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»Wir brauchen mehr Lehrer!«

Interview mit Martin Herold, Vorstand der Schulstiftung der Landeskirche Sachsens, über die ungleiche Finanzierung freier und staatlicher Schulen, den Lehrermangel und die Forderung nach Gemeinschaftsschulen.
Uwe Naumann
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Martin Herold, Schulstiftung, Landeskirche
Martin Herold ist im Vorstand der Schulstiftung der Landeskirche Sachsens. © Schulstiftung

Herr Herold, vor einigen Jahren musste vor dem Verfassungsgericht eingeklagt werden, dass freie Schulen weniger benachteiligt werden. Die Klage hatte Erfolg. Wieso fordern Sie jetzt mit einer Kampagne und einer Petition die Gleichstellung? Hat die Klage nicht gefruchtet?
Martin Herold: Eine Angleichung hat in der Tat stattgefunden, eine Gleichstellung aber noch nicht. Der Rechtsweg ist ja immer offen. Aber er ist zeitlich langwierig und nicht zwingend zielführend. Der verfassungsgemäße Anspruch zur Gleichbehandlung staatlicher und freier Schulen ist noch nicht überall verinnerlicht. Deshalb wollen wir jetzt auch die neuen Landtagsabgeordneten ansprechen. Unsere Petition läuft bis Oktober und dann gehen die Unterschriften an den Landtag.

Zur Ungleichbehandlung gehört auch die Verbeamtung von Lehrern, die an freien Schulen nicht möglich ist. Trotzdem begrüßen Sie sie. Warum?
Die Verbeamtung von Lehrern ist ein legitimes Mittel des Freistaats, um Lehrer zu gewinnen oder auch nach Sachsen zurück zu gewinnen. Das ist auch unser Ziel. Wir brauchen mehr Lehrer! Natürlich können wir freien Schulen nicht mit Verbeamtung konkurrieren. Aber wenn sich die Lehrersituation entspannt, hilft das auch unseren Schulen.

Zieht die Verbeamtung schon spürbar Lehrer aus den freien zu den staatlichen Schulen?
Ob es flächendeckend ist, weiß ich nicht. Aber punktuell, gerade in den Städten Leipzig und Dresden, ist ein Wechsel wahrzunehmen. Die Lücken werden leider oft kurzfristig gerissen, wie jetzt in den Ferien. Die Lehrer zu ersetzen ist schwieriger geworden. Wir fordern ja deshalb schon länger, dass eine Beurlaubung von verbeamteten Lehrern möglich ist, während sie an freien Schulen unterrichten. In anderen Bundesländern gibt es das.

In anderen Bundesländern gibt es auch Gemeinschaftsschulen. Nun hat ein entsprechender Volksantrag in Sachsen die nötigen Unterschriften bekommen und muss im Landtag beraten werden. Wie steht die Schulstiftung zu längerem gemeinsamen Lernen?
Wir haben eine Reihe von Schulstandorten, die als evangelische Schulzentren mit verschiedenen allgemeinbildenden Schultypen auftreten. Wir wollen diese Durchlässigkeit durch die Schularten, also dass kein Wechsel der Schule sein muss. Viele der Konzepte an evangelischen Schulen sind so angelegt. Der Volks­antrag trifft uns deshalb jetzt weniger, aber wir unterstützen inhaltlich dieses Anliegen.

Wie das Kultusministerium die Lehrersituation aktuell einschätzt, wie viele Stellen zum Schuljahresbeginn noch unbesetzt sind und wie evangelische Schulen am Beispiel von Plauen und Limbach-Oberfrohna mit der Situation leben können, das lesen Sie als Abonnent im Beitrag Frei, aber nicht gleich.

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