Vorbild für Mädchen: Pippi Langstrumpf feiert 75. Geburtstag

»Pippi ist auch heute noch wichtiges Vorbild für Mädchen« – Drei Fragen an Literaturwissenschaftlerin Inger Lison
Christine Süß-Demuth (epd)
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Pippi Langstrumpf
© M W/Pixabay

Schlagfertig, liebenswert und unheimlich stark ist die berühmteste Kinderbuchheldin der Welt: Vor 75 Jahren erschien "Pippi Langstrumpf". Michelle Obama und Cornelia Funke zählen zu ihren Fans und noch heute ist sie nach Einschätzung der Hannoveraner Literaturwissenschaftlerin Inger Lison Vorbild für Mädchen: Sie können von ihr lernen, selbstbewusst und gleichberechtigt ihren eigenen Weg zu gehen. Das sei besonders wichtig in einer Zeit, in der es bei weiblichen Figuren in der Kinder- und Jugendliteratur wieder eine "Rolle rückwärts" gebe, sagte die Leiterin der Astrid-Lindgren-Datenbank im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

epd: Das Buch "Pippi Langstrumpf" ist 1945 erschienen. Warum ist das Mädchen mit den roten Zöpfen heute noch so beliebt?

Lison: Pippi ist die erste weibliche Hauptfigur, die mit den Konventionen gebrochen hat. Sie ist finanziell unabhängig, sprachlich souverän, hinterfragt Erwachsene und entscheidet selbst über ihre Freunde oder was sie essen will. Zudem schmeißt sie einen ganzen Haushalt und lebt zusammen mit ihrem Pferd und ihrem Affen in der Villa Kunterbunt.

Es geht um Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Abenteuer, Mut und das Verhältnis von Kindern Erwachsenen gegenüber. Diese Themen beschäftigten Kinder auch noch heute in Zeiten der Digitalisierung. Pippi ist emanzipiert und passt in keinerlei Rollenklischees. So ist sie beispielsweise stolz auf ihre Sommersprossen und versteht nicht, warum ihr jemand eine Salbe dagegen verkaufen will.

epd: Es gibt viele weibliche Heldinnen in Büchern. Warum brauchen wir heute noch Pippi?

Lison: Sie ist ein wichtiges Vorbild für Mädchen, selbstbewusst und gleichberechtigt ihren eigenen Weg zu gehen. Das ist besonders wichtig in der heutigen Zeit, in der innerhalb der Kinder- und Jugendliteratur in der Konzipierung von weiblichen Heldinnen wieder eine "Rolle rückwärts" beobachtet werden kann. Teilweise entsprechen die Protagonistinnen wieder konventionellen Geschlechterstereotypen.

Zudem steht die heutige Generation wegen des zunehmenden Trends der Selbstinszenierung auf Social Media Kanälen vehement unter Druck. Es wird sehr viel Wert auf Äußerlichkeiten gelegt. Pippi Langstrumpf ist vollkommen zufrieden mit sich selbst und ihrem Äußeren. In der heutigen Zeit kann sie daher eine Entlastungsfunktion innehaben.

epd: Gilt das auch für Jungen?

Lison: Pippi bietet zusammen mit ihren Freunden Thomas und Annika als Kontrastfiguren Identifikationspotenzial für Mädchen und Jungen gleichermaßen an. Eine Studie hat interessanterweise ergeben, dass viele Kinder gar nicht so wie Pippi sein wollen, sondern sich diese vielmehr "als aufregende Spielkameradin in der Nachbarschaft" wünschen.

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