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Lutherischer Weltbund zeigt Solidaritätsbekundung

Der Lutherische Weltbund (LWB) beruft sich auf Ökumenische Imperative als Hilfe in der aktuellen Situation in der Sächsischen Landeskirche
so/EVLKS
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Pfr. Dr. Martin Junge
Pfr. Dr. Martin Junge am 13. Juni 2019 bei einer Rede vor dem Lutherischen Weltbund in Genf/Schweiz. © LWF/Albin Hillert via Flickr

Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Pfr. Dr. Martin Junge, wandte sich an die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens mit einem Brief zur aktuellen Situation in der Landeskirche nach den Diskussionen um den Rücktritt von Landesbischof Dr. Carsten Rentzing. Darin drückt er seine Anteilnahme in schwierigen Tagen aus und gibt der Landeskirche fünf ökumenische Imperative mit auf den Weg, die im Dialogdokument »Vom Konflikt zur Gemeinschaft« entwickelt wurden. Hier der Wortlaut des Schreibens:

»Sehr geehrter Herr Oberlandeskirchenrat, lieber Bruder Daniel*,

mit großer Aufmerksamkeit und Sorge habe ich in den letzten Tagen die Situation in Ihrer Landeskirche verfolgt und gelesen, dass Landesbischof Dr. Rentzing angekündigt hat, sein Amt zur Verfügung zu stellen. Die Gründe, die zu diesem Umstand geführt haben, sind mittlerweile bekannt. Ungewiss sind jedoch noch die Nachwirkungen, die dies für Ihre Kirche und ihr öffentliches Zeugnis in Sachsen haben wird. Ich möchte Ihnen mit diesem Brief die Anteilnahme des Lutherischen Weltbundes (LWB) mitteilen sowie unsere begleitenden Gebete für diese schwierigen Tage der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens zusichern. Wir beten als lutherische Weltgemeinschaft, dass die verbindende Kraft des Glaubens den Fliehkräften in der Kirche entgegentritt, die diese Krisensituation auslösen mag. Möge die Gabe der Gemeinschaft untereinander zum Ansporn werden, sich nicht voneinander abzuwenden, sondern sich auf den Weg zu machen, um gemeinsam durch diese belastende Situation zu schreiten.

Es ist die befreiende Gnade Gottes, die uns neues Leben gibt und uns die Freiheit schenkt, um ganz und voll Mensch zu werden. Dies ist die Botschaft, die nach wie vor hochrelevant und aktuell ist und die es gilt, unter die Menschen zu bringen. Sie ist uns im Evangelium gegeben, auf dem die Kirche gegründet steht, und ist sowohl Gabe als auch Auftrag. Ich bete, dass bei aller notwendigen Aufarbeitung der gegenwärtigen Situation diese Gabe und Auftrag niemals aus dem Blick geraten, sondern stets den Horizont abbilden, auf den die Kirche ihren weiteren Weg ausrichtet. Aus unserem ökumenischen Dialog mit der katholischen Kirche haben wir wertvolle Einsichten gewonnen und haben gelernt, Unterschiede und Differenzen neu einzuordnen. Im Dialogdokument »Vom Konflikt zur Gemeinschaft« wurden fünf ökumenische Imperative entwickelt.

Sie bieten wertvolle Impulse an, wo immer das Miteinander gesucht wird. Auch dort, wo das Miteinander als eine große Herausforderung wahrgenommen wird, halte ich sie für nützlich, denn ich bin überzeugt, dass uns viel mehr eint als uns trennt. Daher erlauben Sie, dass ich Ihnen diese Imperative als ökumenische Anregung für ihre aktuelle Situation mitsende.

Möge Gottes guter Geist Sie alle begleiten in den Auseinandersetzungen mit dem Geschehenen, den Gesprächen miteinander und den Bemühungen, Wege aus der gegenwärtigen Situation zu finden.«

[*OLKR Dr. Thilo Daniel, Dezernent für theologische Grundsatzfragen u.a. für Ökumene (ab 1. November 2019 nimmt er bis auf Weiteres die Aufgaben des Landesbischofs wahr]

In tiefer Verbundenheit

Ihr
Pfr. Dr. Martin Junge
Generalsekretär Lutherischer Weltbund

Die fünf ökumenischen Imperative:

»Vom Konflikt zur Gemeinschaft – Gemeinsames lutherisch-katholisches Reformationsgedenken im Jahr 2017«

•  »Katholiken und Lutheraner sollen immer von der Perspektive der Einheit und nicht von der Perspektive der Spaltung ausgehen, um das zu stärken, was sie gemeinsam haben, auch wenn es viel leichter ist, die Unterschiede zu sehen und zu erfahren.«
•  »Lutheraner und Katholiken müssen sich ständig selbst durch die Begegnung mit dem Anderen und durch das gegenseitige Zeugnis des Glaubens verändern lassen.«
•  »Katholiken und Lutheraner sollen sich erneut dazu verpflichten, die sichtbare Einheit zu suchen; sie sollen gemeinsam erarbeiten, welche konkreten Schritte das bedeutet, und sie sollen immer neu nach diesem Ziel streben.«
•  »Lutheraner und Katholiken müssen gemeinsam die Kraft des Evangeliums Jesu Christi für unsere Zeit wiederentdecken.«
•  »Katholiken und Lutheraner sollen in der Verkündigung und im Dienst an der Welt zusammen Zeugnis für Gottes Gnade ablegen.«

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