Urlaub im Pfarrhaus?

Leerstand: Viele Pfarrhäuser in der Oberlausitz sind baufällig, stehen leer. Könnten Sie künftig als Ferienwohnungen dienen? Eine Studie klärt die Machbarkeit.
Andreas Kirschke
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Übernachtung schon möglich: Im Pfarrhaus Arnsdorf, zwischen Bautzen und Görlitz, lebt seit 1995 Pfarrer Andreas Fünfstück mit seiner Familie. Seit 2004 ist der Pfarrhof Ökumenische Pilgerherberge. © Andreas Kirschke

Risse durchziehen das Mauerwerk. An einigen Stellen tritt bereits Feuchtigkeit auf. Repariert sind Dachstuhl und Dach. »Nur die unteren Räume nutzen wir noch: als Gemeinderaum für die Gottesdienste im Winter, als Büro, als Archiv, Aufenthaltsraum, Küche und Toilette. Die obere Etage steht seit 20 Jahren leer. Es ist so schade um das Haus«, meint Annette Langner (55), Mitarbeiterin im Pfarrsprengel Waldhufen-Vierkirchen bei Niesky (Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, kurz EKBO). Mindestens 350 000 Euro würde die Sanierung des im 17. Jahrhundert entstandenen Pfarrhauses Nieder Seifersdorf kosten. Ein Konzept liegt vor. Doch es fehlt schlicht am Geld.

Das Haus gehört zu den sechs näher untersuchten Gebäuden der Machbarkeitsstudie »Urlaub in Pfarrhäusern der Oberlausitz«. Diese konnte Anfang Mai an Superintendentin Antje Pech (Kirchenbezirk Löbau-Zittau) und an Superintendent Thomas Koppehl (Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz) übergeben werden.

Das Ingenieur-, Planungs- und Beratungsbüro Basler & Hofmann aus Görlitz erstellte die Studie. Initiatoren waren Dorothe Ehlig, Referentin für Fördermittel in der Landeskirche Sachsens, Baupfleger Bernhard Preiß und Andreas Fünfstück (58), Pfarrer auch von der Kirchengemeinde Nieder Seifersdorf.

Erstmals wurde dafür ein Kooperationsvertrag über Landeskirchen- und Gremiengrenzen hinweg mit vier Partnern geschlossen. 63 000 Euro kostete die Studie. 80 Prozent davon kamen aus dem Programm LEADER, dem europäischen Förder- und Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum. 20 Prozent zahlten die beiden beteiligten Kirchenbezirke. »Zwei Förderregionen – Östliche Oberlausitz und Naturpark Zittauer Gebirge – arbeiteten dabei zusammen. Das Ziel war, eine Handlungsstrategie für die leeren und teilweise schon baufälligen Pfarrhäuser zu erarbeiten«, sagt Barbara Werling, Regionalmanagerin der LEADER-Region Östliche Oberlausitz.

Die Studie untersuchte Bauzustand, Kapazität, Wirtschaftlichkeit, mögliche künftige Nutzung und Synergien. »Eine touristische Nutzung ist grundsätzlich möglich. Die Pfarrhäuser am Leben zu erhalten bedarf fokussierter und massiver Anstrengungen. Damit Kirche vor Ort bleibt. Wir brauchen eine umfassende Immobilienstrategie«, schätzt Hagen Aye vom Büro Basler & Hofmann ein.

Fazit der Studie: Erst eine große Netzwerk-Lösung ergibt Sinn. Betrieben als übergreifende GmbH mit 35 Pfarrhäusern bei mindestens 45-prozentiger Auslastung im Jahr würde sich die touristische Nutzung nach sieben bis zehn Jahren rechnen, so die Studie. Das würde jedoch zuvor einer Investition von mindestens 15 Millionen Euro in diese Pfarrhäuser bedürfen. Sie brauchen eine bauliche und energetische Grundsanierung.

Orientierung für die Studie gab das 2014 praktizierte Projekt »Himmlisch Urlauben. Urlaub in Pfarrhäusern« in der Steiermark in Österreich. Laut dessen Leiter war es zum Ende »finanziell und wirtschaftlich ein Desaster«. Das lag vor allem an der nicht professionellen Betreibung. Die Lausitz soll daraus lernen. Rund 140 Pfarrhäuser gibt es allein in den LEADER-Regionen Östliche Oberlausitz und Naturpark Zittauer Gebirge. Durch immer weniger Mitglieder gibt es auch weniger Pfarrstellen. So werden weniger Pfarrhäuser als Wohnort gebraucht. Droht das Kultur- und Geschichtsgut Pfarrhaus verloren zu gehen?

»Dazu darf es nicht kommen«, meint Andreas Fünfstück, Pfarrer in Arnsdorf bei Niesky. Lebendig und einladend wirkt der Pfarrhof. Er gehört zum Gesamt-Ensemble Kirche, Pfarrhaus, Scheune, Stall, Alte Schule und Friedhof. »Gerade das Pfarrhaus ist ein Ort der Offenheit, Unterkunft, Herberge und Begegnung«, meint der Pfarrer. Zu seinem Pfarrsprengel gehören sechs Pfarrhäuser. »Langfristig brauchen wir nur noch eins«, sagt er. Das Problem leerstehender Pfarrhäuser betreffe dabei nicht nur die Lausitz«, betont Andreas Fünfstück. »Die Rettung, Bewahrung und Nutzung der Pfarrhäuser sollte Teil des Strukturwandels bis 2038 sein. Dafür brauchen wir eine Grundsatz-Entscheidung der beiden Bundesländer und Landeskirchen.«

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Hintergrund
Pfarrhaus Hirschfelde. Foto: Kirchgemeinde Siebenkirchen Dittelsdorf
Die 2020 erstellte Studie »Urlaub in Pfarrhäusern der Oberlausitz« prüfte sechs Pfarrhäuser auf ihre Eignung als Ferienobjekt. Zur Landeskirche Sachsens gehören dabei die Pfarrhäuser Hainewalde, Waltersdorf und – mit dem größten Investitionsbedarf – Hirschfelde, zur EKBO die Pfarrhäuser in Hähnichen, Tauchritz und Nieder Seifersdorf. Superintendentin Antje Pech in Löbau twitterte: »Urlaub im Pfarrhaus. Angesichts von demographischem Wandel und Strukturveränderungen in der Lausitz ein innovatives Projekt.«

Impressionen Lausitz-Kirchentag


  • Görlitz begrüßt an diesem Wochenende zum »Lausitz-Kirchentag« © Steffen Giersch


  • Stark in der Region: Die Sorben, hier in typischer Tracht © Steffen Giersch


  • Mit viel Musik und zahlreichen Angeboten wurde gefeiert © Steffen Giersch


  • Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer besuchte zu diesem Anlass Görlitz © Steffen Giersch


  • Tausende Christen nahmen am Lausitz-Kirchentag teil © Steffen Giersch


  • Strahlender Sonnenschein und Hitze beim Lausitz-Kirchentag, die Stimmung blieb oben auf © Steffen Giersch


  • Gestaltet wurde der Lausitz-Kirchentag von der Sächsischen Landeskirche (EVLKS) und der Landeskirche für Berlin-Brandenburg und Schlesische Oberlausitz (EKBO) © Steffen Giersch


  • Tausende Christen nahmen am Lausitz-Kirchentag teil © Steffen Giersch


  • Stark in der Region: Die Sorben, hier in typischer Tracht © Steffen Giersch


  • Spiel, Spaß und Informationen an vielen Ständen und Veranstaltungsorten in Görlitz © Steffen Giersch


  • Spiel, Spaß und Informationen an vielen Ständen und Veranstaltungsorten in Görlitz © Steffen Giersch


  • Musik gehörte natürlich dazu, beim Gottesdienst und zahlreichen kleinen Teilveranstaltungen © Steffen Giersch


  • Spiel, Spaß und Informationen an vielen Ständen und Veranstaltungsorten in Görlitz © Steffen Giersch




  • Am gemeinsamen Stand der sächsischen Kirchenzeitung DER SONNTAG und der Berliner Zeitung DIE KIRCHE© Steffen Giersch


  • Austausch und Informationen boten viele Stände an – die Besucher nahmen das gerne und gut an © Steffen Giersch


  • Auch diakonische Einrichtungen, wie hier die Bahnhofsmission, informierten © Steffen Giersch


  • Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer besuchte Stände © Steffen Giersch


  • Und Ministerpräsident Kretschmer nahm an zahlreichen Gesprächen und Diskussionsrunden teil © Steffen Giersch


  • Spiel, Spaß und Informationen an vielen Ständen und Veranstaltungsorten in Görlitz © Steffen Giersch


  • Familie in Sorbischer Tracht – jede Stadt hat ihre eigene Tracht, die leicht voneinander variiert © Steffen Giersch


  • Austausch und Informationen boten viele Stände an – die Besucher nahmen das gerne und gut an © Steffen Giersch


  • Ministerpräsident Kretschmer nahm an zahlreichen Gesprächen und Diskussionsrunden teil – ein wichtiges Thema in der Region: Der Braunkohleausstieg © Steffen Giersch


  • Auch Bettina Westfeld nahm an der Diskussionsrunde zum Braunkohleausstieg teil © Steffen Giersch


  • Austausch und Informationen boten viele Christen an – die Besucher nahmen das gerne und gut an © Steffen Giersch


  • Am gemeinsamen Stand der sächsischen Kirchenzeitung DER SONNTAG und der Berliner Zeitung DIE KIRCHE© Steffen Giersch

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