/themen-und-aktionen/gleichberechtigung-und-integration/kinderkopftuch/3338-terre-des-femmes-unterschriftenaktion-den-kopf-frei-haben

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5 Lesermeinungen zu Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen gefordert
Gert Flessing schreibt:
24. August 2018, 21:00

Es ist erschreckend, das hier, ein Unrecht, das an Kindern begangen wird, politisch kein Echo hat.
Wo soll das denn enden? Wir waren, in Deutschland, ja, in Europa, froh über die Freiheit, die Menschen haben.
Wir waren froh, das auch Kinder Rechte bekommen haben.
Das alles wird, weil es, augenscheinlich sehr fundamentalistischen, Muslimen so gefällt, in Frage gestellt.
Wer seinem Kind ein Kopftuch aufzwingt, der macht damit deutlich, welchen Wert er unserer freien und offenen Gesellschaft bei misst und das weder er selbst, noch seine Familie sich integrieren möchte.
Gert Flessing

Marcel Schneider schreibt:
25. August 2018, 20:13

Man muss aber auch folgendes sagen: Nicht alle erwachsenen Muslima tragen ein Kopftuch. Nur 13 % aller muslimischen Frauen tragen ein Kopftuch, 87 % keines.
Das erwähne ich hier, weil man immer das Vorurteil hört, alle Muslima trügen Kopftücher und daran könne man sie erkennen.
Abgesehen davon ist es ein Verbrechen, wenn man Kinder zwingt, ein Kopftuch zu tragen.

Diana von Eynern schreibt:
26. August 2018, 9:16

+++ Der Kommentar wurde von der Redaktion entfernt. +++

Gert Flessing schreibt:
27. August 2018, 14:42

Liebe Frau von Eynern,
vierzig Jahre bin ich im Pfarramt gewesen, von Brandenburg, bis nach Sachsen. Christliche Familien habe ich, aus allen möglichen Gegenden unseres schönen Vaterlandes kennen gelernt.
Mal abgesehen davon, dass ich die betreffende Aussage des Korintherbriefes für ein Pauluswort und nicht für ein Gotteswort halte, sind mir selbst in den konservativsten christlichen Familien keine bekannt geworden, die sich an solchen Unsinn gehalten hätten. Mag sein, das es in den wilden Tälern des Erzgebirges so etwas gab. Aber die meisten Menschen, die ich kenne wissen, das Christus sie zur Freiheit befreit hat, Wer das wirklich lebt, der kann auch eine "selbstbewusste und starke Persönlichkeit" werden.
Gert Flessing

Britta schreibt:
27. August 2018, 15:28

In der kemalistischen Türkei waren Kopftücher an Bildungseinrichtungen verboten, so daß junge Muslima oft Geld dafür erhielten, an ausländischen Unis mit Kopftuch zu studieren. Daß es hier kein Kopftuchverbot in dem Sinne gibt, zeigt, daß unser Land islamisierter als die damalige Türkei ist. Wo bleiben denn die ganzen sogenannten FrauenrechtlerInnen, die zwar eine Durchgenderisierung der Sprache als angeblich "Gerechtmachen" der Sprache erkämpfen (damit die Muttersprache als Grundlage des strukturierten Denkens zerstören), Frauenquoten (da es ihre Schützlinge ja sonst zu nix bringen würden) einfordern und die Aufhebung der Werbung für Abtreibung fordern als angebliches Indiz der Selbstbestimmung der Frau? Beim Thema Islam traut sich nur Altemanze Schwarzer aus der Deckung. Damit sieht man, daß die angebliche Frauenrechtsbewegung heutzutage in unserem Land nur Selbstzweck zur Erlangung gutdotierte Pöstchen ist, aber mit wirklichen Frauenrechten nichts zu tun hat. Bei weiterem Vordringen des Islams, was mit einer Quote ausländischer Kinder von 39% bei den unter-5-jährigen keine Verschwörungstheorie sein kann, würde sich manche Protagonistin verwundert die Augen reiben!

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