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»Wir haben ihm so viel zu verdanken«

Der Meißner Domchor verabschiedet sich von seinem Domkantor Jörg Bräunig
Domchor zu Meißen
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© webandi/Pixabay

Am 1. Dezember sollte für hunderte Besucher in Meißen der Advent mit Bachs Weihnachtsoratorium beginnen. Die Kinder sollten in der Afrakirche staunen und erleben, was sich der große Bach bei seinem Werk alles gedacht hatte und wie die Musik klingen soll. Darauf hatte sich Domkantor Jörg Bräunig schon gefreut. Er steckte mitten in den Proben für die Kantaten 1 bis 3. Doch Jörg Bräunig (49) starb am 16. November plötzlich und für alle unerwartet. Der Schmerz sitzt tief bei allen, die mit diesem wunderbaren Menschen musiziert haben.

 Vor neun Jahren war er als Domkantor in Meißen ins Amt eingeführt worden. Neuneinhalb Jahre lang war es uns Chorsängerinnen und Chorsängern vergönnt, unter seiner Leitung große Musik-Werke einzustudieren und aufzuführen.

Seine Probenarbeit war immer gründlich. Er verstand es von der ersten Probe 2009 an, den Chor durch seine mitreißende, optimistische und immerwährende Freundlichkeit für die jeweiligen Werke zu begeistern. Seine unerschöpflichen Improvisationsfreude an Orgel und Klavier musste man einfach miterlebt haben! Bis zu drei chorsinfonische Werke standen im Jahr auf dem Programm, die der Domchor teils mit befreundeten Chören gemeinsam einstudiert und gezeigt hat. Neben Bachs Weihnachtsoratorium zählten dazu auch die Musikalischen Exequien von Schütz, zwei große Passionsmusiken von Homilius, Bachs Johannespassion in zwei verschiedenen Fassungen und Brahms Deutschem Requiem. In diesem Jahr hatten wir Mendelssohns »Lobgesang« einstudiert.



Neben all diesen Werken vergangener Jahrhunderte lag Jörg Bräunig auch anspruchsvolle Chormusik aus heutiger Zeit am Herzen. An der Stelle sei an Paul McCartneys Liverpool-Oratorio und Martin Palmeris »Misa Tango« erinnert. Die überaus erfolgreiche Aufführung des Oratoriums »Stella Maris« von Helge Burggrabe Mitte September im Dom sollte Jörg Bräunigs inspirierendes Wirken krönen. Für 2019 hatte er das Paulus-Oratorium und Antonin Dvoraks »Te Deum« vorgesehen. Diese Vorhaben kann er nun selbst nicht mehr verwirklichen.

 Durch den unfassbaren Tod Jörg Bräunigs ist für den Domchor und die anderen Musik-Gruppen am Dom zu Meißen ein höchst frucht- und freudebringendes kirchenmusikalisches Jahrzehnt zu Ende.

Die durch Jörg Bräunigs Schaffen erreichte Qualität der kirchenmusikalischen Aufführungen in Gottesdiensten und Konzerten hat Besucher nicht nur aus Meißen, sondern weit darüber hinaus angezogen. So musste das Oratorium »Stella Maris« an einem zweiten Abend gezeigt werden, weil die Karten für den ersten Abend schnell bundesweit ausverkauft waren. Auch die Zahl derer, die in den Chören mitsingen wollten, hatte sich unter Jörg Bräunigs Wirken spürbar erhöht. Besonders sicht- und hörbar wurde das bei den Kleinsten in der Domkurrende. Jörg Bräunig ließ die Kurrendekinder bei den bedeutenden chorsinfonischen Werken immer hervortreten.



Wir alle in den unterschiedlichen musikalischen Gruppen haben unserem Domkantor, großen Musiker, Freund, Lehrer, Organisator und Netzwerk-Arbeiter Jörg Bräunig so viel zu verdanken. Er stand auch in gutem Kontakt zu Kulturschaffenden in Meißen und hat durch die Neuen Burgfestspiele, die Lange Nacht der Kultur, das Chorfestival, den Martinsumzug der Kinder, mancherlei Gesangsrunden in Altenheimen und bei anderen Veranstaltungen direkt in die Stadt Meißen ausgestrahlt. 

Jörg Bräunig hat allen, die in sein Musizieren einbezogen waren, so viel Freude geschenkt. Das erfüllt uns mit Dankbarkeit.

Unsere Gedanken sind bei Jörg Bräunigs Familie, besonders seiner Frau, seinen Kindern und Eltern. Mögen sie und wir alle Trost finden, in dem, worin er uns knapp zehn Jahre lang angeleitet hat: In der Musik zur Ehre Gottes. Oder wie Jörg Bräunig es unter jedes Konzert-Programm drucken ließ: »Soli Deo Gloria«.



Domchor zu Meißen

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