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Militärbischof stellt Aussetzung der Wehrpflicht infrage

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Wehrpflicht Soldaten
© Gabi Eder/pixelio.de

Sieben Jahre nach der Aussetzung der Wehrpflicht sieht der evangelische Militärbischof Sigurd Rink die Entscheidung für eine Berufsarmee kritisch. In einem am Mittwoch veröffentlichten Gastbeitrag für den »Tagesspiegel« warnte Rink vor »neuen Söldnern«: »Die Aussetzung der Wehrpflicht führt dazu, dass immer mehr Menschen von der ökonomischen Verliererseite in die Bundeswehr eintreten.« Es seien Bürger, die auf dem zivilen Arbeitsmarkt kaum Chancen bekämen.

»Das sind – diese Gefahr möchte ich beim Namen nennen – neue Söldner. Menschen, die im Krieg ihren Lebensunterhalt verdienen, weil sie wenig andere Möglichkeit finden«, schreibt Rink und ergänzt: »Wir delegieren Militäraktionen an die Armen.« Der Militärbischof wollte am Donnerstag einem Vortrag auf der Münchener Sicherheitskonferenz zu dem Thema halten.

Die soziale Ungleichheit des Landes bilde sich in der Armee ab, schreibt Rink. Man könne zwar noch nicht sagen, dass die Bundeswehr insgesamt eine »Unterschichtarmee« geworden sei, »aber es häufen sich Anzeichen, dass das politische Interesse selbst unter jungen Offizieren abnimmt«.

Rink erinnerte an die Gründungsidee der Bundeswehr, nach der sich Soldaten als »Staatsbürger in Uniform« verstehen sollen. Er wünsche sich eine Armee, die ein Spiegelbild der ganzen Gesellschaft sei und Menschen aus allen Regionen Deutschlands anziehe. Überproportional stammten Soldaten derzeit aus Ostdeutschland, wo die ökonomischen Strukturen schwächer seien, beklagte Rink.

»Uns darf nicht gleichgültig lassen, wenn Menschen aus Not und aus Mangel an Alternativen Soldat werden«, sagte der Theologe. Wenn sich an der Tendenz nicht ändere, laufe die deutsche Armee Gefahr, den Anschluss an die Gesellschaft zu verlieren. Für die Militärseelsorge der evangelischen Kirche arbeiten rund 100 Pfarrer und ebenso viele Pfarrhelfer. 15 Auslandseinsätze der Bundeswehr werden von Seelsorgern begleitet.

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13 Lesermeinungen zu Militärbischof stellt Aussetzung der Wehrpflicht infrage
Gert Flessing schreibt:
20. Februar 2018, 20:14

Wie interessant ist die Bundeswehr, wenn man einmal von frohen Werbebildern absieht?
Die Bundeswehr ist eine Armee des Mangels.
Von U Booten über Panzer, bis hin zum Schuhwerk der Soldaten finden sich tausend Mängel und viel Schrott.
Die Bundeswehr ist eine Armee ohne Tradition.
Während Soldaten, wie Rommel oder Guderian in den USA heute Stoff für die Ausbildung von jungen Offizieren liefern, möchte man in deutschen Kasernen diese Namen nicht hören.
Es ist wohl auch besser so. Diese beiden Soldaten würden im Grab rotieren, wenn sie sehen müsten, wie runtergekommen heute deutsche Soldaten in Auslandseinsätze müssen.
Gut, das wenigstens die Seelsorge noch klappt.
Aber eine Armee, die so aussieht, wie die Bundeswehr unserer Tage, mag vielleicht Menschen in ihren Reihen haben, die dadurch ihrer Not entfliehen wollen mag die Gesellschaft unserer Tage widerspiegeln. Soldner kann man das, was dabei rauskommt, wohl kaum nennen. Dafür reicht weder die Ausrüstung, noch die Asubildung, denn eine gute Ausbildung ist ja nur möglich, wenn alles anders stimmt.
Wer weiß, vielleicht löst sich diese Armee eines Tages so auf, wie das verordnete Schuhwerk in den Bergen Afghanistans. Das wäre dann auch ein "Abrüstungserfolg".
Gert Flessing

Marcel Schneider schreibt:
21. Februar 2018, 10:20

Mich hat vor allem entsetzt, dass die Wehrpflicht ersatzlos ausgesetzt wurde. Ich hätte mir gewünscht, dass es stattdessen einen verpflichtenden bürgerlichen Ersatzdienst für alle Jugendlichen gibt, für 12 Monate, z.B. in einem Altenheim, einer Behindertenwerkstatt etc.

Beobachter schreibt:
21. Februar 2018, 15:16

"Arbeitsdienst" hatten wir in Deutschland schon mal!

Johannes schreibt:
22. Februar 2018, 11:30

Diakonisches Jahr mit dem "Arbeitsdienst" der Nazis zu vergleichen, ist schon zynisch. Oder was meinen Sie mit "...hatten wir in Deutschland" schon mal!"?

Beobachter schreibt:
22. Februar 2018, 16:00

Herr Schneider schrieb nichts vom Diakonischen Jahr! Er fordert ein Pflichtjahr für alle Bürger!

Johannes schreibt:
22. Februar 2018, 20:31

Sie haben recht: Es ging nicht expressis verbis um ein "Diakonisches Jahr", sondern um ein Jahr in der Diakonie. Und ich finde auch die Verpflichtung dazu nicht schlecht. Meines Wissen müssen z.B. in Israel Frauen und Männer dienen und zwar beim Militär. - Ich hätte in der DDR gern ein Soziales Jahr gemacht, wenn es das Angebot gegeben hätte; Wehrdienstverweigerung war meine unfeine Alternative. Und Ihre?

Beobachter schreibt:
23. Februar 2018, 11:44

Nein, er forderte ein "Pflichtersatzdienst"!
Um Ihre Neugiere zu befriediegen, auch wenn es Sie nichts angeht, ich habe auch keinen Wehrdienst geleistet!

Gert Flessing schreibt:
23. Februar 2018, 21:46

Ja. Arbeitsdienst hatten wir in Deutschland schon mal. Mein Vater, Jahrgang 1916 ist zu dem "freiwilligen Arbeitsdienst" gegangen. Das ermöglichte ihm, aus seinem Kaff in der Uckermark raus zu kommen. Gleichzeitig hat er dort eine Ausbildung in Melioration bekommen, die ihm später, als er Kriegsgefangener in Schottland war, zugute kam. Daneben hat er einiges über Leben und Zusammenleben gelernt, hatte erstmals genug zu essen (sie waren zuhause 13 Geschwister) und fand das alles nicht schlimm.
Man muss nicht alles, was es mal gab, verteufeln.
Wenn ich mir viele der Jugendlichen ansehe, wie ziellos sie nach der Schulzeit sind, dann wäre ein soziales Jahr, das, wenn jemand nicht zum Militär gehen möchte, verpflichtend ist, nicht schlecht.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
24. Februar 2018, 22:09

Auch wenn das sich jetzt fast wie von Gauland anhört, halte ich es als Pflicht nicht gut. Über freiwillig kann man gerne reden!

Gert Flessing schreibt:
21. Februar 2018, 20:30

Ja, das würde vielleicht manchem jungen Menschen gut tun und ihm, für sein Leben, eine neue, friedliche Perspektive eröffnen.
Gert Flessing

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