Pödelwitz ist gerettet

Der bedrohte Ort Pödelwitz wird nicht weggebaggert – das feiert auch die Kirchgemeinde
epd/Birgit Pfeiffer
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Pödelwitz, Tagebau, Bagger, Friederike Kaltofen
Pfarrerin Friederike Kaltofen in der Kirche Pödelwitz: Sie hat sich mit dafür eingesetzt, dass der 700 Jahre alte Ort, der zur Stadt Groitzsch im Landkreis Leipzig gehört, erhalten bleiben kann. © Steffen Giersch

Nach jahrelanger Zitterpartie haben die verbliebenen Bewohner des Örtchens Pödelwitz südlich von Leipzig Gewissheit: Das rund 700 Jahre alte Dorf muss nicht dem Braunkohleabbau weichen. Der Betreiber des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain, die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag), teilte am Donnerstag in Zeitz mit, Pödelwitz und das Abbaufeld unter dem benachbarten Obertitz würden für die Kohleförderung »nicht mehr in Anspruch genommen«. Das berichtete der Evangelische Pressedienst.

Die Mibrag erklärte, durch den auf Bundesebene beschlossenen Kohleausstieg bis spätestens 2038 verkürze sich die Laufzeit des Kraftwerks Lippendorf, das der Konzern mit Kohle beliefert, bis 2035. Daher sei die Bergbauplanung zugunsten der beiden Ortschaften geändert worden. Darauf habe man sich am Donnerstag mit dem sächsischen Wirtschaftsministerium und dem sächsischen Oberbergamt geeinigt.

CDU, Grüne und SPD hatten 2019 in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, Pödelwitz erhalten und »die Inanspruchnahme der Ortslage« vermeiden zu wollen. Dem Tagebau hatten in den vergangenen Jahrzehnten bereits zahlreiche Ortschaften weichen müssen. Das jahrhundertealte Pödelwitz sollte nach den bisherigen Plänen der Mibrag von 2026 an abgebaggert werden. In den vergangenen Jahren waren bereits rund 100 und damit der Großteil der Bewohner umgesiedelt worden, die Mibrag kaufte zahlreiche Grundstücke im Ort auf. Etwa zwei Dutzend Menschen weigerten sich jedoch hartnäckig, ihre Heimat zu verlassen.

Die Bürgerinitiative »Pro Pödelwitz« kämpfte seit 2013 für den Erhalt des Dorfes. Sachsens Umweltmini­ster Wolfram Günther (Grüne) erklärte nun, er freue sich für die Bewohner. »Der Name Pödelwitz wird als erster Ort in Sachsen in Erinnerung bleiben, den der Kohleausstieg vor dem Ende bewahrt hat.«

Auch Pfarrerin Friederike Kaltofen ist erleichtert. »Da sind uns mehrere Brocken von Herzen und Schultern gefallen«, sagt sie. »Seit das Thema 2009 auf den Tisch kam, ist dies eines unserer Herzensanliegen. Elf Jahre haben wir – Kirchenvorstand und Gemeinde – geschlossen für den Erhalt des Orts gekämpft.« Entsprechend groß war am Donnerstag die Freude. »Da haben bei uns die Sektkorken geknallt.« 700 Jahre Ortsgeschichte blieben nun erhalten. »Aber vor allem bleiben die Orte für die Bewohner erhalten: Die Gehöfte, die Traditionen und überhaupt die Dorfstrukturen«, freut sich die Pfarrerin. Nun gehe es darum, den Ort neu zu beleben – eine schöne Aufgabe. Vorstellungen, Pläne, Wünsche und Visionen gebe es bereits. »Wir haben ein Motto für Pödelwitz: Bewahrung fängt von innen an.«

2020 hatte die Initiative »Pro Pödel­witz« erklärt, das Dorf könne zum Modellprojekt für den Strukturwandel werden, wenn es erhalten bleibt. Dazu gehört unter anderem, dass sich das Dorf künftig vollständig mit erneuerbaren Energien versorgt, Kleinbetriebe und Genossenschaften entstehen und Menschen aller Generationen zusammenleben. In einem Papier mit dem Titel »Pödelwitz hat Zukunft« wurde die Vision eines »Dorfs der kurzen Wege« entwickelt. Dazu zählten Arbeitsplätze im Handwerk, in einem Gasthof und in der Landwirtschaft, hieß es. In der Dorfschule solle ein Seminarhaus entstehen. Nun könnten die Pläne wahr werden. Pödelwitz gehört kirchgemeindlich zum Kirchspiel Groitzsch. Das Kirchgebäude stammt Experten zufolge aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts. 

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